„Das Untergangsjahr 1912“

14/08/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

1912, also jetzt genau vor 100 Jahren, fing der große Untergang an, den das 20igste Jahrhundert in die Welt brachte, denn die Katastrophe des 1. Weltkriegs brachte die Totalismen hervor, die uns bis ins Jahr 1989 in Atem hielten.

Aber nicht nur die Europäer litten in den großen Bürgerkriegen des Westens, auch das ferne China wurde einbezogen und der europäische Export Kommunismus wurde da für ein halbes Jahrhundert implementiert.

Es ging ja 1912 nicht nur die Titanic unter, sondern auch die große edle Fregatte China, das alte chinesische Kaiserreich.

Dieses Land der Mitte (wie sich die Chinesen selber bezeichnen) war fast 3000 Jahre alt geworden. Das Kaiserreich China konnte den inneren und äußeren Ansturm nicht mehr standhalten!

Vor allem in den letzten Jahren des ausgehenden 19. Jahrhundert kam es zu einer Demütigung Chinas nach der anderen: 1895 kam es zur Niederlage gegen Japan im ersten japanisch-chinesischen Krieg, der außer Kontrolle geratene Boxeraufstand war 1900. In China tobte jetzt der Interessenkonflikt der Kolonialmächte des Westens, zu denen sich die USA erst im letzten Augenblick dazu gesellt hatte, als es Spanien 1998 die letzten großen Kolonien abnahm. Beteiligt waren das Deutschen Reich, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Österreich-Ungarn, Russland und eben auch die USA. Der Konflikt endete mit der Niederlage der Chinesen. Das brutale Vorgehen gegen die Bevölkerung und die erzwungenen Entschädigungen Chinas an die Krieg führenden Parteien, waren eine der tiefsten Demütigungen, die das Land in seiner langen Geschichte jemals erlebte. Die Qing-Dynastie war kurz danach zuende.

Ein Grund, dass dieses edle Schiff und mit ihr die Qing Dynastie unter ging war sicher, dass es Reformschwächen zeigte. Auch dies führte zur inneren Unzufriedenheit im Land. Aber China hatte es schon oft in seiner Geschichte geschafft sich zu erneueren. Dass diesmal hierfür nicht genügend Kraft und Energie zur Verfügung stand lag daran, dass

– und das sollte man wahrlich nicht vergessen – der äußere Druck des Westens so immens und brutal war.

Die Opiumkriege, die eine unbestreitbare Einmischung der Europäer in innerchinesische Angelegenheiten waren, ließen eine Erneuerung gar nicht zu. Die Europäer z w a n g e n die Chinesen zur Öffnung ihrer Handelswege. China war die ganze Lange Zeit hinweg in seinen eigenen Augen das Land der Mitte. Es kümmerte sich nicht so sehr darum, was außerhalb Chinas geschah, war mit den eigenen Angelegenheiten beschäftigt.

Ganz im Gegensatz zu den Europäern in der Kolonialzeit, die auf dem Höhepunkt ihrer Macht waren und sich aufmachten in die Zeit der Weltkriege. China wollte keine Seemacht, wollte über lange Zeit sein eigenes Zentrum stärken und nicht ausgreifen in die Welt. Genau an dieser Haltung ist es letztendlich auch gescheitert. Europa hat China überrumpelt, hat ihm seinen Willen aufgezwängt und den Japanern die Tore geöffnet. Die Chinesen hassen die Japaner noch heute. Und jeder Chinese schwört, dass er es niemals zulassen wird, dass wieder Japaner und Russen auf chinesischen Boden Krieg führen, ohne dass China überhaupt ein Wörtchen mitzureden hätte.

Diese demütigende Erfahrung und der darauf folgende Bürgerkrief im 20igsten Jahrhundert hat China geprägt und das moderne China geschaffen. Man sollte nicht unterschätzen was solche Ereignisse im kollektiven Gedächtnis anstellen. Die aktuellen Spannungen zwischen den USA und China haben ihre Ursache in dieser Zeit.

Die Gegenwart ist nur aus dem ZORN der Vergangenheit verständlich und die Zukunft aus dem ZORN der Gegenwart vorhersagbar!

Das Ausgreifen in die Welt, das die Westmächte immer so gut beherrschten, gehört zu unserer Vergangenheit und ein wenig auch zu unserer Gegenwart. Manchmal ist das gegenteilige Verhalten, das welches China in den Jahrhunderten so mit Bravour beherrschte, nämlich sich gut s c h ü t z e n zu können, aber aussichtreicher.

Im 20igsten Jahrhunderte l e r n t e China sehr mühselig neben seiner Sinozentriertheit auch die Öffnung. Es kann also jetzt beides, hat sein Scheitern vor 100 Jahren verkraftet.

Aber können die Westmächte auch b e i d e s ? Das scheint nicht so, wenn ich an die Überdehnung ihres Einflussbereiches und des darauf folgendes Schwierigkeiten auf den Kapitalmärkten denken.

Denn die Finanzkrise, die ja in den USA anfing, ist eine unmittelbare Folge des billigen Geldes in den USA. Das hat Neil Ferguson sehr gut beschrieben. Damit haben sie den Krieg im Irak und in Afghanistan finanziert. An solchen Überdehnungen sind vor allem nach dem ersten Weltkrieg ganze Weltreiche untergegangen!

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