Europa und der Balkan

23/02/2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Grenzland. Ich mag Grenzländer. Slavoj Zicek sagt: „Menschen identifizieren ihre Identität über das, was sie nicht sind“. Eines dieser Grenzländer, in denen einem viel klar wird, ist Ungarn und insbesondere seine Hauptstadt, das alte und neue, prunkvolle und abgewrackte, höchstkulturelle und alternative Budapest, das ich kürzlich besuchte. Noch vor 100 Jahren lebten hier zur Hälfte Deutsche und es war Teil der habsburgischen Großmacht Österreich-Ungarn. Heute hundert Jahre später leben  weniger als 1 Prozent Deutsche hier und alles ist anders. Großreiche sind zerfallen, wir sprechen von Balkanisierung und meinen das meist abfällig. Orban, der ungarische Präsident gilt sogar als Paria Europas, da er den Nationalstaat hochhält. Und jetzt 2017 ist es gar nicht ausgeschlossen, dass es zu einer Balkanisierung, einem Zerfall Europas in lauter Kleinstaaten, kommt.

Ich mag es gedanklich zurückzugehen, denn da erscheint eine besonders bunte ungarische Geschichte, die man als erhellend betrachten kann für das, was im Augenblick in Europa passiert. So wanderte gegen Ende des 9. Jahrhunderts, also etwa ein halbes Jahrtausend nach dem Sturz des römischen Reiches, ein  „kriegerischer Hunnenstamm der Magyaren“ in das Karpatenbecken ein und machte von da aus Raubzüge durch ganz Europa bis sie Otto I.  955  auf dem Lechfeld vernichtend schlug. 

Den Magyaren wurde durch die Niederlage klar, dass die Machtverhältnisse sich drehten und dass es opportun war sich anzupassen und sich in das christliche Europa zu  integrieren. Ein Nachfahre des legentären Anführers Árpád, der die 7 Stämme in das Karpatenbecken führte ( sie sind übrigens alle hoch zu Roß auf dem Heldenplatz in Budapester Norden zu bewundern) forderte folgerichtig von seinem Volk sesshaft zu werden, sich zum Christentum zu bekennen und in jedem zehnten Dorf eine Kirche zu bauen. War sicher nicht einfach für die kriegerischen Magyaren. Er selbst nannte sich nun Istan  (Stephan) und ließ sich im Jahr 1001 von Papst Silvester II die Königskrone aufsetzen. Damit hatte er ein Königtum auf westliche Art errichtet und sich auf westliche Art legitimisiert. König Stephan gilt noch heute als Gründer des  ungarischen Reiches  und  wurde 1083 heiliggesprochen. Seine Krone ist das Sinnbild des selbständigen ungarischen Staat.

Mit der Selbstständigkeit sollten die Magyarenes  schwer haben im Laufe der folgenden Jahrhunderte, denn sie waren nunmal Grenzland und immer unterschiedlichen Interessen ausgesetzt.


Schon  1241/1242  wurde das deutlich und das Land wurde im Mongolensturm beim Angriff der goldenen Horde schwer verwüstet. Dabei kamen etwa 50 % der Bevölkerung ums Leben

König Béla IV.holte daraufhin für die Neubesiedelung die ersten „Donauschwaben“ (Siedler aus dem heiligen römischen Reich) ins Land. Bald darauf unter König Matthias Corvinus stieg Ungarn zur politischen Großmacht auf und wurde zu einem Zentrum der Renaissancekultur und des Humanismus. Sein Großreich zerfiel jedoch nach seinem Tod und Ungarn geriet (wie so oft) in Abhängigkeit und wurde zwischen 1490 und 1526 von  den polnisch-litauischen Jagiellonen Ungarn in Personalunion regiert. 


