Danilo Zolo`Gedanken und die grösste Demokratie der Welt

13/08/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Danilo Zolo ist für mich einer der wachsten und kritischsten Denker der Gegenwart:

Da hat dieser Danilo Zolo 1995, damals schon 65jährig, einen ungeheuer klaren Blick auf die aktuellen Verhältnisse gehabt und dieser Blick ist auch jetzt noch gültig.

Für ihn ist die repräsentative Demokratie ein Subsystem in einem Systemraum zunehmender Differenzierung, welches fatalerweise gerade darauf hinausläuft, dass der Versuch W I S S E N anzuhäufen (um die sozialen und sonstigen Risiken zu minimieren) dazu führt, dass die Komplexität e r h ö h t wird.

Mehr Erkenntnisse führen also nicht zu einem einfacheren System , sondern im Gegenteil zu einem System mir mehr Variablen, zunehmender Abhängigkeit und zu einem zunehmend unstabilen Umfeld.

In dieser zunehmend komplexen Umwelt werden die Individuen gezwungen hochpräsent jederzeit grundlegende Entscheidungen zu treffen, was sie natürlich in einen chronischen ALARM-Zustand versetzt.

Überhaupt ist Aufmerksamkeit ein sehr rares Gut geworden. Hierum buhlen alle Medien. Aber (und das ist ja gerade das Paradoxe) genau diese Medien ermöglichen es wieder dem einzelnen in einen „Raum“ abzutriften, in dem die Wirklichkeit ausgeblendet werden kann. Die Beliebtheit der täglichen Soaps sind ein gutes Beispiel dafür!

Danilo Zolo´s Grundthese ist, dass es die Aufgabe des politischen Subsystems ist ANGST zu vermindern. Da kann man mit Luhmann ja schnell zustimmen. Interessant wird es erst da, wo er hinschaut, ob d a s die Struktur unseres heutigen politischen Subsystems überhaupt noch kann. Da wird er hochaktuell!

http://www.podcast.de/episode/1857780/Demokratie_in_der_Krise

Danilo Zolo sagte schon 1995, dass er da Zweifel hat. Er begründet es mit einem Blick in die Geschichte und stellt die Behauptung auf, dass der Sonderfall D e m o k r a t i e nicht ein Fortschritt an Menschlichkeit zu sehen ist, sondern die geeignete Regierungsform ist für eine sich ausdifferenzierende Gesellschaft. Nach Zolo ist eine zentrierte organische Gesellschaft (wie es z. B. die Araberstämme bis vor den ersten Weltkrieg waren) mit einer Monarchie , d. h. einer zentralen Regierungsform besser bedient, da sie in diesem Umfeld effizienter ist.

Nach Zolo ist gerade die Ineffizienz der Einbettung der vielen pluralistischen Aspekte der grosse VORTEIL der demokratischen Regierungsform.

Demokratie ist also nicht per se das Gute, sondern durchaus f u n k t i o n a l zu betrachten.

Aber gerade wenn man so argumentiert, schließt sich notgedrungen die Frage an:

Ist das heutige demokratische System noch adäquat? Wird es seine Aufgabe der Angstverminderung gerecht? Sind die Grundbegriffe in einer Welt der Hochtechnologie und der Massenmedien noch die Gleichen, wo sie doch einen hohen Grad an Wirklichkeitsverlust zulassen?

Man kann auch noch anders fragen: „Was sind die evolutionären Risiken unseres politischen Systems?

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