Harmonie statt Hegemonie

16/03/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Auf einer Tagung der politischen Akademie Tutzing war besonders der Vortrag der Sinologin Nele Noesselt sehr interessant, obwohl er gerade in der Zusammenfassung (siehe link unten) zu kurz kam und nicht ganz richtig wiedergegeben wurde:

http://web.apb-tutzing.de/apb/cms/index.php?id=2970

Fr. Noesselt führte in das andere Denken der Chinesen ein, das wir Europäer so oft nicht verstehen und immer heftig kritisieren.

In China gibt es keine Streitkultur, sondern eine Konsenskultur. Rechthaberei gilt neben Selbstsucht als Hauptübel in der Gesellschaft und wird hart sanktioniert. Ziel ist der Ausgleich zwischen uneinigen Parteien, nicht der Sieg des einen über den anderen. Nicht die Vernichtung des „Gegners“ sondern das strategische Siegen, ohne zu kämpfen bzw. Wiederherstellung von Gleichgewicht und Harmonie ist wichtig. Es geht nicht um „Recht“ haben, sondern um ein „miteinander auskommen“, denn – wer „Recht“ haben will setzt automatisch sein Gegenüber ins „Unrecht“. Daher wird in China auch so lange miteinander diskutiert, bis beide Kontrahenten emotional glücklich (Glück = frei sein von seelischem Schmerz) sind, und dann erst gehen sie ihrer Wege.

Fr. Noesselt machte die „Chinesischen Weltordnungsmodelle“ verständlich, hinter denen nach den grausamen Erfahrungen der Chinesen am ausgehenden 19. Jahrhundert immer das Ziel steht, eine Welt mitzugestalten in der China einen angemessenen Platz hat.

Dieser Begriff Harmonie ist für die Chinesen besonders wichtig. Ich hab es noch nicht ganz verstanden, aber hier spielt ein Staat mit anderen Spielregeln.

http://en.wikipedia.org/wiki/Beijing_Consensus

Sie scheinen mir nach einer neuen Ordnung zu streben, aber noch nicht genau zu wissen, wie diese aussieht. Bisher spiegelt sich das in den Begriffen Beijing_Consensus, aber auch harmonische Familie und harmonische Gesellschaft in der eine Art Sozialstaat aufgebaut werden soll. Hierbei ist der Prozessgedanke besonders ausgeprägt, wie ihn auch Francois Jullien

https://kirkes.wordpress.com/2010/11/01/francois-jullien/

beschreibt. Dies ist eine völlig andere Herangehensweise als die westliche Nachhaltigkeitsdebatte.

Nein, ich stehe China nicht unkritisch gegenüber, aber erstmals möchte ich verstehen, w a s sie da tun! 🙂

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