Danach dominierten die Interessen  des  Mosul-Empire und die Osmanen hielten Ungarn 145 Jahre besetzt, bis sie 1683 bei der berühmten Schlacht am Kahlenberg bei Wien vernichtend geschlagen wurden.   

http://de.m.wikipedia.org/wiki/Belagerung_von_Ofen_(1684/1686)


Jetzt wiederholte sich das Gleiche wie unter Bela. Die siegreichen Habsburger holten für die Neubesiedelung „neue Schwaben“ (d. h. deutsche Bauer und Handwerker sowie österreichische und böhmische Bergleute) in die an der mittleren Donau gelegenen und während der Türkenherrschaft weithin verödeten Gebiete.
So entstanden die „donauschwäbischen Siedlungsgebiete“ mit ihren städtischen Zentren Ofen (ung. Buda), Pest, Stuhlweißenburg (ung. Székesfehérvár), Fünfkirchen (ung. Pécs), Essegg ( ung. Eszék), Maria-Theresiopolis ( ung. Szabadka), Neusatz ( ung. Újvidék), Temeswar (ung. Temesvár). 

Im Laufe des 18. Jahrhunderts waren bald 150.000 Kolonisten aus deutschen und österreichischen Territorien in die Gebiete des damaligen historischen Ungarn ausgewandert. Unter Ihnen wurde die pannonische Tiefebene  zur „Kornkammer der Donaumonarchie“.  

Mit ein wenig Abstand kann diese KuK-Monarchie durchaus als ein frühes Europa betrachtet werden, als ein Staatenbund indem insbesondere die Ungarn immer nach Augenhöhe strebten und die deutschsprachige Gesellschaft Sonderrechte hatte.

Am Ende des I. Weltkrieges, als die Donaumonarchie zerbrach, verlor Ungarn durch das Friedensdiktat von Trianon (4. 6. 1920) zwei Drittel seines Staatsgebietes, und daraus ergab sich auch eine Dreiteilung der Donauschwaben. Rund 550.000 blieben bei Ungarn, 330.000 kamen zu Rumänien und 510.000 zu Jugoslawien. Ihnen wurde dann im und nach dem 2. Weltkrieg besonders übel mitgespielt. 

Was heisst das nun für heute? Deutschland sagt „Identität gibt es nicht“ und den Visegrad-Staaten ist sie besonders wichtig! Warum?  Nun der Balkan hat Erfahrung mit Vielvölkergemeinschaften und Deutschland eher nicht. 

Die Forderung der mitteleuropäischen Visegrad-Staaten nach   „Emanzipation von Deutschland“ erinnert an die Forderung von Ungarn auf Augenhöhe in der KuK-Monarchie.  Dabei hat Europa für sie durchaus was zu bieten, denn EUROPA steht für einen minimalen sozialdemokratischen Standard. Peter Sloterdijk sagt zu Recht, es gibt in Europa so etwas wie eine «objektive Sozialdemokratie». Ihre Werte sind Teil der Verfassungen geworden und unbestritten. Was sind die Alternativen? Gelenkte Demokratie à la russe oder Kapitalismus mit autoritären asiatischen Werten? Lateinamerikanischer Linkspopulismus oder angelsächsischer Ultraliberalismus? Blieben die Balkanländer ausserhalb der EU, würden sie im Rahmen von Interessenpolitik einfach wirtschaftlich integriert und zu Standorten für Industrien und Praktiken, die in der EU nicht mehr erlaubt sind. 

Darin könnte z. B. der Kampf der Linken stattfinden, in diesem unabgeschlossenen Projekt Europa. Aber sie begeben sich ja immer auf Nebenschauplätze. In ganz Europa sind wir in der misslichen Lage, dass Politik als Passion eigentlich nur noch von der immigrationsfeindlichen, rassistischen Rechten gemacht wird. In Frankreich kann nur  Le Pen politische Leidenschaft wecken. Die gleiche Entwicklung findet in den Niederlanden, Norwegen und Schweden statt. Die Balkanländer liegen im europäischen Mainstream. Man hat die Wahl zwischen der Nicht-Politik der breiten Mitte und der Leidenschaft der nationalistischen Rechten.  In Kosovo und Serbien sind die «autochthonen», nicht aus dem Ausland finanzierten Bürgerbewegungen noch heute nationalistisch: «Vetevendosje» (Selbstbestimmung) in Pristina oder «Obraz» (Ehre) in Belgrad. 

