Kultur kann nur so stark sein, wie die Kulturtechniken

12/11/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Dynamik, Kraft und Leistung einer Kultur haben mit Bildern, Zahlen und Rechnen zu tun. Wobei „Rechnen“ eine Kulturleistung ist, die nichts mit Darstellen, sondern eher mit maschinenartigem Ausführen zu tun hat.

1495 wurden die Rechenbücher“ der Medici auf indische Ziffern umgestellt.

Es begann der grosse Siegeszug der schriftlichen Rechentechniken. Alltagsrechenschulen nach Adam Riese und darauf aufbauend die grossen Innovationen der Mathematik im  17. Jahrhundert, wie z. B. das Koordinatensystem . Sie begannen ihren Siegeszug und lehrten „Abstraktion“. Und von nun an wurde der Geist auf Maschine programmiert!  Algorithmus, dieses starre System der Regeln und Rhythmen, ist aus dem Islamischen abgeleitet und eine Verballhornung des lateinischen Namens al-Khwarizimi, eines im 8./9. Jahrhundert in Persien lebenden Mathematikers. Die Islamis haben also doch Anteil am Erfolgsrezept Europa (allerdings vor der Neuzeit, vor dem 15. Jahrhundert)

Das bahnbrechend Neue damals war, dass jetzt erstmals das Symbol (also die darstellende Qualität) und die Technik (die effiziente Durchführung) getrennt werden konnten.

Algebra, die Berechnung von Unbekannten, wird noch im Mittelalter  als geheime Kunst geführt.

Schrift und Zahl werden durch a+b=b+a in ganz eigene Kooperationen gebracht.

Und das bemerkenswerte daran ist:  dies alles wird im Laufe der Jahrhunderte  zum Schulwissen, zu einem Kanon,.

In den nächsten Jahrhunderten haben alle bahnbrechenden Veränderungen mit der Zahl zu tun!

Ich ärgere mich immer, wenn jemand stolz darauf ist, von Formeln nichts zu verstehen. Das soll  schick sein? Ich war in der Schule in Mathe ne Null, darauf darf man sogar stolz sein.

Das heißt doch unsere in den letzten Jahrhunderten wichtigste Kulturtechnik mit Füssen zu treten.

Aber im Augenblick dreht sich die Geschichte ja. Denn wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wie der leider verstorbene Schirrmacher in seinem „Payback“ sagt: Unser Wahn und unsere Angst vor Kontrollverlust die Welt in Formeln, Systematiken und Algorithmen, kurzum in Mathematik verwandelt hat. Und zwar- und das möchte ich dazufügen – ohne dass die meisten Mitbürger im Westen kapiert haben, dass das so ist, weil sie ja eh keine Mathematik mögen und nur „Anwender“ sind!

Und dass jetzt- und das ist seine Schlussfolgerung – wir in ein Zeitalter eintreten, wo der Content (auch meines Blocks) ausgewertet wird, um daraus Schlussfolgerungen zu ziehen, die dann keiner mehr versteht, die aber angewendet werden. Das führt dann zu solchen Zusammenbrüchen wie bei der Finanzkrise im Herbst 2008, die auch keiner versteht, an deren entstehen aber der unverstandene Beitrag der Computer einen wesentlichen Anteil hatte.

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