Jeder Vogel singt sein Lied

08/06/2012 § Ein Kommentar

Was Rhythmus so genau ist, darüber streiten sich die Gelehrten. Für mich ist es dieses innere Orchester, von dem Peter Hoeg in seinem „stillen Mädchen“ spricht. Alles ist auf bestimmte Weise grundgestimmt, jeder Mensch in seiner eigenen Tonart. Die Bewahrung des eigenen Rhythmus eine Lebensaufgabe

Es gibt eben Einprägungen der Kultur in den Menschen und die sprechen eine andere Sprache. Die Angst überwältigt zu werden, ist eine reale. Das Raster ist stärker, die Menschen sind klein. 

Und doch ist dieses Schwingungsmuster so wichtig. Resonanz (lateinisch resonare „widerhallen“ impliziert eine Beziehung zwischen zwei solchen Mustern und ist meines Erachtens die Grundlage für jede emotionale Beziehung. Dein Körper ist Dein Ohr, erhöhre ihn!

http://gesetze-des-lebens.de/pages/gesetz-der-resonanz.php

Die Welt ist Klang. Und gerade als Europäerin bin ich tief bewegt von der phantastischen Entfaltung der neuzeitlichen europäischen Musik in ihrer außergewöhnlichen Verkörperungskraft.

Ich denke, dass sie das Hervorbrechen der Subjekt in die Welt begleitet, wenn nicht sogar  hervorgebracht hat. 

Diese musikalische Explosion in unsere europäischen und gerade auch deutschen Vergangenheit fasziniert mich ähnlich wie die neuzeitliche Mathematik.

Damit meine ich nicht das Beschallungsszenario, das uns dauernd umgibt – diese Zerstreuungsmusik, die uns überall begleitet, das Sedativum, das uns vor allem Neuen schützt.  Diese funktionale Musik, die zum Marschieren anleitet oder Kinder einlullt, damit sie endlich schlafen und Konsumenten gute Laune vermittelt, damit sie mehr kaufen.  Da geht doch das Individuum baden! Da ist von dem Subjekt, das die Musik hervorbringt, doch gar nichts mehr zu spüren. Der Vogel wird gesungen und singt nicht mehr selber!

Ich verstehe, dass viele Komponisten neuer Musik keinen Hehl mehr daraus machen, dass es ihnen gleichgültig ist, ob es für das was sie herausexperimentieren noch Hörer gibt.  Am Ort des Hörens auf den die unterhaltende und einstimmende Musik zielt, herrscht immer schon das regressive und nostalgische Element vor. Es bedient den Drang zum Weghören, zum Zurechthören, zum sich Heraushören aus der Dissonanz. Es ist tonaler Populismus und gehört zur Konsummaschine wie vieles andere auch.

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