Aber man sollte diese „Rechte“ nicht vorschnell aburteilen, denn sie ist eine Gegenbewegung zum Identitätsverlust.
Hier ist die grundlegende Forderung möglichst  viel nationale Souveränität zurück zu erobern, um den Wohlfahrtsstaat vor dem Währungsfonds und der EU-Bürokratie zu retten. Das ist nicht ganz falsch, wenn man die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin ansieht.  Denn sie verfolgt ein  Konzept von Multikulturalismus, der mit den lokalen Interessen nichts zu tun hat – da beginnen die Probleme. Man nimmt die Einheimischen nicht ernst als politische Subjekte.  

So wurde zum Beispiel auch in den 90zigern der Jugoslawien-Konflikt im Westen als Stammeskrieg dargestellt, als ethnische Verrücktheit. Er wurde entpolitisiert und ausschliesslich als Menschenrechts-Problem verstanden und nicht als Kampf um die Kontrolle eines Territoriums, was er für Albaner und Serben war. Die Protagonisten werden nicht ernst genommen (oder besser: sie wurden nur ernst genommen, wenn sie die Rolle von hilflosen Opfern spielen, die der Westen dann retten konnte).

Worauf will ich hinaus? Unsere politischen Systeme repräsentieren die sozialen Probleme nicht mehr adäquat. Die Linke hat sich auf Multikulturalismus und Identitätspolitik zurückgezogen. Aber die richtige Antwort heisst Re-Politisierung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Wenn Linke von Rassismus und Sexismus sprechen, dann übersetzen sie dies automatisch in ein Problem der «Toleranz». Es geht aber um Politik, um Rechte und um Macht und  nicht um psychoanalytische Probleme. 

Die Lügen der Eliten

11/02/2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Lüge 1 : Wir leben in der besten aller Welten

In Frankreich der Geburtsstätte des „Liberté, Égalité, Fraternité“ ist die Unzufriedenheit und die Wut der Menschen über ihre Politiker und die etablierten Parteien seit Jahren groß. Die gesellschaftliche Spaltung ist enorm, die Arbeitslosigkeit verharrt auf einem hohen Niveau und die Armut in grossen Teilen der Bevölkerung steigt an. Doch anstatt diese Probleme anzugehen, setzt die vermeintlich linke Regierung – unter Aushebelung des Parlaments und per Dekret – sogenannte Arbeitsmarktreformen nach dem Vorbild der deutschen Agenda 2010 durch, die zusätzliche Verschlechterungen für die ohnehin schon ärmsten Teile der Bevölkerung mit sich bringen.

Für die Präsidentschaftswahl im April 2017 kündigt sich so eine weitere Anti-Establishment-Wahl, diesmal der französischen Wähler, an und dies mit weitreichenden Folgen für Europa. Die Vorsitzende des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, gilt für die Stichwahl um das Präsidentenamt als schon gesetzt.  Es bleibt ein va banque Spiel,  ob Frankreich im letzten Augenblick die Kurve kriegt. 


Die Quintessenz der Analysen zu den USA und zu Frankreich ist ebenso simpel wie logisch: Die Menschen sind es leid, fortwährend GEGEN die Politik derjenigen ankämpfen zu müssen, die sie in die Parlamente gewählt haben.

Jegliche Beteiligung, die diese Demokratie für ihre Bürger angeblich vorsieht, wird solange durch Siebe gegossen, verzerrt, ignoriert, umgebogen und ins Gegenteil verkehrt, bis vom eigentlichen Inhalt nichts mehr übrigbleibt und die Politik munter nach eigenem Gutdünken durchregieren kann. 

Auf der anderen Seite des Rheins hallen uns die  „Deutschland-geht-es-gut“-Rufe der Eliten noch in den Ohren.  Tatsächlich sind seit Einführung der Agenda 2010 sagenhafte 14,5 Mio. Menschen schon mindestens einmal auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen gewesen. Die Tafeln stoßen vielerorts an ihre Kapazitätsgrenzen und müssen Bedürftige abweisen. Arbeitszeiten, Arbeitsbedingungen, Leistungsdruck, Lohnhöhe – alles gerät mittels der permanenten „In-Konkurrenz-Setzung“ auf eine Rutschbahn nach unten, die sich bis weit in die sogenannte Mitte hineinzieht

Wer heute noch einen festen Job besitzt, kann schon morgen diese Arbeit verloren haben. Ist es unter diesen Voraussetzungen nicht völlig verständlich, dass ein großer Teil der Bevölkerung bezüglich seiner persönlichen Zukunft verunsichert ist und sich nicht nur, wie ständig öffentlich behauptet, verunsichert „fühlt“? 

