Kapitalismus ist institualisierte Verschwendungssucht!

15/12/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Glühbirnen könnten ewig leben. Im amerikanischen Dorf Livermore brennt seit 1901 ununterbrochen eine Birne. 1924 wurde die Lebensdauer der Glühdrähte aber auf Betreiben der Industrie künstlich begrenzt.

Der Kapitalismus hat ein Interesse daran, dass die Dinge ein vorzeitiges Ende nehmen. Das ist der Ansatzpunkt für Harald Welzers Kapitalismuskritik: die institutionalisierte Verschwendungssucht .

Wenn eine expansive Wirtschaftsform auf begrenzte Ressourcen trifft, ist der Konflikt programmiert, sagt er.

Der von der glänzenden Benutzeroberfläche verführte Kunde sieht die Wertschöpfungsprozesse nicht, die hinter den Produkten stecken, das Leid der Arbeiter von Bangladesh bis Bad Hersfeld, die öden Arbeitsroutinen, das der Erde entrissene Material.

Seit Marx nennt man das Warenfetischismus. Neu ist, so Welzer, dass auch das Wissen nur noch als Endprodukt und nicht in Genese und Erwerb erscheint. Die auf Wachstum gepolte Wirtschaft zielt immer mehr auf eine Belagerung des Denkens.

Welzer führt seinen Kampf in der Hauptsache gegen traditionelle Gegner, das selbstzufriedene Konsumenten-Ego, das seine Kaufentscheidungen für die eigene Wahl hält, die perfide Hässlichkeit der Gewerbegebiete, den Flächenwuchs der Flachbildschirme.

Man verschlingt die Oper wie den Burger. Die Kehrseite des Wachstums ist die innere Ruhelosigkeit, das Gefühl, nie an ein Ende zu kommen. Nicht einmal der Konsum macht noch richtig Spaß, wenn so wenig Zeit dazu bleibt.

Sein Rezept: Verzicht und alternative Wirtschaftsformen. Ohne Wohlstandseinbußen werden Umwelt und Wirtschaft keine Partner. Bequemlichkeit ist der Feind.

Aber er sagt auch, dass dieser Verzicht nicht schlimm ist, denn in ihm liegt auch Befreiung. Braucht man wirklich eine Bohrmaschine, wenn man sie nur dreizehn Minuten im Jahr benutzt? Welzer sieht überall Alternativen heranwachsen: Gemeinwohlökonomien, Genossenschaften in Solar- und Wohnungsprojekten, Leute, die Gegenstände umnutzen, reparieren, teilen, die das Wohnzimmer ihrer Nachbarn renovieren, um dafür die eigene Homepage eingerichtet zu bekommen, Recyclingbörsen, Crowd-Funding und Open-Source-Projekte.

Leider ist seine Argumentation aber nur narrativ und nicht systematisch. Lose ins Feld geworfene Schlagworte wie Konsumverzicht, Arbeitszeitverkürzung und bedingungsloses Grundeinkommen sind keine Anleitung zum Systemwechsel, maximal die Vorstufe durch mentale Befreiungsschläge.

Ohne die Bestätigung in Milieus und den Halt von Strukturen werden aber wenige auf Dauer zum besseren Leben bereit sein. Oft ist es nicht fehlende Einsicht, sondern der Wunsch nach sozialer Teilhabe, der Gewissen und Tun nicht zur Deckung kommen lässt. In unserer demokratisierten Welt muß alles emotional bewirtschaftet werden.

Advertisements

Tagged:,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Kapitalismus ist institualisierte Verschwendungssucht! auf Kirke's Blog.

Meta