Indiens Geschichte

24/10/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Indiens Kultur besteht seit etwa 5000 Jahren. Die erste größere Zivilisation entstand  etwa 2500 v.Chr. im Industal und dauerte ca 1000 Jahre. Ihre großen Städte waren Mohenjodaro und Harappa (heute in Pakistan), eine komplexe, von Priestern angeführte Zivilisation, die bereits die Wurzeln des Hinduismus in sich barg.

Arische Invasoren drangen zwischen 1500 und 200 v.Chr. von Zentralasien nach Süden vor und sicherten sich die Macht über Nordindien bis zu den Vindhya-Hügeln im heutigen Madhya Pradesh. Sie verdrängten die ursprünglichen dravidischen Einwohner nach Süden.

Die Invasoren brachten ihre Götter, die Viehzucht und ihre Tradition des Fleischverzehrs mit, wurden aber in einem so starken Maße assimiliert, dass die Priesterkaste im 8. Jahrhundert v.Chr. wieder die Oberherrschaft errungen hatte. Ihre Macht wurde im Kastensystem gefestigt, dessen Hierarchie durch strenge Regeln, die die Vorrangstellung der brahmanischen Priester gewährleisteten, erhalten wurde.

Der Buddhismus entwickelte sich um 500 v.Chr. und stellte die größte Herausforderung des brahmanischen Hinduismus dar, indem er das Kastenwesen verurteilte. Eine ganz maßgebliche Rolle begann der Buddhismus im 3. Jahrhundert v.Chr. zu spielen, als er vom Maurya-Herrscher Ashoka angenommen wurde, der über ein größeres Gebiet herrschte als jeder andere Machthaber nach ihm und vor den Moguln.

Nach dem Niedergang der Mauryas entstanden und verschwanden eine Reihe von Reichen, doch das beeindruckendste war das der Guptas, das vom 4. Jahrhundert n.Chr. bis 606 dauerte. Dies war ein goldenes Zeitalter für die Poesie, Literatur und Kunst, wobei einige der schönsten Werke in Ajanta, Ellora, Sanchi und Sarnath geschaffen wurden. Der Hinduismus gelangte in dieser Epoche zu neuer Blüte und der Buddhismus ging allmählich unter. Die Invasion der Hunnen markierte das Ende der Guptas. Der Norden Indiens zerfiel in eine Reihe unabhängiger Hindu-Königtümer und erlebte erst mit der Ankunft der Moslems eine wirkliche Vereinigung.

Der tiefe Süden Indiens blieb vom Aufstieg und Untergang der Königtümer im Norden unberührt, und Buddhismus oder Jainismus stellten in dieser Region nie eine Bedrohung für den Hinduismus dar. Der Wohlstand des Südens gründete sich auf lang etablierte Handelskontakte mit den Ägyptern, Römern und Südostasien. Große Dynastien, die im Süden herrschten, waren die Pandyas, Cheras, Chalukyas, Pallavas und Cholas.

Während im Süden die Hindu-Königreiche herrschten und der Buddhismus im Norden an Einfluss verlor, näherten sich muslimische Kräfte aus dem Mittleren Osten Indien. 1192 hatte sich eine dauerhafte islamische Herrschaft etabliert, die innerhalb von 20 Jahren die gesamte Ganges-Ebene unter Kontrolle hatte. Die muslimischen Sultane von Delhi waren jedoch in ihrer Politik unbeständig, so dass es dem Islam nicht gelang, in den Süden vorzudringen, wo das Hoysala-Reich von 1000 bis 1300 n.Chr. herrschte. Im 14. Jahrhundert entwickelten sich dann zwei große Königreiche in der Region, die heute Karnataka ist das mächtige Hindu-Königreich Vijayanagar mit der schönen Hauptstadt Hampi und das muslimische Königreich der Bahmani, das sich in fünf unabhängige Herrschaftsbereiche mit dem jeweiligen Hauptsitz in Berar, Ahmednagar, Bijapur, Golconda und Ahmadabad spaltete.

Die Mogul-Herrscher sind die herausragenden Gestalten der indischen Geschichte. Sie marschierten von Afghanistan in den Punjab, besiegten 1525 bei Panipat den Sultan von Delhi und läuteten ein weiteres goldenes Zeitalter für die Architektur, Kunst und Literatur ein. Sie stiegen rasch empor, aber ebenso schnell vollzog sich ihr Untergang. Es gab daher nur sechs große Mogulherrscher. Das Maratha-Reich entstand im 17. Jahrhundert durch die gnadenlose Ausbeutung der niedrigkastigen Shivaji und übernahm nach und nach weitere Teile des Herrschaftsbereichs der Moguln. Die Marathas festigten ihre Herrschaft über Zentralindien, bis sie der letzten großen imperialen Macht, den Briten, unterlagen.

Die britische Macht in Indien wurde anfänglich durch die East India Company ausgeübt, die 1612 in Surat in Gujarat einen Handelsposten einrichtete. Die Briten waren aber nicht die erste und einzige europäische Macht, die in Indien im 17. Jahrhundert präsent war: Die Portugiesen kontrollierten seit 1510 (noch bevor die Moguln überhaupt in Indien angekommen waren) Goa, und die Franzosen, Dänen und Niederländer unterhielten Handelsposten. Die Herrschaft der Briten breitete sich seit der Zeit, da Robert Clive 1757 Kalkutta wiedereroberte, bis zum Sieg der Briten im 4. Mysore-Krieg 1799 allmählich aus. Der lange Kampf der Briten gegen die Marathas wurde schließlich 1803 beendet, womit fast das gesamte Land unter der Kontrolle der britischen East India Company war.