Lüge 2: Die Parteien der Mitte garantieren Demokratie und kümmern sich um die Interessen der Menschen
Alle für die Menschen existenziellen Themen haben die etablierten politischen Parteien seit Jahren und Jahrzehnten stets zuungunsten des ärmeren Teils der Bevölkerung behandelt, sie haben diesem nahezu nur Zumutungen und Verschlechterungen ihres Lebens angeboten. Unabhängig davon, ob sie nun als konservativ-rechte Parteien wie CDU/CSU eine mehr oder minder offene wirtschaftsfreundliche Politik verfolgt haben oder als vermeintlich linke Parteien wie SPD oder Grüne das Thema einer sozial gerechten Gesellschaft im Munde geführt haben, in Politik umgesetzt haben sie – immer mit dem Blick auf den bedrohlichen Globalismus – davon nichts. 
In meinen Augen sind dadurch die beiden großen politischen Strömungen der Nachkriegspolitik  krachend gescheitert. Die rechte, konservative, weil sie einfach nur das ist, was sie ist: eine Vertreterin und willfährige Handlangerin des Finanzkapitalismus amerikanischer Prägung. Und die sozialdemokratisch linke, weil sie eben genau das nicht ist, was sie stets und immer wieder sehr wortreich verkündet: eine Vertreterin und Kämpferin für die Rechte und Interessen des ausgelieferten Teiles der Bevölkerung, der Armen, der Arbeitslosen, der normalen Arbeiterschaft, der Alten und Kranken.

Aber auch in jedem normalen Job ist es so: Der Spaß geht nach oben und die Demütigung nach unten.
Die Verlohnarbeitung führt zu einer Art Versklavung. Schon zu Beginn der Vergesellschaftung des Menschen war es so und  das Babbageprinzip mit seiner funktionalen Zerlegung führte zu einer Verdinglichung der Menschen. Der Fabrikarbeiter mit seiner Reduzierung auf einfachste Tätigkeiten war im Vergleich zum Handwerker schon eine niedergeführte Existenz. Und jetzt kommt der nächste Schritt: die Auswertung des Content durch intelligente Maschinen. Jetzt sind nicht mal mehr die Gedanken frei. In den riesigen Datenmengen ist klar erkennbar, was wir tun, denken und fühlen. Damit wird ein Machtinstrument ungeheuren Ausmaßes frei: ein nun möglicher Dreiklang aus Informations-, Gefühls- und Verhaltenskontrolle. Damit ist eine Steuerung möglich, die den Menschen in neuer unvorstellbarer Weise versklavt. 

Das linksliberale Gedankengut einer Frau Merkel ist passgenau für diese vom  globalen Finanzkapitalismus gesteuerte Entwicklung!
Lüge 3: Dieses System ist zukunftsfähig

Merkel und die unschönen Bilder:

http://www.dropbox.com/s/xi7knhwv94x17xd/Merkel%20und%20die%20unsch%C3%B6nen%20Bilder.pdf?dl=0

Es ist seltsam, genau das linksliberale Gedankengut passt so gut zum Kapitalismus. Dazu passen auch die Aussagen über die Integrationsfähigkeit der Flüchtlinge. „Integration“, sagt die Willkommenskanzlerin, „Integration ist das Wichtigste!“ Diese Integrations-Illusion gehört zum Weltbürgerkonzept der Eliten. Was diese Integration mit den einfachen Menschen macht, welcher Überforderung sie nun ausgesetzt sind, interessiert sie nicht. „Das Ass“ der Kanzlerin ist ja ihre Bindungslosigkeit, damit rührt sie nun schon mehr als 10 Jahre  im melting pot der Völkergeschichte. Deutschland ist in ihren Augen gut regierbar, eine Untertanenkultur mit verlässlichen Tabus, hier können noch einige Zumutungen hinzufügt werden. Kleine Störfeuer nahm sie ja eh in Kauf, die sturmerprobte Kanzlerin.  Was sie bisher nicht im Blick hatte, waren jedoch die  innerdeutschen Flüchtlinge aus Merkelland ins AfD-Ghetto,  die politisch heimatlos gewordenen Deutschen! Mit beschnittenen Wurzeln greifen sie nun ein.  „Veränderungen“, wie sie Merkel propagiert, werden nun als leer empfunden.

