Herrschaftssysteme und Eigentumsrecht

11/12/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Geht es jetzt im 21. Jahrhundert um ein neues Herrschaftssystem? Sollten wir nicht an die Kosaken anknüpfen, die versuchten herrschaftsfreie Territorien aufzubauen?

Mir scheint, in jedem west- und osteuropäischen Menschen ist dieses Gen vorhanden, die Herrschaft antreten zu wollen. Aus den kleinsten Keimen, wie z. B. der Kiewer Russ ist ein riesiges System entstanden, das lange Zeit einen großen Teil des asiatischen Kontinent umspannte. Nun sicher, was da im Osten entstand, war nicht unbedingt demokratisch, aber es war erfolgreich bis 1990.

Auch unsere deutsche Vergangenheit, die Langprozesse der dt. Geschichte, bewegten sich bisher nur kurze Zeit in demokratischen Bahnen. In der deutschen Gesellschaft gab es Eigenentwicklungen, die schnell davon weg führten, weil sie nicht effizent waren und erst nach der totalen Niederlage im 2. Weltkrieg und mithilfe einer Anleitung durch die Weststaaten kam es zu dieser Demokratie auf deutschen Boden. Aber ist diese Demokratie in jedem Fall richtig?

Ich denke, wir können uns nicht selber voraus sein. Es gibt keine heilige Schrift, die uns wirklich anleiten kann, auch nicht die der Westmächte. Die Herrschaftsansprüche der Euroäer scheinen mir vom monotheistischen Christentum, egal ob ‚West- oder Ostkirche“ abgeleitet. Die Stämme Arabiens ticken anders. Ihnen taugte der Islam besser, um ihre eher nomatischen Stammesstrukturen zu stützen.

Haben nicht erst die Engländer die Stämme Arabiens nach dem 1. Weltkrieg zur Staatenbildung gezwungen? Ist nicht der Iran ein Sammelsurium, genau so wie Ex-Jugoslawien? Zerreißt es solche künstlichen Gebilder ohne Herzblut bisher nicht immer nach kurzer Zeit? Was passiert, wenn die Amerikaner sich aus dem Iran zurückziehen, die Aufspaltung in einzelne Stämme? Was wird aus Afghanistan nach der Besatzungszeit? Ein Staatengebilde nach europäischen Vorbild? Wohl kaum!

Was ist mit unserer Demokratie? Nicht, dass ich nicht stolz darauf bin, was wir da entwickelt haben, aber ich will es auch kritisch hinterfragen dürfen, denn Demokratie ist kein Verfahren, um ein wirklich gutes Ziel zu erreichen. Demokratie ist eine Methode um Macht zu zerstreuen, um verschiedene Gruppen in den Ausgleich zu bringen. Diesen Ausgleich machten die Chinesen auch in ihrem Kaiserreich, wenn auch mit anderen Methoden.

Dazu ist eine verfeinerte Volksmeinung nötig. Gerade die deutsche Geschichte weißt auf, dass der Rohstoff Volksmeinung nicht immer in die richtige Richtung zeigt. Es kann auch in Richtung Abgrund gehen. Und diese Verfeinerung hat manchmal einen dunklen Bodensatz, so wie wir nicht mehr sehen können, dass Tiere gequält werden, daneben aber durchaus akzeptieren, riesige Schlachthöfe zu betreiben, deren Brutalität nicht zu überbieten ist. Das Vordergründige ist eben nicht immer wahr.

Und ich staune über den Balance-Akt, den unsere Bundeskanzlerin vollbringt in der Eurokrise:

Da muss sie (um demokratisch legitimiert zu sein) ihren Blick auf die Innenpolitik richten, denn hier werden Wahlen gewonnen. Was nützt es, recht gehabt zu haben, wenn man wie Gerhard Schröder nach seiner Agenda 2010 abgewählt wird. Die Volksmeinung wird nie so verfeinert sein, dass sie langfristige Weichenstellungen ins Kalkül ihrer Entscheidung einbezieht. Dieshalb haben wir ja auch eine repräsentative und keine direkte Demokratie.

Aber seit jetzt nun mehr als 10 Jahren kommt da noch eine europäische Öffentlichkeit hinzu, die nach ganz anderen Kriterien mißt und erklärtermaßen andere Ziele hat. Eine Wirtschaftspolitik, die Deutschland hilft, ist nicht immer im Sinne von Griechenland, ‚Spanien und neuerdings auch Frankreich. Bisher konnte sie sich l e i s t e n, diese Öffentlichkeit zu verprellen. Aber ist d a s Demokratie??

Anders sah es und sieht es mit den Akteuren der Finanzwelt aus. Hier ist das Thema Eigentum in modernen Gesellschaften verborgen. Ein super wichtiges Thema. Mindestens so wichtig wie EUROPA. Diese Finanzkreise reagieren schnell und hochsensibel. Es ist, wie Lehman Brothers gezeigt hat, eine große Ansteckungsgefahr vorhanden. Es hat etwas hysterisches und ist alles andere als stabil. Der Augenmerk auf dieses System ist mindestens so wichtig, wie jenes auf die Innenpolitik. Und so reagiert sie ja auch, unsere Kanzlerin.

Sie ist eine Zauberin im Sinne von Thomas Mann und schafft es bisher ganz gut, die Impulse so zu setzen, dass die Teller sich immer weiter drehen und nicht zu Boden fallen. Aber WAS kommt bei diesem Kraftakt heraus? Werden hierbei auch Weichenstellungen für die Zukunft getroffen, die uns aus dem Dilemma heraus bringen?

Ich denke nicht! Warum denke ich an Thomas Manns Budenbrooks?

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