Chinas Geschichte

09/11/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Hier ein bisserl chinesische Geschichte, um sie dann mit der indischen in groben Zügen vergleichen zu können (viel Gemeinsamkeiten gibt es da ja nicht!):

221 v. Chr –> 220 n. Chr Aufstieg und Erfolg des Staates Qin

http://www.fsmitha.com/h1/map08ch.htm

http://www.mnsu.edu/emuseum/prehistory/china/map/map.html

Qin hat seinen Anfang durch die Auseinandersetzung mit den Pong-Barbaren;

LiSi und LuBuwei (ein Bauer!!) waren die Architekten des ersten Kaiserreichs und sie schafften:

  • Überwindung feudaler Strukturen
  • Aufbau einer Beamtenschicht (Literaturbeamten) und dadurch Machteingrenzung des Herrschers
  • Vereinheitlichung der Schrift
  • wichtiges Diziplinierungsmittel ist die Gruppenhaftung
  • die Standardisierung von Maßen, Münzen, Hohl- und Längenmaßen, sowie des Achsstandes
  • Bewässerung in Sichuan schafft Nahrungsressourcen
  • Effizienz der Verwaltung war wichtiger als Eisentechnologie

Was mich besonders beeindruckte war das junxian-System,

http://english.cri.cn/1702/2005-3-9/14@214769.htm 

welches der erste Kaiser in seiner Machtfülle aus der Wiege hob:

Eine Einteilung des Landes in 36 Präfekturen (jun). Diese wurden wiederum aufgeteilt in Kreise (xian). Davon gab es ca 1000. Jede der 36 Kommandaturen wurde durch einen Zivilbeamten, einen Militärbeamten und einen kaiserlichen Aufseher geleitet. Also ein Triumvirat! Eine Gewaltenteilung, wie es das auf Monotheismus basierte europäische Hierachiesystem niemals hervorbrachte.

Die in nur 12 Jahren konzipierte Regierungsmaschine des Qin-Reiches  war so erfolgreich, dass sie 2200 Jahre Bestand hatte. Hierfür war die Etablierung der schriftlichen Verständigung grundlegend. Bemerkenswert ist auch, dass sich  im Laufe der Jahrhunderte die Schriftsprache immer mehr von der gesprochenen Standardsprache und den regionalen Dialekten  entfernte.  Die Leute im Süden, wo wir waren, konnten die Han-Chinesen schlecht und gar nicht verstehen, die da als Touristen weilten.  Es ist also eine ganz andere Abstrahierung entstanden wie in Europa. Überhaupt läuft Europas Schriftgeschichte ganz anders ab, als Chinas:

 http://www.gutenberg-museum.de/43.0.html

http://www.chineast.de/tipps/chinesisch-betonun/

Bemerkenswert finde ich, dass Indien sich schriftgeschichtlich nahe an Europa bewegt und verschiedene Silbenschriften entwickelt hat:

http://de.wikipedia.org/wiki/Silbenschrift

Spannend fand ich auch noch die Literaturbeamten. Hier wurde nach der Machtfülle des ersten Kaisers, dessen Herrschaft ja nur 12 Jahre dauerte, beschränkt und ein   Interessenausgleich und -verschränkung durch die verschiedenen  Schichten hindurch möglich. Diese Verwaltungsbeamten mussten sehr schwere Prüfungen (auch kultureller Natur- darum Literaturbeamten) ablegen, aber waren sie aber aller „Begabten“ zugängig.  Diese oft sehr klugen Beamten sorgten dafür, dass niemals wieder einem Kaiser eine solche Machtentfaltung möglich war. Dennoch blieb die Erinnerung an die Grösse und den Glanz der Herrschaft des ersten Kaisers von China lebedig  und die Faszination des Ordnung stiftenden Systems, des allen Menschen gleich behandelnden Rigorismus erfasste auch spätere Generationen. Das kam alles in Europa erst sehr viel später. Es ist einen so etwas wie ein früher Rechtsstaat.

Ein Teil der Steuereinnahmen musste an die jeweils höhere Instanz abgeliefert werden und diese Einnahmen waren zu v e r b u c h e n. Es entwickelte sich früh eine Budget-Praxis. Dabei ist wieder bemerkenswert,  dass die Beamten nach dem Rekrutierungssystem eingesetzt wurden, d. h. der Vorschlagende musste b e d e n k e n, dass er für die Qualität seiner Kandidaten einzustehen hat. Die Beziehungswusselei wie in Europa war dadurch nicht möglich!

113 v. Chr wurde das Privatmünzrecht verboten und die Erzgewinnung verstaatlicht.