Und leer sind sie ja, denn gerade die Merkelpolitik kennt keine Utopie, sagt nie wohin die Veränderung führen soll, die sie uns als alternativlos zumutet.

 
Lüge 4: Wir leben in Sicherheit

Gerade die der deutschen Politik entflohenen Wähler nehmen  die wachsende Rechtsunsicherheit in Deutschland und Europa und die Erosion der Verfassungswerte stark wahr. Vertrauen ist Schwerstarbeit, und, das ahnt die Merkel-Politik nicht einmal, Vertrauen lebt von der Risikobereitschaft des Stärkeren. Wer die Macht hat, der fängt an. Vertrauen ist Wagniskapitel. Das Kommando „Flüchtlinge schneller integrieren!“ ist dagegen ein Marschbefehl mit menschenverachtendem Beiklang. 

Tatsächlich leben wir in einem sehr fragilen System, denn das von Merkel hochgehaltene System der „freien Welt“ von dem die Pax America sich gerade verabschiedet, ist durch den Finanzschaum, durch die Finanzströme, die um die Welt kreisen und nach Profit suchen, charakterisiert. Was ist, wenn sie keinen Profit mehr finden? Dann investiert niemand mehr. Das ist gefährlicher, als der Protest der Unterschicht. Ist es nicht sinnvoller die Volkswirtschaften wieder mehr zu entflechten und so den Menschen eine gewisse Daseinsfürsorge zu ermöglichen, als sie weiter in den globalen Wettbewerb zu treiben? 

Wir haben in den vergangenen Jahren schon viele Einbrüche gesehen. Die Pesokrise, Thailand am Abgrund, Staatsbankrott in Venezuela und vieles mehr. Und nun  im Zeitalter der Digitalisierung ist es möglich Ländern, die am Abgrund stehen, die finanziellen Mittel in Sekundenschnelle zu entziehen. Die Krisen werden also an Tempo zunehmen. Wollen wir das?

Die modernen Geldverhältnisse haben die ständischen Hierarchien der vormodernen Gesellschaften abgeschafft, das war durch sinnvoll. Aber sie haben auch neue entstehen lassen und diese sind weit schwerer zu bekämpfen als dir alten. Sie zwingen den neu entstandenen Gesellschaft ihre Taktung auf.  (4. Gewalt siehe Joseph Vogl: http://youtu.be/7LiEqkkX9-Q ) und versklavt sie indem sie ihre Zeit verschlingt.

Es wird immer deutlicher dieses System verzehrt uns und mit ihm werden wir das 21. Jahrhundert nicht überstehen.

Ende der US-amerikanischen Weltordnung?

08/01/2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Nach dem zweiten Weltkrieg schufen die USA unter ihrer Führung eine neue Weltordnung. Sie beruht insbesondere auf der Globalisierung der Märkte. Zu ihrem Schutz und zu deren Ausdehnung wurde die globale US-Militärmacht gebraucht.
Trump machte schon vor seinem Amtsantritt klar, dass er anders als Clinton die bröckelnde, US-geführte globale Weltordnung nicht retten, sondern abbauen will. „America First“ bedeutet für ihn, die teure imperiale Überdehnung der USA zu beenden, um mit den frei werdenden Ressourcen den Wiederaufbau der USA innerhalb ihrer territorialen Grenzen anzugehen.
Da gibt es in der Tat viel zu tun! Auch die US-Streitkräfte will Trump dabei nicht vernachlässigen, sie sollen die besten der Welt bleiben. Natürlich muss er das deutlich machen, denn ohne dieses Versprechen wäre er als Kandidat der Republikaner schon in den Vorwahlen ausgeschieden. Aber die US-Streitkräfte sollen in Zukunft nur zur Verteidigung der USA und nicht wie bisher für imperiale Ambitionen eingesetzt werden. Das ist neu!


