Second-Life vor 2000 Jahren

13/10/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Abendland verstehen, heisst auch die biblischen Wurzeln verstehen und die liegen nicht zuletzt im alten Testament. Diese bemerkenswerten Feind- und Fluchpsalmen.

Da wird ein Dauerresentiment entwickelt, das irgendwie einen Sinn haben muss. Vielleicht ist es der Humus für den Schaffensmythos.  Es wird im Feuer geschmiedet!  Indem die Juden ihr Elend als Straf- und Läuterungszorn ihres Gottes Jahwe interpretieren, entwickeln sie eine Innovationskultur, denn sie sind ja immer selber Schuld an ihrem Elend. Ihr Gott zwingt sie in eine Läuterung.

Eine fatalistische  Maya-Betrachtung wie sie von einigen asiatischen Religionen berichtet wird, hat die Folge, dass es sich nicht lohnt zu investieren. Höre ich doch auf zu investieren, wenn es keine Zukunft mehr gibt. Das ist ja auch ein Problem aller alternden Gesellschaften.

Aber da gibt es auch etwas, das herausführen könnte. Das Auftreten Jesu setzte einen Punkt in der Ideengeschichte. Auf seltsame Art und Weise hat er eine Quadratur des Kreises vollbracht. Die Juden hatten ja schon eine Vorstellung der Apokalypse, eine   Vorstellung vom Gesamtuntergang aller Systeme, entwickelt.

Er hat in seinen Predigten dieses „kommende Reich“ Jahwes ins Diesseits verlagert, indem er auf eine geistige Welt abhob, die  von der Sinnenwelt abgekoppelt ist.  

Bei Gott sein heisst jetzt in der Folge  nicht mehr von dieser Welt sein und trotzdem noch in dieser Welt weilen, also auf neue Art leben, so in einer Art „Schöpfungsmetaebene“. In meinen Augen hat er damit schon so etwas wie  „Second-Life“ vorweggenommen. Also eine Ebene eingezogen, in die man flüchten kann und die im Laufe der Jahrhunderte immer mehr Raum einnahm im christlichen Denken. Die Klöster waren so eine Folge und sie haben Europa ja nicht unwesentlich geprägt, schufen sie doch unsere Zeitvorstellung und damit auch letztlich unsere Arbeitsgesellschaft. 

Diese Innovation brauchte zwar 2000 Jahre, bis sie zur vollen Blüte erwuchs, aber sie hat unsere Welt grundlegend verändert. 

Ich bin mir sicher, dass es ohne „diese Ebene“ die europäische Mathematik nicht gäbe, das Rechnen mit Symbolen. Diese Mathematik, die keinen Bezug zur Endlichkeit der Sinnenwelt mehr hat. Eine Mathematik ohne Repräsentationsgedanken. Dies hatte noch keine andere Kultur hervorgebracht!  Aber sie hat auch unvorstellbare Folgen, die wir erst langsam zu erkennen beginnen.

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