Alterssubjektivität und jugendliches Zurücktreten aus der Welt

24/04/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

– ein interessanter Artikel in der FAZ am 14.4. 2013

Da scheinen sich die größten Deutschen Meister Goethe und Beethoven darüber Gedanken gemacht zu haben, WIE sich der Altersstil ihrer Werke von denen der Jugend abhebt. Was wurde nun anders an ihrem Schaffen in ihren Augen?

Unter dem Stichwort „Symbolik“ beobachtete Goethe im Altersstil eine Tendenz des Rückzugs aus der Welt der Dinge und Erscheinungen, die seiner Meinung nach zu einer besonderen Art der Vergeistigung führt oder

anders ausgedrückt:

„Symbolik verwandelt die Erscheinungen in eine Idee, die Idee in ein Bild, und zwar so, dass die Idee im Bild immer wirksam und auf seltsame Art unausprechlich bleibt “

Aber kann das wirklich ein spezifischer Altersstil sein? Dies ist doch schon oft bei sehr jungen Menschen zu beobachten z. B. nach dem Erlebnis eines Traumas. Auch dann ziehen sich die Menschen aus der Welt der Erscheinungen zurück, die Welt rückt für sie in eine unerreichbare Ferne.

„Ganz in sich schauen, wie es das Alter tut, kann nur der Einsame. Der Herrschende sieht um sich.“

Wieder so ein Spruch. Das mag schon sein, er mag sogar manchmal stimmen, aber ist dieses introviertierte In-sich-schauen nicht wieder mehr von der Sozialisation als vom Alter abhängig? Ist nicht Petrarca,

http://de.wikipedia.org/wiki/Francesco_Petrarca

der auf-den-Weg-Bringer- der – romantischen-Liebe so ein innerlicher Mensch unabhängig vom Alter?

Auf Goethes Beobachtung haben sich noch viele bezogen. Brinckmann z. B. http://www.zeit.de/2010/48/L-B-Brinkmann und auch Simmel dachte diesen Gedanken weiter.

Aber stimmt er?
Ist es so, dass die Subjektivität des von der Welt freigewordenen Alters sich nicht als Inhalt, sondern als FORM artikuliert? Wie ist es aber mit denen, die sich von Jugendbeinen an für die FORM interessieren, wie die Mathematiker z. B? Diese Menschen erfahren ja die Welt unter der FORM-Bedingung und bringen sie auch so zum Ausdruck.

Ist es nur ein Kennzeichen für die „Alterskunst der großen Genies, dass die Beziehung zu den äußeren Objekten als solchen ihnen gleichgültig geworden ist“ Gilt dies nicht vielmehr für die ganz Jungen im gleichen Maße, die an der Welt scheitern? Sind sie nicht ähnlich radikal wie diese alten Genies? Stellen sie nicht den gleichen Anspruch an die Welt? Haben sie nicht ein Verhältnis zur Welt, das der des Künstlers sehr nahe kommt, indem sie ihr Leben völlig in Richtung Subjekt transzendieren und wenn das nicht klappt, zum Selbstmord greifen oder zum Unfall? Ich denke, diese Geschichte mit der Alterssubjektivität ist zu kurz gedacht. Sie schließt die Demenzkranken aus, die sich von der Welt zurückziehen und dabei alle FORMEN, alle Konzepte auflösen und sie schließt die Jungen aus, die sich – aus welchen Gründen auch immer – von der Welt zurückziehen. Ist die fortschreitende Digitalisierung unserer WElt nicht ein prima Hilfsmittel hierfür? Kann dies, was als Alterssubjektivität bei den großen Künstlern beschrieben wird, nicht auch am Anfang eines Lebens stehen, dessen Sozialisierung gar nicht in die Welt der Erscheinung geführt hat?

Ist es nicht naheliegend dass diese Subjektivität in ihrer Distanz zu der Welt zu einer FORM wird, die nur noch gelegentliches Verschmelzen mit der Erscheinung zuläßt und ansonsten die Welt in einer unbe FORM, einer Art Verwirrung beläßt

Sollten sich nicht alte und junge Menschen gerade darin austauschen, da dies große Konsequenzen insbesondere für den jungen Menschen hat?

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