Zugleich will Trump mit der Förderung der heimischen Energieindustrie, mit mehr Kohleausstoß sowie Öl-und Gas-Fracking, die USA unabhängig vom Öl des Nahen Ostens machen. Damit verliert diese Region auch die bisherige strategische Bedeutung für Washington. Die Notwendigkeit orchestrieter, ständiger Regimewechsel in den Ländern dieser Region fällt damit weg, ebenso wie die massive US-Militärpräsenz. Ein geschäftsmässig, gutes Verhältnis zu Russland auf der Grundlage gegenseitigen Vorteils könnte zur Basis werden und der Nahe Osten könnte sich zum ersten Mal seit Hunderten von Jahren ohne Einmischung fremder Kräfte entwickeln. Es ist also nicht alles schlecht, was sich da anbahnt.

Wird 2017 zum Schlüsseljahr für Europa?

02/01/2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Nur ein naiver Zweckoptimist kann heute behaupten, dass auf dem europäischen Kontinent alles beim Alten bleibt. In Wirklichkeit steht Europa vor einem großen Umbruch. Die komfortablen Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges sind vorbei. Diese Zeit wird irgendwann als Vorkrisenzeit in die Geschichte eingehen. Nach dieser  Zeitenwende wird Europa, so wie wir es seit 25 Jahren kennen, anders aussehen.


Seit der Finanzkrise vor fast zehn Jahren, haben viele Beobachter das nächstfolgende Jahr immer als Schlüsseljahr für Europas Überleben bezeichnet. Gott sei Dank, ist das Abendland von einer Katastrophe verschont worden. Das Jahr 2017 kann aber tatsächlich zum historischen Schlüsseljahr in der jüngsten Geschichte Europas werden.

Folgende Entwicklung deutet sich an:  Russland und die Türkei, bilden eine strategische Allianz, unter anderem im energiepolitischen Bereich. Es wird immer deutlicher, dass der misslungene Militärputsch gegen Recep Erdogan mit Unterstützung der Golfstaaten erfolgte (mit Mitwisserschaft der USA) und Vladimir Putins Geheimdienste den türkischen Präsidenten im letzten Moment gewarnt haben. Ein Austritt der Türkei aus der NATO liegt deshalb im Bereich des Möglichen. Die Türkei setzt nun auf eine sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit Russland und dem Iran und hat, um ihre Interessen zu wahren in Syrien und Nahen Osten die Seiten gewechselt.

Für Europa ist ein Konflikt mit der Türkei nach dem Brexit, dem Anwachsen des islamistischen Terrors und der Stärkung rechtpopulistischer Bewegungen in fast allen EU-Ländern und dem immer wahrscheinlich werdenden Grexit ein weiterer Schlag.

Und dazu stellt derWahlsieg Donald Trumps  die bisherige westliche Außenpolitik auf den Kopf. Im engen Umfeld des republikanischen Präsidentschaftskandidaten heißt es, Trump will seine erste Auslandsreise nicht zu den Verbündeten, sondern nach Moskau und China machen. Nun ja, es geht um eine Neuaufteilung der Welt, um das Abstecken geopolitischer Einflusssphären. Der gegenwärtige Ukraine-Konflikt wird schnell gelöst sein und Russland kehrt vielleicht sogar schneller als man denkt in die G8 zurück. 

Wenn dann in Italien gewählt wird (jetzt nach dem Rücktritt Renzis) und in Frankreich Marine Le Pen als Folge der Unfähigkeit der gegenwärtigen französischen Regierung, den islamistischen Terror im eigenen Land zu stoppen, an die Macht kommt, dreht sich alles. Die EU löst sich in Luft auf! 

Für Europas Strategen und Think Tanks wäre es also durchaus klug, sich darauf einzustellen, wie wir mit der veränderten Sicherheitslage umgehen. 

