Automatisierung der Arbeitswelt!

02/11/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Wir halten uns an Stanislaw Lem, sagt Frank Rieger, der zusammen mit Constanze Rieger ein Buch über Automatisierung schrieb. Arbeiten, die von Maschinen getan werden können, sollten von Maschinen erledigt werden.
Viele Berufe wurden im 20igsten Jahrhundert automatisiert, denen man heute nicht nachtrauern muss, die zumindest hierzulande auch nicht mehr akzeptiert würden. Es geht nicht um Ablehnung der neuen Technik, es geht darum den Wandel zu gestalten.

Der ehemalige Wirtschaftsminister Michael Glos, der gerade mit 68 Jahren aus dem Bundestag ausschied, war Müllermeister. Als er jung war, brauchte man für tausend Tonnen Getreide am Tag noch 400 Müller. Das ist eine Arbeitergeneration her.
Um heute tausend Tonnen Getreide am Tag zu mahlen, braucht man 5 Müller.Die sitzen in einer Steuerzentrale und arbeiten in vier Schichten. Es sind dort allerdings noch mehr Leute beschäftigt, die sich um Qualitätssicherung kümmern und bemerkenswert viel forschen!

Die Vorstellung, dass etwas nur Menschen könnten, ist sehr verbreitet. Wir halten uns für individuell und unersetzbar. Das ist ein Trugschluß. Die Einsicht darin, wie sehr Arbeitsprozesse heute von Effizienzanforderungen getrieben werden, fällt schwer. Die meisten Menschen ignorieren die ökonomischen Zusammenhänge der Dinge, mit denen sie zu tun haben.

Das ist noch deutlicher bei geistiger Arbeit, in denen Kreativität, Individualität und Improvisationstalent zählen. Es gibt jedoch einen klaren Zusammenhang. Je besser der Mensch, der einen Job ausfüllt, ausgemessen werden kann, desto eher kann die Tätigkeit automatisiert werden. Umso mehr wird der Mensch zum Cyborg!

Das Wachstum der Prozessor- und Speicherleistung fällt zusammen mit einem Preisverfall für Sensoren und Software. Es geht dabei um nichts weniger als <<strong den kompletten Umbau der Art und Weise, wie eine Fabrik funktioniert.

In der vergangenen Legislaturperiode gab es einen Gesetzesentwurf, der kaum den wirklichen Problemen an den Arbeitsplätzen gerecht wurde und der viel stärker die Interessen der Unternehmer, als die der Beschäftigen berücksichtigte.

Er war letztlich erfolglos. Deswegen werden wir in dieser Legislaturperiode über einen neuen und modernen Beschäftigtendatenschutz reden müssen. Es geht dabei nicht nur um Videoüberwachung, sondern um die Messung jeglicher Leistung am Arbeitsplatz. Momentan dient die Überwachung am Arbeitsplatz neben dem Schutz der Arbeiter insbesondere dazu, Mitarbeiter vergleichbar und folglich auch austauschbar zu machen. Man kann durchaus Lösungen finden, in denen die Maschine den Menschen erkennt und auf ihn reagiert, ohne das er dafür durchleuchtet werden muss.

Es hat ja Sinn, Arbeiter danach einzusetzen welche Fähigkeiten und Fertigkeiten sie zeigen. Die neue „Industrie 4.0“ läuft drauf hinaus, dass in der Fabrik Arbeiter sind, die verschiedene Tätigkeiten ausführen. Je mehr man darüber weiß, was der einzelne kann, desto flexibler ist er einsetzbar. Arbeitsplätze können dadurch vielseitiger und vielfältiger gestaltet werden, dem Arbeiter kann mehr Verantwortung übergeben werden.

Die wirklichen Knackpunkte des Beschäftigtendatenschutzes werden sich weniger in der Produktion, als bei der geistigen Arbeit ergeben. Darüber streiten schon heute Betriebsräte. Wer mit einem Computer arbeitet, kann sich gegen diese Erfassung kaum wehren.

