Subjekt-Objekt-Trennung und ANGST

31/12/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Angenommen, ich will meine Wohnung neu tapezieren. Ich brauche Kleister, Tapete und Werkzeug wie Quast, Schere, Messer usw. Ist dies vorhanden und verfüge ich über die notwendigen Fertigkeiten, so ist das Weitere kein Problem. Ich stelle das neue Aussehen der Wände her. Ich als Subjekt verwirkliche meinen Plan mit Hilfe von Objekten wie Kleister, Pinsel und Tapetenrollen. Die Materialien Kleister und Tapete werden nach dem Modell „Tapetenwechsel“ mit Hilfe der Werkzeuge zu dem Ding „neue Wandbekleidung“. Ist die Wandfläche vollständig mit der neuen Tapete bedeckt und alles aufgeräumt, so ist der Vorgang beendet. Ich bin das SUBJEKT und alles was ich noch dazu brauche hat Objektcharakter.

Völlig anders wird die Lage, wenn Gemeinschaftsräume in einer Wohngemeinschaft renoviert werden sollen. Dann ist dem Herstellungsvorgang ein ganz anderer Prozeß vorgeschaltet, der nicht mit den gleichen Begriffen zu fassen ist: man muß sich über die Tapete einigen. Das verkompliziert die Lage erheblich, man wird verhandeln müssen. Der Zweck der Sache ist klar: die Einigung. Wenn ich nun diese Einigung versuchsweise als Herstellung verstehen will, dann muß ich erklären, wie Material, Werkzeug und Modell beschaffen sind. Das Modell habe ich im Kopf, es ist meine Vorstellung, wie die Wohnung aussehen sollte. Das Material sind die Willensimpulse der Anderen (warum erinnert mich das an WAHLKAMPF? :-)). Nun muß ich die Anderen so lange bearbeiten, bis sie meiner Vorstellung zustimmen. Möglicherweise schaffe ich das; möglicherweise wird mir auch, wenn ich mich immer so verhalte, nahegelegt, aus der gemeinsamen Wohnung auszuziehen. Wenn ich aber der Hauptmieter bin und mit dem Mietvertrag über ein Druckmittel verfüge, dann ziehen vielleicht die Anderen aus.

Die Gemeinschaft, das Politische, wird empfindlich beschädigt, vielleicht sogar zerstört. Warum?

Es scheint für individuelle und kollektive Subjekte zu gelten, dass sie Angst entwickeln, wenn ihre Ansichten, ihre Stabilibisierungs- und Ordnungsarbeiten nicht berücksichtigt werden. Das trifft j e d e s Subjekt tief, es wird sogar als gefährliche Situation betrachtet. Angst ist demnach eine Reaktion des Subjekts in Bezug auf Selbsterhalt.

Was ich bemerkenswert finde ist, dass die modernen politischen Systeme, die auf dem Subjektbegriff aufgebaut sind, dazu neigen die Wahrscheinlichkeit Opfer eines Totschlags zu werden, beachtlich zu reduzieren, während sie die Enttäuschung die sich aus Brüchen anderer Art (Freundschaft, Liebesbeziehung, Arbeitsverhältnis) ergeben, dem Individuum überlassen. Warum eigentlich? Auch hier werden g e f ä h r l i c h e Bereiche in Bezug auf den Selbsterhalt betreten…

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