China, das Zeitalter der Rhetorik und das Subjekt

27/12/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Es war ein spannender Betrag im philosphischen Radio im WDR mit Dr. (phil.) Harald Wasser:

http://medien.wdr.de/m/1353097447/radio/philosophischesradio/wdr5_das_philosophische_radio_20121116_2100.mp3

http://www.hauptsache-philosophie.de/Weltbild-der-Rhetorik-INT-Fassung.pdf

Er erzählt vom Weltbild der Rhetorik, vom Buchdruck und von der Erfindung des Subjekts. Dabei ist seine These:

Das „Subjekt“ stellt den Gegenpol zur Rhetorik, zur Ordnungsform des Mündlichen dar und ist erst nach der Erfindung des Buchdrucks (im Sinne McLuhans) als neue Sozialform aufgetreten. Mit ihr folgte parallel die Dominanz des Verstandes.

Nun, das paßt ja mit vielen meiner Überlegungen zusammen:

https://kirkes.wordpress.com/2010/11/03/selbstprasenz-und-kontrolle/

https://kirkes.wordpress.com/2012/07/30/george-spencer-brown/

https://kirkes.wordpress.com/2012/08/04/das-subjekt-der-psychoanalyse/

https://kirkes.wordpress.com/2012/08/04/das-subjekt-des-aussagens-und-das-subjekt-der-aussage/

https://kirkes.wordpress.com/2012/08/09/das-subjekt-und-die-piraten/

TROTZDEM habe ich Fragenzeichen im Kopf

Wie paßt das alles denn zu CHINA, zur chinesischen Philosophie, zum chinesischen Denken zur chinesischen Staatenbildung?

https://kirkes.wordpress.com/2012/06/16/chinesische-philosophie/
Ist die chinesische Philosophie nach dieser Beschreibung nicht eher ein Sozialsystemen des Mündlichen?

Und doch hat China sein Weltreich auf die Schriftkultur aufgebaut:

https://kirkes.wordpress.com/2010/11/09/chinas-geschichte/

Die Schriftlichkeit und die Literaturbeamten waren grundlegend für die 3000jährige Beständigkeit des Systems.

Bemerkenswert ist ja auch, dass sich im Laufe der Jahrhunderte die Schriftsprache immer mehr von der gesprochenen Standardsprache und den regionalen Dialekten entfernte. Die Leute im Süden, wo wir waren, konnten die Han-Chinesen schlecht und gar nicht verstehen, die zusammen mit uns da ebenfalls als Touristen unterwegs waren. Aber lesen konnten sie, was da geschrieben stand.

Wieso wurden die „Literaturbeamten“ nicht zu Don Quijotes im westlichen Sinn, wie Harald Wasser im philosphischen Radio so schön ausführte?. Bei diesen Literaturbeamten ist doch eine Synthese entstanden zwischen dem Schriftprinzip und der mündlichen Welt, denn diese Beamten konnten aus untersten Kreisen kommen, mußten jedoch eine Prüfung ablegen zum Nachweis ihrer Befähigung, denn nur Leute mit Talent und Tugend sollten Beamte werden können.

http://www.de-cn.net/dis/auf/de7511751.htm

Nun ja, ein bisschen wurden sie das auch, wenn auch in einem etwas anderen Sinn, denn der Kult der Bildung und Gelehrsamkeit führte zu einer gewissen Verachtung der Körperertüchtigung und der Gewaltanwendung und damit zu einer Art Verweichlichung der chinesischen Mentalität und zur Schwächung der Schlagkraft der Militärs, was zeitweise fatale Folgen hatten.

Trotzdem ist hier eine völlig andere Abstrahierung entstanden wie in Europa. Die ganze Schriftkultur lief anders ab.

Es würde mich schon interessieren, wie sich diese andere Entwicklung auf die Bildung des Subjekts auswirkte,

Ja, was bedeutet diese andere Entwicklung der Schriftkultur in China für die Thesen über das Subjekt?

Was ist bei der Individualisierungsbewegung im Abendland passiert und was gegenläufig dazu in China?

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