Man muss denjenigen, der dem Roboter zuarbeitet, individuell messen. „Kiva“ wirbt heute damit, dass sie Mitarbeiter zu 99 Prozent auslasten können. Der Begriff Vollbeschäftigung wird eine gänzlich neue Bedeutung bekommen. Die Unternehmen lasten ihre Mitarbeiter individuell aus.

Jedes fünfzehnminütige Pausieren, jedes kurze Durchatmen kann heute registriert werden. Die unregelmäßigen Pausen fallen bei der Zuarbeit für Roboter gänzlich weg. Damit Maschinen, Software oder Roboter, agieren können, brauchen sie ein Modell, in dem sie sich bewegen. Sei es die Steuerung eines Kraftwerks, das die Stadt kennen muss, die es versorgt; sei es die Buchhaltungssoftware, die das Unternehmen kennen muss, für das sie eingesetzt wird – die Maschinen geben das Weltbild vor. Für Unternehmen ist es einfacher, ihre Struktur anzupassen, als die Software zu modifizieren.

    Wohin wollen wir mit diesen Optimierungen und Effizienzsteigerungen?

Momentan dient die Automatisierung nur dem Profitstreben.

In Unternehmen entscheiden wenige Chefs für viele Mitarbeiter über diese Ziele. Es geben zwar Menschen die Ziele vor.

    Es ist das Effizienzdenken, das uns gefangen nimmt.
  • Die Maschinen setzen dann unser Profitstreben und unsere Effizienzlogik um.
  • Nicht die Maschine, der Roboter oder die Software, ist die Nemesis, sondern der nach Profit strebende Mensch.

    Es gibt Regulierungsmechanismen, über die wir diskutieren müssen. Die Frage ist, ob die betrieblichn auch unsere gesellschaftlichen Optimierungsziele sind.

    Auf einem endlichen Planeten, auf dem Wachstum schon aus Ressourcenmangel nicht unendlich sein wird, stellen sich andere Fragen, als in Unternehmen. Viele Menschen werden bald an dem Spiel nicht mehr teilnehmen können, schon weil ihnen das Einkommen fehlt.

    Das politische Denken ist nicht arm an Ideen für Maßnahmen der Regulierung. Das Industriezeitalter hat Betriebsräte und Gewerkschaften hervorgebracht. Das sind Errungenschaften, die mühsam erkämpft wurden.

    Heute müssen wir den Fokus auf die Gestaltung der Arbeitsumgebungen legen. Da haben auch Betriebsräte einiges mitzureden, was sie auch tun, obwohl sie mit der Vermessung der geistigen Arbeit derzeit wirklich überfordert sind.

    Das andere Problem ist der Verlust an Arbeitsplätzen durch Automatisierung. Die Frage nach der Finanzierung des Allgemeinwesens stellt sich heute neu. Die Lösung könnte eine Automatisierungsdividende sein.

    Diese Fragen haben sich auch früher gestellt. Es gab andere Technologiewellen und andere Automatisierungsdividenden. Das Problem ist heute, dass wir weniger Zeit haben.

    Es geht um die Gesamtheit der Vorteile am Unternehmensgewinn durch Automatisierung. Es sind die Unternnehmensgewinne und -umsätze die steigen. Da muss man ansetzen.

    Die Geschwindigkeit des Gesetzgebers und die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts unterscheiden sich zu sehr um jede einzelne Entwicklung zu erfassen. Wir werden aber beispielsweise über Algorithmentransparenz reden müssen. Mit der Frage, welche Daten erhoben werden und wie sie verarbeitet werden, kann nicht länger so umgegangen werden wie heute.

    Bislang sind viele Versuche des politischen Umgangs mit der Digitalisierung gescheitert. Das ist am Beispiel des „social web“ gut sichtbar.