98 v. Chr gab es ein staatliches Weinmonopol, d. h. der Wein-Preis wurde regulierend festgelegt und der Fernhandel (na ja nicht mittels Wein )mit den Königreichen des Westens wurde gefördert. Ein früher Globalismus.

Welch ein kluges System! Und dieses zerbrach dann am Westen. Jedenfalls war noch der chinesische Bauer der Yongzheng-Ära beiweitem besser ernährt und führte ein angenehmeres Leben als der französische Bauer unter Ludwig XV und er war auch gebildeter.

Dann aber blieb China hinter Europa zurück und das kam so:

Das Land, die Mandschu-Dynastie vermochte sich nicht den neuen aus Europa eindringenden W a f f e n und der sich bewaffneten eigenen Bevölkerung mit Erfolg entgegenzustellen. 

Ein hohes Bevölkerungswachstum (v. 143 auf 360 Mill – Europa wuchs in der gleichen Zeit von 144 auf 193 Mill) tat ein übriges. In dieser Erfahrung liegt meines Erachtens der Grund für die 1-Kind-Politik Chinas. Anders als Europa war China ja niemals expansiv angelegt und dieses ungeheure Bevölkerungswachstum brachte China an der Rand des Abgrunds. Dazu kam im 18 Jahrhundert eine Neubewertung der Traditionen und die Zunahme der Kritikbereitschaft und des Skeptizismus. Sie begleiteten grundlegende soziale und wirtschaftliche Veränderungen. Der Untergang des Mandschu-Reiches und die externen Rahmenbedingungen (die rasche industrielle Revolution in Europa und in Nordamerika mit dem Interesse an der Beherrschung des Welthandels) waren eher ungünstig für eine gesellschaftliche und staatliche Neuordnung Chinas, die es in den Jahrhunderten davor sooft aus eigener Kraft geschafft hat. 

Es wirft ein bezeichnendes Licht auf die geistige Situation am Ende des 18. Jahrhunderts und im frühen 19. Jahrhundert, dass einige Politiker und Literaten die wichtigsten Probleme Chinas durchaus erkannten (z. B. das starke Bevölkerungswachstum, die Verschwendung und der Luxus in den Städten, Korruption in der Verwaltung..)

Aber- und auch das war bezeichnend- die Kritik beruhte zumeist auf Ordnungs- und Moralvorstellungen, die den neuen Entwicklungen in den Städten weniger die Chance zum Aufbruch, als vielmehr die Abweichung von tradierten Werten aufzeigten.

Woran mich das wohl erinnert??

Aber die wesentlichen Gründe für die Auflösung des Qing-Reiches waren dann 100 Jahr später:

a) die Unruhen im Innern und

b) die Bedrohung durch die fremden europäischen Handelsnationen

Das Reich der Mitte befand sich seit der Mitte des 19.Jahrhunderts im Zustand eines dauernden Bürgerkrieges. Dazu kamen jetzt noch die Machenschaften der westlichen Mächte, die in den Opiumkriegen die Souveränität des Landes untergruben.

Besonders, die in Indien (damals Commonwealth!) ansässige Britisch East India Company( http://de.wikipedia.org/wiki/Britische_Ostindien-Kompanie) spielt eine unschöne Rolle, indem sie einen Krieg anfing, als China ihrer e i g e n e n Bevölkerung den Opium-Konsum verbot und das von den Britten eingeführte Opium vernichtete!

http://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Opiumkrieg

Dann kams ja noch schlimmer. Von Mitte des 19. bis Mitte des 20igsten Jahrhunderts musste China Federn lassen und die Japaner hassen sie noch heute!

Erst diese äußerste Bedrohung von außen bewirkte dann Mitte des 20igsten Jahrhunderts die Einigung des außeneinandertriftenden Reiches. Hier spielte Mao eine grosse Rolle. Die Homogenisierung über den Kommunismus war etwas Aufgezwungenes und der Kommunistische Gedanke (Hegel, Marx) kam ja auch über Europa ins Land. Dieses Häutchen der Geschichte hat China aber längst abgeworfen.

Aus so einem Breakdown kommt man neu hervor, genau wie die Deutschen nach dem vernichtenden Breakdown des zweiten Weltkriegs das Wirtschaftswunder auf die Beine stellten. Ja und sooo kamen sie mir auch vor die Chinesen bei der Reise 2009, wie die Deutschen nach dem Krieg. Wirtschaftswunder war angesagt und keine kritische Einstellung! Aber die Studentenrevolte kam prompt und genauso lief es in China. Mal sehen, wie es weiter geht…

Und vor allem, wie Indien mit einer sooo anderen Geschichte, sich heute präsentiert.

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