Wissenschaftskritik: Viktor von Weizsäcker und das Subjekt

09/04/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Für mich gehört der medizinische Ansatz von Viktor von Weizsäcker nicht zu den „Alternativmedizinen“, die ich durchus kritisch betrachte, da sich hier soviele Scharlatane herumtreiben, sondern um einen anderen philosophischen Ansatz.

Im Unterschied zur herkömmlichen Medizin, geht es bei ihm nicht um die Behandlung von Krankheiten, sondern um die Behandlung des kranken Menschen. Der Patient ist nicht mehr das Objekt, sondern der Arzt tritt dem Kranken als Subjekt in eine persönliche Beziehung ein.

Zu Viktor von Weizäcker (1886- 1957) fallen mir eigentlich nur die beiden Attribute Vielfalt und Exzellenz ein. Hat er doch das S U B J E K T in die Medizin eingeführt und dieser Prozess ist meiner Meinung nach aktueller denn je. Sieht sich die Medizin gerade in unseren Tagen an Grenzen stoßend, die es nötig machen, das naturwissenschaftliche (= objektive) Heranangehen zu hinterfragen und nach neuen Wegen zu suchen. Natürlich wird es weiterhin nötig sein, nach viktor von weizzäckerobjektiv gültigen bestimmbaren medizinischen Diagnosen zu suchen, aber bei dem Heilungsweg spielen eben doch ganz andere Gesichtspunkte eine Rolle und die sind nicht immer im alten Sinne „objektiv“ (d. h. unabhängig von der bestimmten Person). Viktor von Weizsäcker beschäftigte sich intensiv mit diesem Phänomen. Er war Arzt mit Leib und Seele und fragte sich immer, arum ein Heilungsweg bei einem Patienten an-schlägt und bei einem anderen nicht.

Seine berühmte Fragestellung ist:

WARUM bekommt gerade d i e s e r Mensch diese Krankheit?

Geht man so vor dann muss man sich erst einmal genau ansehen, was denn mit dem Begriff SUBJEKT gemeint ist. Es ist nötig, das SUBJEKT selbst als eine Art anthropologischer Bestimmung anzusehen und in seiner Endlichkeit zu erfassen. Tritt es doch einer Umwelt entgegen, von der als Ganzes es sich ein Weltbild macht.

Gerade aus dieser Subjektivität ergibt sich nach Weizsäcker ein Zwang der Zuordnung der äußeren Welt .

Dabei handelt es sich meist um eine schwierige Suche nach der eigenen Identität. Um diesen PROZESS hierum sieht Vikor von Weizsäcker das Wesen der Krankheit. http://www.suhrkamp.de/buecher/warum_wird_man_krank_-viktor_von_weizsaecker_45936.html

Wieweit Viktor von Weizsäcker schon war und wie rückständig die heutige Wissenschaft ist, wurde mir bei dem Vortrag von Dr. Christina Stößel zum Thema „Auswirkungen von Zuneigung und Trennung auf die psychische Gesundheit“ klar.

Nein, es war alles super wissenschaftlich aufbereitet. Dr. Stößel begründete jeden ihrer Schritte. Die Auswahl der Probanten, die Definition der romantischen Liebe, welche Hormone sind beteiligt, welcher Fragebogen (Passionate love scale PLS oder Beck depression inventory BDI) wurde für welche Emotion benutzt.
Und trotzdem war es nervig! Langsam verstehe ich, warum sich die Fachärzte der Psychosomatik so gegen die „feindliche Übernahme“ der DGPPN (der Fachärzteschaft für Psychatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde) wehren.
Es hat alles eine Maschinenrhetorik. Der Einfluss der Hormone auf die Gefühlszustände, das war wirklich nicht neu. Cortisol, Oxytocin, Serotoninen, wer hat das nicht schön gehört – auch als Laie.
Dass diese Gefühlszustände nach Defintion und Auswahl von Probanten dann jetzt auch mit dem bildgebenden Verfahren im Gehirn lokalisiert werden können. DAS ist ja wirklich toll.

Aber W A S sagt uns das? Ist es wirklich für alle gleich? Welchen Einfluss haben kulturelle Einflüsse, ändern Alterungsvorgänge das Verhalten, gibt es Unterschiede zwischen Mann und Frau (beim letzten kündigte Dr. Stößel weitere Studien an). Ja Klasse, das ist gerade modern. Aber bei all diesen Fragen sind wir noch meilenweit von der Fragestellung von Viktor von Weizsäcker entfernt.

Was hat dies alles mit psychischer Gesundheit zu tun, welchen Einfluss hat die Disposition des Einzelnen, wie z. B. seine Angriffslust oder seine Verträglichkeit darauf?

Es war wirlich dürftig und mir ist jeder experimentelle Psychosomatiker lieber als so ein vermeintlich wissenschaftlicher DGPPNler. Meine Kritik an dem , was wir als Wissenschaft bezeichnen wächst beständig!!

 

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