Gertrude Bell und der Iran

08/03/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Sie hat sich umgebracht! Mit 57 Jahren. Die erste Frau, die von der britischen Armee ein Offiziersgehalt bezog. Eine Frau der englischen Oberschicht, eine Abendländerin zur Jahrhundertwende, als Europa noch ganz oben war. .

Aber schon damals zu Beginn des ersten Weltkriegs, sahen die Britten ihren Weg nach Indien, ihrer Kronkolonie und ihren Zugang zu den persischen Ölfeldern gefährdet. Das Osmanische Reich verbündete sich mit dem Deutschen Reich und war damit auch Großbritanniens Kriegsgegner. Gertrude Bell mit ihren intimen Kenntnissen Nordarabiens und der dort lebenden Menschen war plötzlich eine gefragte Quelle, um die geeignete britische Taktik zu bestimmen. Man bat sie um einen Bericht über ihre Erfahrungen. Sie empfahl Ibn Saud als Bundesgenossen der Briten, berichtete von der geringen Wertschätzung, die die Osmanen auf der arabischen Halbinsel genossen und verwies auf die Möglichkeit einer arabischen Revolte gegen die Osmanen. Ihre zunehmende Macht nutzte sie als Orientbeauftragte um Abwasserleitungen und Müllverbrennungsanlagen zu errichten. Sie lädt aber auch die Frauen der Scheichs zum Tee und setzt das Arabische als Amtssprache durch. Aber so einfach war das Ganze natürlich nicht. Die Schiiten wollten schon damals einen Gottesstaat, die Sunniten und die Liberalen ein arabisches Königreich und die Kurden im Norden ihre Eigenständigkeit und die Beduinen der Wüste gar keine Regierung. Sie konnte aus einem Erfahrungsschatz schöpfen, denn ihre Wahrheit war aus persönlichen Erfahrungen gewonnen und auf dem Boden der Tatsachen geprüft. Sie kannte sie genau, die Stämme Arabiens, war lange darin herumgereist. Es war eine Herausforderung für Gertrude für diesen Landstrich eine Lösung zu finden. Aber auch ihre größte Umsicht nützte längerfristig nichts. Ihr Memorandum landete bei Churchill im Papierkorb. Die Folgen davon sind noch heute zu spüren. Wenn ihre Wahrheit als die Wahrheit für IRAK anerkannt worden wäre, sähe das Gebiet heute anders aus. Ihr Breakdown ist 100 Jahre später auch unserer.

http://de.wikipedia.org/wiki/Gertrude_Bell

Zu einer Zeit als Frauen noch kein Wahlrecht hatten und gerade mal seit 1886 in Oxford studieren durften hatte sie alle konventionellen Grenzen übertreten.
Wenn ich mir die typische Abendländerin vorstelle, dann stelle ich mir immer Gertrude vor. Warum nur?

Und ist es nicht seltsam, dass die Stämme Arabiens sie anerkannten, die westlichen Herren aber auf ihren Erkenntnissen herumtraten?

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