Indien seit Gandhi

01/11/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Indiens nächster Premierminister von Format war Nehrus Tochter Indira Gandhi (Gandhi ist halt auch ein indischer Familienname), die 1966 gewählt wurde. Sie wird noch immer hoch geachtet, ist bei einigen jedoch in unguter Erinnerung, da sie an Indiens demokratischen Grundmauern rührte, als sie 1975 den Ausnahmezustand erklärte. Indira Gandhi wurde 1984 von ihren Sikh-Leibwächtern ermordet, in Vergeltung ihres Einsatzes der indischen Armee zur Vertreibung bewaffneter, radikaler Sikhs aus dem Goldenen Tempel in Amritsar. Die indische Politik blieb weiterhin in den Händen der Nehru/Gandhi-Dynastie, als ihr Sohn Rajiv, ein früherer Pilot der Indian Airlines, an die Macht kam.

Rajiv brachte neue und pragmatische politische Ideen ins Land. Ausländische Investitionen und der Einsatz moderner Technologie wurden gefördert, Importbeschränkungen gelockert und viele neue Industrien aufgebaut. Diese Maßnahmen katapultierten Indien zweifelsohne in die 90er Jahre und aus seiner teilweise selbst herbeigeführten Isolation heraus, dienten aber wenig dazu, Indiens riesigen Agrarsektor voranzubringen. Rajiv wurde während einer Wahlkampftour in Tamil Nadu von einem Anhänger der Sri Lankaischen Tamil Tigers ermordet. Indien erlebte nach Rajiv Gandhi noch drei weitere Führer, die sich Indiens Beitritt zum globalen Wirtschaftssystem auf die Fahne geschrieben hatten.

1998 testete Indien seine ersten Nuklearwaffen. Trotz internationaler Empörung wurden die Atomtests von der indischen Bevölkerung weithin bejubelt und trugen der Bharatiya Janata Party (BJP) viel Sympathie ein. Aber bis April 1999 hatte der Premierminister Vajpayee seine Mehrheit im Parlament eingebüßt und wurde zu einem Misstrauensvotum gezwungen, das er mit einer Stimme verlor. Nun erwartete alle Welt, Sonia Ghandi, Rajiv Ghandis Witwe, würde die Kongress-Partei nach drei Jahren im politischen Abseits zum Sieg führen. Ihr Versuch sich eine Koalition mit der Mehrheit der Sitze zu sichern schlug fehl, so dass die Inder innerhalb von drei Jahren dreimal zu den Wahlurnen gerufen werden mussten. Schließlich wurde die BJP wiedergewählt, büßte dabei jedoch einen Teil ihrer Mehrheit ein.

Seitdem flammt die Spannung zwischen Indien und Pakistan periodisch immer wieder auf, selbst Annäherungsversuche auf höchster politischer Ebene haben wenig Einfluss gezeigt. Im Januar 2001 wurden bei einem Erdbeben in Gujarat 20 000 Menschen getötet und über eine halbe Million Menschen wurden obdachlos. Im Dezember des gleichen Jahres stürmten bewaffnete Verbrecher das Nationalparlament und töteten 13 Menschen, während in Gujarat ein Jahr nach dem Erbeben Hunderte von Menschen in Auseinandersetzungen zwischen Muslimen und Hindus den Tod fanden.

Im Jahr 2002 drohte sich das Säbelrasseln an der Grenze zwischen Indien und Pakistan zu einem echten Krieg auszuweiten, als beide Länder in der Region nukleare Sprengköpfe testeten und in Sachen Kaschmir ihren Standpunkt zu dem moralisch einzig vertretbaren erklärten. Die USA und Großbritannien forderten ihre Bürger auf, Indien und Pakistan zu verlassen, nachdem die diplomatischen Bemühungen um eine Beilegung der Krise nicht vorangekommen waren. Glücklicherweise erklärten beide Länder Ende 2003 einen Waffenstillstand und nahmen auch den direkten Luftverkehr wieder auf. Die indische Regierung führte sogar historische Gespräche mit kaschmirischen Separatisten.

Im Jahre 2004 standen wieder Parlamentswahlen an, und man ging allgemein davon aus, dass die BJP als stärkste politische Kraft bestätigt werden würde. Die Congress-Partei wurde wieder von Sonia Gandhi geführt und erhielt bei ihrem intensiv geführten Wahlkampf überraschend viel Unterstützung von der Bevölkerung. Am Ende war sie so erfolgreich, dass die herrschende BJP zum ersten Mal seit fast 10 Jahren wieder besiegt werden konnte. Vielleicht weil sie um ihr Wohlergehen besorgt war, verzichtete Sonia Gandhi jedoch auf das Amt der Premierministerin, was Schockwellen durch ihre Partei sandte. Sie nominierte den Anti-Korruptionskämpfer und Wirtschaftsreformer Manmohan Singh als Kandidaten der Congress-Partei für das Amt des Premierministers und Singh wurde der erste Sikh-Regierungschef Indiens.

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