Georgische Heerstrasse: Route über den Kaukasus

08/10/2016 § Hinterlasse einen Kommentar

Es ist ein unglaubliches Gefühl an dieser Heerstrasse zu stehen, kurz vor dem Übergang nach Russland. Hier endete immer eine Welt und eine neue begann. Den Weg durch die Darielschlucht kannten schon die Alten als Karawanenweg. Es war die Verbindungsstrasse zwischen dem Orient und dem Westen und zeitweise hart umkämpft.

Darielpass

http://www.spiegel.de/reise/europa/kaukasus-unterwegs-auf-der-georgischen-heerstrasse-a-902594.html

Die georgische Heerstraße führt mit einer Länge von 213 km mitten durch den Großen Kaukasus, von Tbilissi bis zum russischen Wladikawkas oder halt umgekehrt. Heute ist sie mit hunderten russischer Fernlastzüge belagert, früher waren es die Karawanen und später die Postkutschen mit 6 bis 8 Pferden um die gewaltigen Höhenunterschiede (Kreuzpass 2379 m) zu überwinden.

Im  5. Russischen Türkenkrieg (1768 bis 1774) erlangte der Weg seine jetzige strategische Bedeutung und wurde somit in der Folgezeit ständig ausgebaut.


Im Zweiten Weltkrieg versuchte die 1. Panzerarmee der Wehrmacht im Herbst 1942 die Straße zu sperren, um den Nachschub für die sowjetischen Truppen nördlich des Kaukasus abzuschneiden und um dann selbst nach Georgien vorzudringen. Das gelang nicht so recht. Der Angriff blieb im Dezember 1942 vor Wladikawkas stecken, ohne dass die Straße tatsächlich erreicht wurde.  « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Georgiens Wirtschaft

06/10/2016 § Hinterlasse einen Kommentar

Georgien ist als kleine Volkswirtschaft stark vom Außenhandel abhängig. Das Land verfügt über wenige Bodenschätze und keine nennenswerten fossilen Brennstoffressourcen. Es ist damit fast vollständig auf den Import von Gas und Erdöl angewiesen. Auch werden etwa 80% der Lebensmittel importiert.

Saakaschvili mit seiner sogenannten Rosenrevolution nach der postsowjetischen Zeit brachte  2004  erstmals eine dynamische Wirtschaftsentwicklung mit hohen, zum Teil zweistelligen Wachstumsraten in Gang.
Allerdings führten die  strukturelle Defizite wie  eine gering entwickelte industrielle Produktion und hohe Energie- und Rohstoffabhängigkeit, sowie ein grosser Fachkräftemangel bald zu einem Ungleichgewicht und zu höherer Verschuldung.

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Dawit Garejia

06/10/2016 § Hinterlasse einen Kommentar

In der ersten Hälfte des VI. Jh. errichtete- Dawit, einer von den dreizehn „syrischen Väter“, in der  Halbwüste (an der heutigen Grenze zu Aserbeidschan) eine erste Einsiedelei. Als wir beschlossen dahin zu fahren machte der  Taxifahrer auf die äussert schlechten Strassen aufmerksam und verlangte einen erhöhten Preis ( was völlig berechtigt war) Aber es lohnte sich trotzdem dahin zu fahren –  mehr noch die unglaublich faszinierende Landschaft als das uralte Kloster selbst.  Jetzt im Spätherbst fuhren wir durch eine Art Mondlandschaft in den schillernsten Farben und hatten einen Weitblick, der einem den Atem rauben konnte. Dazwischen lagen noch totenstill Salzwasserseen, die das Ganze noch unwirklicher erscheinen liessen.


Durch diese Halbwüste zogen Herden, begleitet von Hirten auf Pferden (siehe http://youtu.be/Omr-g4qjVVc ). Das einzige Leben weiund breit.

Georgien streitet sich heute mit Aserbeidschan um dieses Stückchen Erde (https://en.m.wikipedia.org/wiki/David_Gareja_monastery_complex) das jedes der beiden Länder für sich beansprucht. Ein Ende des Kinflikts ist nicht abzusehen. http://www.accc.org.uk/karabakh-in-miniature-georgia-and-azerbaijan-fail-to-solve-davit-gareja-monastery-dispute/

Es wäre schön im Frühjahr, wenn die Wüste grünt, da nochmals hinzufahren!

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