Udaipur und die Tuerme Mohammeds

18/12/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Es war ein schöner letzter Tag in Udaipur. Mir ging s wieder gut und wir fuhren mit Raedern in die Gegend rund um das „Venedig des Ostens“, wie Udaipur auch genannt wird.. Da ich ein Mountainbike hatte und Marcel mit eine Art indischem Hollandrad vorlieb nehmen musste, hatten wir Kräftegleichgewicht und kamen etwa gleichschnell voran. Wir kauften uns am Wegesrand Proviant und machten uns auf zu dem kleinen Bergsee, den Marcel schon am Vortag gesehen hatte.

Super, super schoen. Klares blaues Wasser, Berge an denen Kühe wie Gemsen grasten, wolkenloser Himmel, Stille!! Wir blieben den Nachmittag da, sahen Bauern bei der Arbeit zu und verspeisten unsere mitgebrachten Vorräte. Keiner quatschte uns an, wollte uns etwas verkaufen oder auch nur ein Foto von uns. So entspannt hatten wir Indien bisher kaum erlebt.

Schoen war auch die Rückfahrt durch ein kleines Tal, welches von dem See bewässert wird. Blumen in den Dörfern, Gemuesefelder, Bauern, die mit Rindern auf den Feldern arbeiten und uns zu winkten. Es strahlte alles Wohlergehen aus, sogar die Strasse in den kleinen Dörfern in diesem Tal war gefegt und die Kinder fragten nicht nach Rupi, Rupi.

Als wir abends dann in Udaipur ankamen war ein islamisches Fest im Gange.Tuerme aus durchsichtigem Plastik, ueber einen Generator mit Licht versorgt, wurden durch die Stadt gezogen. Jeder Turm repräsentierte wohl eine Person aus Mohammeds Familie wie uns jemand am Wegesrand kurz erläuterte. Der grösste Turm, Mohammed selbst, bildete dann den Höhepunkt, aber schon vor ihm hatten es einige Tuerme geschafft, die Stromleitungen des Ortes so in Mitleidenschaft zu ziehen, dass es zum Totalstromausfall fuer mehrere Stunden kam. Darueber regt sich hier niemand auf.

Was uns aber am meisten wunderte war, wie wenig sich hier die islamische Bevölkerung von der hinduistischen unterscheidet. Die Frauen sind in genauso bunte Saris gekleidet und auch die Tuerme stehen in Buntheit und Verspieltheit den hinduistischen Schreinen in nichts nach. Ich musste hier in Indien lernen, dass der Islam bemerkenswert anpassungsfähig ist und auch in der Vergangenheit schon war. Hab ich bisher immer ganz anderes gesehen! Viele bedeutende Juristen islamischen Glaubens haben schon frueher wirklich Grosses geleistet, als sie das islamische Gesetz mit dem britischen Rechtssystem in der Kolonialzeit in Einklang brachten. Mir scheint, dass gerade hier in Indien deutlich wird, dass ein Islam, der nicht die eigene Vergangenheit romantisch verklärt wie der rueckbezogene in Pakistan oder Afghanistan (mit dem ja der indische Staat genausoviel Probleme hat, wie die westliche Staatengemeinschaft) sogar ausgleichend und auch produktiv sein kann.

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