Die Briten sahen in Indien in erster Linie einen Ort, an dem Geld zu machen war. Seine Kultur, Vorstellungen und Religionen blieben daher weitgehend unangetastet. Die Briten dehnten den Eisen- und Kohlebergbau aus, richteten Tee-, Kaffee- und Baumwollplantagen ein und begannen mit dem Bau des riesigen indischen Schienennetzes. Sie begünstigten so genannte absentee landlords, Großgrundbesitzer, die nicht auf ihrem Land lebten und dadurch die Verwaltung und Steuereinziehung erleichterten. So entstand eine verarmte, landlose Bauernschaft – ein Problem, das bis heute in Bihar und West-Bengalen besteht. Der von den Indern Erster Unabhängigkeitskrieg und von den Briten die „indische Meuterung“ genannte Aufstand von 1857 in Nordindien führte zur Auflösung der East India Company, und so wurde die Verwaltung des Landes mit Verspätung der britischen Regierung übergeben. Die folgenden 50 Jahre waren die goldenen Jahre des Empire, über dem „die Sonne niemals unterging“.

Eine ernsthafte Opposition gegen die britische Herrschaft bildete sich am Übergang zum 20. Jahrhundert. Der „Kongress„, eine politische Gruppierung, die gegründet worden war, um Indien ein gewisses Maß an Regierungsverantwortung zu geben, begann nun, auf echte Autonomie zu drängen. Nicht dem Kongress angehörende, radikalere Einzelpersonen forderten mit gewalttätigeren Mitteln die Unabhängigkeit. Schließlich arbeiteten die Briten einen Weg in die Unabhängigkeit aus, ähnlich dem, der auch in Kanada und Australien beschritten wurde. 1915 kehrte Gandhi aus Südafrika zurück, wo er als Anwalt tätig gewesen war, und widmete sich nun der Frage der Unabhängigkeit, indem er eine Strategie des passiven Widerstands oder satyagraha gegen die britische Herrschaft verfolgte.

Der Zweite Weltkrieg verpasste dem Kolonialismus und dem Mythos der europäischen Überlegenheit seinen Todesstoß, und die indische Unabhängigkeit wurde unumgänglich. Innerhalb Indiens jedoch wurde der großen muslimischen Minderheit allmählich klar, dass ein unabhängiges Indien von Hindus beherrscht würde. Bei den Lokalwahlen wurde ein alarmierendes Ausmaß an Kommunalismus sichtbar: Die Muslim League, angeführt von Muhammad Ali Jinnah, sprach für die meisten Moslems, während die Kongress-Partei unter Jawaharlal Nehru die Hindu-Bevölkerung vertrat. Aber Jinnahs Bestreben, die Macht über eine unabhängige islamische Nation zu gewinnen, ließ Großbritannien zögern, die Unabhängigkeit zu gewähren.

Angesichts einer drohenden politischen Sackgasse und wachsender Spannungen beschloss der Vizekönig Lord Louis Mountbatten widerstrebend, das Land zu teilen, und stellte einen Zeitplan für eine zügige Unabhängigkeit auf. Ungünstigerweise lagen die Gebiete mit überwiegend muslimischer Bevölkerung in zwei verschiedenen Ecken des Landes, was bedeutete, dass die neue islamische Nation Pakistan eine östliche und eine westliche Hälfte haben würde, zwischen denen ein feindlich gesonnenes Indien lag. Als die Trennlinie verkündet wurde, vollzog sich der größte Exodus der Menschheitsgeschichte: Moslems zogen nach Pakistan und Hindus und Sikhs nach Indien. Die Migration war nicht selten von barbarischen Gewalttaten begleitet.

Nachdem sich das Chaos gelichtet hatte, waren 10 Millionen Menschen umgesiedelt, und selbst die konservativsten Schätzungen gingen davon aus, dass dabei 250 000 Menschen einen grausamen Tod gefunden hatten. In den letzten Etappen der Unabhängigkeit ereignete sich noch eine weitere Tragödie: Am 30. Januar 1948 wurde Gandhi, tief betrübt von der Teilung und dem darauf folgenden Blutvergießen, von einem fanatischen Hindu ermordet.

Nach dem Trauma der Teilung (Partition) trat Indiens erster Premierminister Jawaharlal Nehru für eine säkulare Verfassung, eine sozialistische Planwirtschaft und eine strikte Politik der Blockfreiheit ein. Zwar behielt Indien überwiegend freundschaftliche Beziehungen zu seiner ehemaligen Kolonialmacht bei und entschied sich für die Mitgliedschaft im Commonwealth, näherte sich jedoch der damaligen Sowjetunion an – teils aufgrund von Konflikten mit China und teils wegen der US-Unterstützung für den Erzfeind Pakistan, das Indien wegen dessen Anspruch auf das von Moslems dominierte Kaschmir besonders feindlich gegenüberstand. 1965 und 1971 kam es zu Zusammenstößen mit Pakistan, einmal über die Kaschmir-Frage, das andere Mal wegen Ost-Pakistan/Bangladesch.

Advertisements

Tagged:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Indiens Geschichte auf Kirke's Blog.

Meta