Was macht Rumänien anders als Griechenland?

03/06/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Es ist seltsam durch dieses Land zu reisen (schaut es nicht,aus wie ein Fisch) und seinen Aufbruch zu erleben und dazu parallel die schlechten Nachrichten von Griechenland im Ohr zu haben- Hier herrscht im Augenblick (und so formulieren es auch einige Einheimische) eine Stimmung wie im Nachkriegsdeutschland. Wirdschaftswunderzeit! Alles baut, jeder versucht seine Chancen zu nutzen. Gerade für die jungen Gutausgebildeten ist es eine goldene Zeit (für die Alten-so scheint es -weniger gut). Die Gelder der EU werden verwandt wie die des Marshallplans. Und das in dem korrupten Rumänien, das im Jahr 2000 soviele Skandale erlebte.

Was ist nur los?

Dazu trat im Februar ein Ministerpräsident zurück der wirklich gute Arbeit geleistet hat. Am selben Tag, als Emil Boc seine Entscheidung bekanntgab, hatte der IWF den Reformen seiner Regierung ein exzellentes Zeugnis ausgestellt.

In der Regel treten Politiker doch erst zurück, wenn sie an ihren Aufgaben offenkundig gescheitert sind. So war es mit Papandreou in Griechenland gewesen und mit Berlusconi in Italien. In Rumänien ist irgendwie anders. Hier nahm ein Ministerpräsident seinen Abschied, den seine Kollegen in der EU um seine Erfolge bei der Sanierung des Staatshaushaltes beneiden und dem die internationalen Finanzinstitutionen vertrauen.

Was ist passiert – gerade in Rumänien? Die FAZ erklärt es so:
Erfolge und Misserfolge von Regierungen lassen sich heutzutage am besten an den Spreads ablesen, der Fieberkurve der internationalen Finanzmärkte. Das rumänische Finanzministerium konnte für einjährige Staatsanleihen zu weniger als sechs Prozent Zinsen ausgeben und damit deutlich mehr einnehmen, als die Regierung erhofft hatte. So geht´s also auch! (Die wachsende Gefahr politischer Instabilität nach Bocs Rücktritt quittierten die Märkte sofort mit einem Risikoaufschlag. Sie schätzen nichts weniger als Ungewissheit.)
Drei Jahre lang war in Bukarest grundvernünftig regiert worden, trotz der nur hauchdünnen Mehrheit der Koalitionsparteien im Parlament. Der Mut, den Boc und seine Minister aufbrachten, verdient Respekt. Um das Budgetdefizit in den Griff zu bekommen, mussten die Sozialleistungen um 15 Prozent, die Löhne und Pensionen im öffentlichen Dienst zeitweilig um 25 Prozent gekürzt werden. 185.000 Stellen im öffentlichen Dienst wurden gestrichen, zahlreiche Regierungsagenturen aufgelöst. Während unter dem nationalliberalen Ministerpräsidenten Tariceanu mit griechischer Großzügigkeit regiert wurde, bestand Boc auf einer Haushaltsdisziplin, an der man sich auch in Deutschland ein Beispiel nehmen könnte.
Boc verzichtete darauf, die Steuerbelastung zu erhöhen, um das allmählich wieder einsetzende Wirtschaftswachstum nicht abzuwürgen. Lediglich die Mehrwertsteuer wurde von 19 auf 24 Prozent angehoben. Das wußte einer, was er tut!

Mit Geduld und wachsender Einsicht in die wirtschaftlichen Zusammenhänge haben die Rumänen Opfer auf sich genommen, die sich Deutsche, Italiener oder Portugiesen nicht einmal vorstellen können. Keine andere Regierung in der EU hat in so kurzer Zeit auch nur annähernd soviel zustande gebracht.

Selbst im Kampf gegen die Korruption, das größte der Übel der politischen Klasse des Landes, gab es einige, wenn auch vorerst nur geringe Erfolge.

Boc hatte ein gutes Dutzend Misstrauensanträge überlebt und schon weit heftigerem Druck der Straße standgehalten. Er gab auf, weil er wusste, dass er im Wahljahr nicht mehr mit der Unterstützung seiner eigenen PDL rechnen konnte. Er scheiterte daran, dass Parteien, um gewählt zu werden, Partikularinteressen den Vorrang einräumen. In Rumänien wird es erschwert durch eine politische Klasse, die ihre eigenen Partikularinteressen auch noch schamlos vor die ihrer Klientel reiht.

Aber soviel anders ist es ist D-Land auch nicht, auch hier scheitern gute Ansätze an der Partikularinteressen der Interessengruppen!

Viel Glück Romania! Hier tut die EU Wunder.

Wie es weiter geht, hängt aber davon ab, wer im November dieses Jahres die Wahl gewinnt und ob es in diesem Jahr eine gute Ernte gibt. Denn mehr ist den Rumänen auch nicht zuzumuten.

Advertisements

Tagged:,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Was macht Rumänien anders als Griechenland? auf Kirke's Blog.

Meta