    Wir sind nicht gescheitert, die gesellschaftliche Anpassung dauert nur eine Weile. Die Gesellschaft ist langsam, was vielleicht auch gut ist. Wenn man von vornherein den technischen Fortschritt zu Tode regulieren würde, würde man ihn verpassen.

    Bis zum regulierten Straßenverkehr hat es auch gedauert. Das Ziel ist nicht, Innovationen zu verhindern, sondern sinnvoll mit ihnen umzugehen. Wir haben jetzt aber einen Punkt erreicht, an dem Entscheidungen notwendig sind, allein wegen der These, dass wir auf Technologiewellen zulaufen, die zu unseren derzeitigen Sozial- und Bildungssystemen nicht mehr passen.

    Zwei der negativen Auswirkungen sind,

      das der Staat auf Löhne weit mehr zugreift als auf Unternehmensgewinne und dass die Wissenschaft heute überwiegend in Unternehmen stattfindet.

    Der Staat finanziert sich überwiegend aus Steuern auf Arbeit und Konsum. Es gibt immer weniger Geld für öffentliche Forschung. Wir haben gesehen, wie weit die Industrieforscher sind. Sie waren ihren Kollegen von den Universitäten weit voraus. Das ist eine Fehlentwicklung, die man korrigieren muss. An diesem Punkt müsste die Politik allerdings gegen massive Unternehmensinteressen arbeiten.

      Die Menschen in der Automatisierungsindustrie sind große Unterstützer des Mindestlohns. Mit ihm werden sie ihre Maschinen im unteren Preissegment besser verkaufen können, weil sie nicht mehr mit niedrigen Löhnen konkurrieren müssen.In der politischen Mindestlohndebatte spielt dieser Aspekt kaum eine Rolle. Er stellt aber nicht nur die Politik vor neue Fragen, sondern auch die Ökonomie.

    Der Wettstreit der Ideen stellt sich erst allmählich auf die neuen Paradigmen um. In der Industrie gibt es wenig Hemmungen darüber nachzudenken, Lohnsteuern runterzufahren oder ganz abzuschaffen und stattdessen Umsatz und Gewinn zu besteuern. Das passt auch zu der Idee, Steuerschlupflöcher zu schließen. Letztlich sollte es darum gehen, eine Debatte zu führen, in der die Automatisierung der Arbeit und der Arbeitsplatzverlust nicht mehr als Teufelszeug und Einzelschicksal behandelt wird, sondern positiv gesehen wird.

    Man muss verhindern, dass es eine Gegenbewegung gibt. Roboter und Software sind keine Bedrohung, sie bieten vor allem Chancen. Eine davon betrifft die alternde Gesellschaft. Sie beschreiben, wie heute ältere Arbeiter mit Hilfe von Robotern fast selbständig fahrende Autos für ältere Fahrer bauen.

    Dieser Zusammenhang zwischen der Automatisierung der Arbeitswelt und der Demografie ist sehr deutlich. Es gibt Ökonomen, die für Deutschland sagen, dass die Verkleinerung des Erwerbspersonenpotenzials und die Automatisierung der Arbeitswelt ganz gut zusammenpasst.

    Die Veränderungen sind schnell und in einigen Branchen sehr drastisch. Ein weiteres Problem ist natürlich, dass jemand die Rente bezahlen muss. Die Aufteilung der Arbeit auf mehrere Köpfe wird nicht gelingen.

    Das hat damit zu tun, dass Tätigkeiten, die jetzt wichtig und hochbezahlt sind, mit speziellen Talenten zu tun haben. Das sieht man am ehesten bei den Programmierern, die Produktivität schwankt hier tatsächlich im Bereich eins zu hundert. Vor solch einem Hintergrund kann man mit einem Arbeitszeitmodell nicht arbeiten. Die repetitive, relativ einfache Tätigkeiten, die sich für Arbeitszeitmodelle eignen, übernehmen Maschinen.

    Das ist ein Thema, dass noch wissenschaftlich und kontrovers diskutiert werden muss.

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