Wirtschaftswissenschaftler: „Wenn‘ s der Markt bezahlt, dann bin ich es wert!“

08/08/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Den Wirtschaftswissenschaftlern brechen die Fundamente ihrer Theorien weg, das wurde schon vor einiger Zeit deutlich und es ist geradezu grotesk wie sich Erkenntnisse von Nobelpreisträgern in Luft aufloesen. Hier muss man wirklich die Frage stellen, was sie wert sind.

Meiner Meinung nach entspringt die Krise einer unbeschreiblichen Unbekümmertheit der Volkswirtschaftler.
Es ist gerade ihr Erfolg in dem Vierteljahrhundert zwischen 1982 und 2007 gewesen, der die Geldpolitiker und ihre akademischen Berater unvorsichtig werden ließ.

Sie ermunderten durch eine gewaltige Menge umlaufenden Geldes und Kredits, die Banken und andere Finanzmarktteilnehmer zu risikoreichen Geschäften. Daneben ist es mit der wissenschaftlichen Redlichkeit gerade bei den Wirtschaftswissenschaftlern nicht weit her.

Die ökonomische Orthodoxie prallte in den späten siebziger Jahren auf unlösbare Probleme. Es wurde klar, dass es kein wirkliches Modell gibt, der all die eher simplifizierten Strukturen rechtfertigen kann, auf die sie sich beziehen, um Märkte zu erklären. Einige erkannten, dass dies an die Fundamente ging, unter ihnen Alan Kirman in Frankreich und Werner Hildenbrand in Deutschland. Sie registrierten, dass die Vorstellung, es gebe eine gültige Theorie der ökonomischen Rationalität, auf die sich eine Mehrheit von Ökonomen in ihrer Arbeit berufen kann, in sich zusammengebrochen war.

Aber das drang nicht durch, die Mehrheit machte weiter wie bisher.

In der Folge fiel die ökonomische Erzählung auseinander. Es brachen ihr die Fundamente weg. Einzelrationalität, dieser Egoismus-Schmarrn, den die Ökonomen immer als Handlungsgrundlage anführen um die ordnende Hand des Marktes zu begruenden, wird dann mir nichts dir nichts als Rechtfertigung fuer die Boni einer Meredith Whitney hergenommen. Wenn’s der Markt bezahlt, dann bin ich es wert. Diesen neoliberalen Schmarrn kann man wirklich nicht mehr hoeren!

Die Finanzkrise, hätte man denken sollen, würde eine verunsicherte Wissenschaft weiter zersplittern und in unterschiedliche Schulen treiben. Nichts davon ist eingetreten. Die Wissenschaft hat sich noch stärker abgeschottet und verteidigt ihre alten Positionen. In Harvard gibt es berühmte Leute, die sagen: Wenn wir bezahlt werden, müssen unsere Ergebnisse auch richtig sein. Nun ja, die gleiche Logik, der gleiche Schmarrn wie oben.

Aber an Selbstbewusstsein mangelt es ihnen ja wirklich nicht.
Ich frage mich, warum der Stand der Ökonomen so unempfänglich für Kritik ist.
Wahrscheinlich deshalb, weil er so verflochten ist mit der Finanzbranche. Er ist ein Teil von ihr. Ökonomen bekommen nicht nur gelegentlich ein bisschen Geld, weil sie ein Gutachten verfasst haben, sie leben davon, denn sie sind die Vizepräsidenten von Pimco, die Chefökonomen von Moody’s,und sie geben das in ihren wissenschaftlichen Veröffentlichungen nie an.
Und dann kommen Aussagen wie: „Wenn wir bezahlt werden, muessen unsere Aussagen auch richtig sein! Grotesker geht es nicht! Und das wenigste, was von ihnen und dem Wissenschaftsbetrieb gesagt werden kann, ist: „Sie sind nicht redlich!“

Wir brauchen aber eine Theorie, die über eine Erzählung verfügt, in der Märkte als unreine und unvollkommene Informationsprozesse geschildert werden. Viele Märkte führen uns in die Irre, und einige Märkte existieren, um uns im Dunkeln zu lassen. Ökonomen können das nicht zugeben. Es geht um StoryTelling. Die Geschichten muessen aufgedeckt werden, die Oberhand gewonnen haben.
Aber niemand ist heute daran interessiert, eine solche Theorie auszuarbeiten, denn sie kann nicht ökonomisch angegangen werden. Der Markt hat nichts davon, wenn er mehr verstanden wird, wie er funktioniert. . Es geht sogar darum, uns selbst zu verstehen, z. b. was Märkte sind und welche Rolle wir darin spielen und auch wie ein gutes Leben aussieht. Nur mit solchen Erzählungen sind die Leute zu aktivieren.

Darum hat diese Occupy-Bewegung auch so schmerzlich enttäuscht, weil die jungen Leuten glaubten, dass es reicht auf die Strasse zu gehen und dann wuerden die Ideen schon von irgendwo hochsprudeln. Eine irrsinnig naive Ansicht.<

Aber meine alte Frage bleibt: "Wer macht aber dann diese ARBEIT?"
Die Regierung nicht, denn sie stiert auf die Wirtschaftsexperten, wie der Rechenfehler gezeigt hat:
https://kirkes.wordpress.com/2013/06/23/der-rechenfehler/

Advertisements

Tagged:, , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Wirtschaftswissenschaftler: „Wenn‘ s der Markt bezahlt, dann bin ich es wert!“ auf Kirke's Blog.

Meta