Schopenhauer

21/06/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Wenn ich länger in einem Land bin, nehme ich mehr Alltag und weniger Sehenswürdigkeiten wahr, sehe die Ausländercafés immer mehr als Westimplementierungen in einem Land.

Ich glaube, wir sehen die Welt so, wie wir sind, wie unser Verstand gestrickt ist. Wenn wir einen Verstand haben, der Reflexivität, Selbstbezüglichkeit nicht kennt, dann bauen wir triviale Maschinen. Das haben wir im Westen mit unserem monothesitischen Ansatz jetzt 200 Jahre getan und das ändert sich erst in den letzten Jahrzehnten. Jeder gestaltet seine Welt so, wie er selber ist. Jetzt da wir Rückkopplungen kennen, beginnen wir uns auch für Systeme mit Gedächtnisstrukturen und Gleichgewichten zu interessieren und merken auf einmal, dass die Welt gar nicht so primitiv ist, wie wir dachten.

Schopenhauer, den ich auf der Chinareise dabei hatte, behauptet, dass beide Sichtweisen zusammen gehören.

Er sagt: Die Brücke liegt immer in der menschlichen Seele. Der Mensch hat immer an beidem Teil!

Für ihn ist das ICH Träger der gesamten Erscheinungswelt. Sein grosses Thema ist der WILLE. Für Schopenhauer ist alles Glück befriedigter Wille, alles Leiden versagte Willenserfüllung. Für ihn kommt es auf das IST an, nicht auf Ursache und Wirkung. Damit ist er wirklich sehr postmodern. Denn das muss man sich klar machen: Er meint nicht, dass aus einem befriedigten Wunsch Glück folgt, sondern dass Glück und befriedigter Wille identisch sind. Daraus folgt aber, dass der Wille seiner Natur nach niemals befriedigt sein kann und die Negativität der Glücksbilanz schon entschieden ist.

Das muss alle Glückritter deprimieren, denn sie verlieren auf lange Sicht!

Aber es wäre nicht Schopenhauer, wenn er nicht noch weiter ginge. Er greift auch nach Kant mit seiner strengen Moral und sagt, dass es nicht angehe Lust und Leid als ausschließlich subjektive, nicht in die tiefe Struktur des Lebens hinuntergreifende Zustände zu deuten. Für ihn ist es eine psychologische Unwahrheit, dass jedes Wollen Leiden ist. Sein Argument ist, dass uns die Entbehrung ja nur bis zu dem Augenblick begleitet indem das Ziel erreicht ist.

Für ihn ist Wollen der Weg vom Nicht-Haben zum Haben, also eine Abhilfsbewegung gegen Entbehrung und nicht mehr. Es gibt aber eben noch etwas anderes, nämlich die Annäherung an ein Ziel, welches nicht mangelbehaftet ist. Daraus ergibt sich dann Glück ohne vorheriges Leiden.

Mit diesem Schritt hat er auf einmal Platz geschaffen in der obersten Instanz in der Maslowschen Pyramide. Die Hoffnung des Glücks wird zum Glück der Hoffnung.

Schon seltsam, dass gerade Schopenhauer, der olle Miesepeter D I E S E N Weg beschreitet!!

Advertisements

Tagged:,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Schopenhauer auf Kirke's Blog.

Meta