Syrien: das Spiel der Mächte in der Multipolaren Welt

04/09/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Und plötzlich liegt das Heft des Handelns in der Hand des russischen Aussenministers, лавровhttp://ru.wikipedia.org/wiki/Лавров,_Сергей_Викторович
der alles daran setzt, dass Syrien seine Chemiewaffen vernichtet.
Stehen bald russische und amerikanische Soldaten g e m e i n s a m in Syrien?
Friedensmacht Russland! Es ist doch unglaublich. Einen geschickteren Schachzug zur Wahrung seiner Interessen hätte er gar nicht machen können, das Schlitzohr Putin.
Putin beim G20-Gipfel in Sankt Petersburg. Der russische Präsident will einen US-Angriff auf Syrien verhindern.

Putin betonte, dass es keinen Zweifel am Einsatz von Giftgas in Syrien gebe. „Aber es gibt jeden Grund zu glauben, dass es nicht von den syrischen Streitkräften, sondern von den Oppositionskräften benutzt wurde, um eine Intervention zu provozieren.“

Putin nennt es zudem „alarmierend“, dass ein militärisches Eingreifen in interne Konflikte ausländischer Staaten für die USA zur Gewohnheit geworden sei. Millionen Menschen rund um die Welt sähen Amerika zunehmend „als einen Staat, der sich allein auf brutale Gewalt verlässt“.

Mehr Gesichtsverlust für die USA geht nicht!

Jetzt ist der Schlamassel da, jetzt hat er sich völlig blamiert der mächtigste Mann der westlichen Welt.
„Warum greift der Westen in Libyen ein und in Syrien nicht?“, so fragte ich mich schon lange
und wenn Menschlichkeit so eine hohe Priorität hat, warum hat er bei Ruanda zugeguckt und warum ist der millionenfache Abtreibungsmord an Mädchen in Indien nicht einmal eine Randnotiz wert?

Ist Völkermord n i c h t gleich Völkermord?
Geht der Mord an den kleinen Mädchen in Indien nicht auch gegen die „eigene“ Bevoelkerung?

Aber natürlich sind solche Fragen Blödsinn, denn es geht mal wieder um etwas ganz anderes.
WAS sind wohl die Hintergründe für das zähe Tauziehen im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zwischen Amerika und den westlichen Mächten einerseits, Russland und China andererseits?
Folgt man der Darstellung des Konflikts in weiten Teilen der westlichen Welt, dann scheint es sich lediglich um die Frage zu handeln, ob es gelingt, die syrische Bevölkerung von einem blutigen Diktator zu befreien. So einfach ist die Sache ganz sicher nicht!
Es geht vielmehr um den Einfluss in Nord- und Mittelasien, dem Kernstück („pivot area“) der Weltpolitik des 21. Jahrhunderts, in welchem sieben Achtel der Weltbevölkerung angesiedelt sind und indem sich auch der bei weitem größte Anteil der auf der Erde verfügbaren Rohstoffe befindet. Für künftige Herrscher der Welt ist dies das Herzstück der Macht.

Der unerbittliche, bis zum Ziel der bedingungslosen Kapitulation geführte Kampf Amerikas und Großbritanniens gegen die beiden das Herzland von Westen und Osten bedrohenden Achsenmächte Deutschland und Japan sind nur vor dem Hintergrund dieser geopolitischen Konzeption zu verstehen. Der Albtraum einer von Deutschland und Japan gemeinsam oder schlimmstenfalls sogar von Deutschland allein kontrollierten „pivot area“ im Herzen Eurasiens musste mit allen Mitteln verhindert werden. Hierin bestand das erste und wichtigste Kriegsziel Roosevelts und Churchills, dem alles andere untergeordnet wurde. Und es ging ja auch erstmals auf. Aber jetzt wird neu „verhandelt“

Die Amerikaner sahen sich bisher als unangefochtenen Hegemon und haben nach 1945 immer wieder gerade dort interveniert, wo es ihnen erforderlich schien, die eigene Machtstellung konsequent zu stärken. Nicht zuletzt der Ölreichtum und die auch strategisch entscheidend wichtige Lage der Region zwischen dem östlichen Mittelmeer und dem Arabischen Meer haben gerade dieses Gebiet zu einem Hauptaktionsfeld amerikanischer Außenpolitik werden lassen, bis hin zum letzten Irak-Krieg, zur Besetzung Afghanistans und zu den undurchsichtigen, völkerrechtlich jedenfalls in keiner Weise legitimierbaren Aktionen im nordöstlichen Pakistan.

Der aktuelle Konflikt um ein Eingreifen oder Nicht-Eingreifen in den syrischen Bürgerkrieg ist deshalb so brisant, weil sich in dieser Frage der Gegensatz zwischen zwei radikal unterschiedlichen geostrategischen und weltpolitischen Konzeptionen manifestiert. Den Amerikanern und der westlichen Seite geht es nicht oder nicht vorrangig darum, der bedauernswerten syrischen Bevölkerung zu helfen, sondern um Einflussnahme auf die Neugestaltung des Landes nach einem voraussichtlichen Sturz des derzeitigen Regimes.

Russen und Chinesen nahmen mit ihrem Veto im Weltsicherheitsrat die Herausforderung auf . Die russische Militärbasis am Mittelmeer, im syrischen Hafen Tartus gelegen, wollte vor allem Putin nicht aufs Spiel setzen, sie ist für die machtpolitische Stellung Moskaus im nahöstlich-vorderasiatischen Raum von großer Bedeutung.

Bisher haben sich Amerikaner schon häufiger über UN-Resolutionen hineggesetzt, wenn es ihnen zur Förderung ihrer eigenen Interessen notwendig erschien. Den unerklärten Krieg gegen den Irak, der zum Sturz des Regimes von Saddam Hussein führte, haben Moskau und Peking höchst widerwillig hinnehmen müssen – am Ende nur deshalb, weil sie es nicht wagen konnten, der zeitweilig einzigen hochgerüsteten Weltmacht entschiedener entgegenzutreten.

Heute hat sich das Blatt gewendet: Aufgrund schwerer hausgemachter wirtschaftlicher Probleme, die mit einem weit überdehnten außen- und militärpolitischen Engagement zusammenhängen, befinden sich die Vereinigten Staaten in einer deutlich geschwächten Position.

Insofern muss die Regierung in Washington das inzwischen dreimal hintereinander ausgesprochene Veto Pekings und Moskaus, mit der eine UN-Resolution gegen das syrische Regime verhindert wird, als ernste Warnung auffassen. Wie es scheint, sehen sich China und Russland in einem gemeinsamen Kondominat über den südasiatischen Raum, und ihr striktes Nein gegen ein Eingreifen der westlichen Mächte in Syrien kann sehr wohl im Sinne einer politisch-völkerrechtlichen Doktrin eines wenigstens angedeuteten Interventionsverbots für raumfremde Mächte, womit vor allem Amerika gemeint ist, gesehen werden.

Für die Regierung in Washington bedeutet das Zurückzucken deshalb machtpolitisch sehr viel!

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