„Sprache spricht“

31/08/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Je länger ich über das Thema „Subjekt“ und „Westen“ nachdenke, umso klarer wird mir, dass die „Sprache“ spricht und nicht das Subjekt.

Was ist uns Redefreiheit wichtig im Westen und wie groß war die Aufmerksamkeit zum Moskauer Prozess gegen die Frauen-Punkband Pussy Riot.

http://www.stern.de/politik/ausland/pussy-riot-prozess-geht-zu-ende-egal-wie-das-urteil-lautet-wir-gewinnen-sowieso-1880061.html

Bei uns ist die Redefreiheit eingelöst und Russland tut sich damit noch schwer.
Dem steht aber gegenüber wieviel Erfahrungen die Mächtigen bei uns damit haben „freie Rede“ unwirksam zu machen.

Macht man mal den Fernseher an, so landet man sicher in der Nähe einer Talkshow und bald wird einem klar, wie diese Vielstimmigkeit in pures GEREDE mündet und von da geradezu ins NICHTS. Aber auch im Netz ist das nicht wirklich anders, wenn auch die Mechanismen andere sind. Hier besteht der größte Teil eh schon aus Gerede, aus WEITER- und NACHREDE, im wesentlichen nichtssagendem ZEUGS. Es ist nicht schwer, dies genauso ins LEERE laufen u lassen. Es einfach in den durchlaufenden Strom der Nichtigkeiten einmünden zu lassen und es damit zu neutralisieren.

Es geht bei uns schon lange nicht mehr darum, WAS gesagt werden darf, sondern darum WAS DURCHKOMMT.
Die Lenkung des Geredes, das ist im Zeitalter der demokratischen Herrschaft der Mehrheit wesentlich für die Mächtigen.

Der westliche Mensch, der homo oeconomicus hat sich längst damit abgefunden, dass er keine WAHL hat, nur abgesteckten Raum des Warenangebots frei wählen darf. Wer sich nicht bewegt, spürt seine Ketten nicht. Und die allgegenwärtigen Medien und die Warenvielfalt betäuben ja wunderbar.

Und dazu kommen die Grenzen der Sprahe. Wir können im Deutschen nur ausdrücken, was das Deutsche auszudrücken vermag. Das ist völlig unabhängig vom Sprechenden. Die Grenzen unserer Sprache sind die Grenzen unserer Welt. Wer „dämlich“ sagt, verunglimpft Frauen und wer das Wort „herrlich“ in den Mund nimmt, wertet Männer auf. Das haben die Feministinnen ja gut herausgearbeitet. Aber viele dieser GRENZEN erkennt man erst, wenn man sich in eine andere Sprachwelt begibt.

Meine Beschäftigung mit dem Russischen steckt da meinen Horizont gerade neu ab. Wie war ich überrascht, dass sich im Russischen der etwas dümmliche IKEA-Werbespruch:
„Lebst Du schon oder wohnst Du noch?“ nicht ausdrücken läßt, da es nur ein Verb für wohnen und leben gibt

Aber auch die Beschäftigung mit dem Werk des russischen Land-Art-Künstlers Nikkolai Polisski
(Полисский, Николай Владимирович)
brachte mich erst darauf, welch Kopfgeburten westliche Land-Art ist und was „wilde Kunst“ wirklich sein kann. Da ist noch eine Ursprünglichkeit drin, die wir verloren haben und somit auch nicht w ä h l e n können.

Ich denke DAS ist das wichtige. Um zu erkennen, was wir NICHT wählen können, weil es das bei uns gar nicht gibt, hierzu brauchen wir den Anderen, die andere KULTUR, die andere SPRACHE.

Und hier bin ich wieder bei meinem Hauptkritikpunkt im WESTEN, diese Orgie der ZERSTÖRUNG des Anderen, der anderen Kultur, der anderen Lebensweisen. Ganze Kontinente wurden überrannt und nirgendwo, nicht im hindersten Himalaya kommt jetzt ein Völkchen mehr an den „Segnungen“ des Kapitalismus vorbei.

Es ist ungeheuer, was da passiert ist und passiert!

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