Öl-Markt und ходорковскии

21/12/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Die russische Börse reagierte Weihnachten 2013 nur unwesentlich auf die Entscheidung von Kreml-Chef Wladimir Putin, seinen Langzeitrivalen und Ex-Öltycoon Michail Chodorkowski nun doch wider Erwarten zu begnadigen. Auch die russische Bevölkerung nimmt die Freilassung nicht so begeistert auf wie der Westen.
Ist es doch eher die STÄRKE von Putin, die die Freilassung ermöglicht hat.

Börsianer erklären dies damit, dass der Schritt nur taktischer Natur war und zur Imagepflege vor den Olympischen Winterspielen in Sotschi dienen sollte: Worauf die Analysten seltsamerweise nicht dezidiert hinwiesen, ist der Umstand, dass die Freilassung des einst reichsten und ambitioniertesten Russen keine Auswirkungen mehr auf den in Russland und demnach auch an der russischen Börse hyperdominanten Rohstoff- beziehungsweise Ölsektor hat.

Das Gros der Vermögenswerte befindet sich wieder in Staatshand</em>, insbesondere in den Händen des staatlichen Branchenprimus Rosneft.

Selbst wenn Chodorkowski, bis 2003 Chef des damals größten Ölkonzerns Yukos, heute noch Ambitionen hätte: Er hätte keine Chance mehr. Das ist wohl auch ihm klar. Vielleicht bleibt er ja in Deutschland, denn:

Eine Epoche ist zum Abschluss gebracht.

Die Epoche, in der der russische Ölsektor von Grund auf neu strukturiert wurde. Sie begann 2003 und fand ihren vorläufigen Höhepunkt 2013.

Als Symbol für diese Ära stehen zwei Namen: der Verlierer Michail Chodorkowski und der Aufsteiger Rosneft.

Zwei Denkschulen waren kollidiert:

Hier der liberale Privatunternehmer Chodorkowski, der trotz seiner zweifelhaften Machenschaften in den 90er-Jahren später als Pionier einer neuen Corporate Governance und Transparenz galt.

Dort der Staatskonzern Rosneft, geleitet von Putins frühen Weggefährten, die sich als dirigistische Hardliner einen Namen machen sollten.

Es begann im Jahr 2003: Der russische Ölsektor war seit dem Ende der sowjetischen Planwirtschaft längst in miteinander konkurrierende Betriebe aufgedröselt und hatte entsprechend zu florieren begonnen.

Das stieg auch Chodorkowski zu Kopf, weshalb er die Zeichen der Zeit, dass die Oligarchie alten Stils zu Ende ist und Putin mit einigen seiner Leute zumindest politisch allein das Sagen hat, nicht mehr richtig zu deuten wusste.

Dies, obwohl er von anderen Oligarchen, die Putins neue Regeln verstanden hatten, durchaus gewarnt worden war. Mit seiner finanziellen Macht versuchte Chodorkowski, eine höhere Besteuerung des Ölsektors zu torpedieren, und erlaubte sich Putin gegenüber sogar den Hinweis, dass dessen Umgebung korrupt und der Staatschef selbst nicht ausreichend kompetent in wirtschaftlichen und außenpolitischen Fragen sei.

Kurze Zeit später, im Herbst 2003, wurde er verhaftet. Und alsbald begann die Filetierung seines Konzerns Yukos. Ob die Börsen damals schon ahnten, in welche Richtung es mit dem gesamten Sektor gehen würde, ist schwer zu sagen. Die Volatilität rund um die Yukos-Papiere war sagenhaft und hielt das gesamte russische Börsengeschehen über Monate in Atem.

Als Mastermind hinter der Zerschlagung von Yukos galt Igor Setschin, Kopf der Hardliner-Fraktion rund um Putin und heute Chef von Rosneft. Mit juristischen Spitzfindigkeiten wurde Chodorkowski von Generalstaatsanwalt Wladimir Ustinow in die Knie gezwungen. Ustinows Sohn ist mit Setschins Tochter verheiratet.

Am Ende ging der Großteil seines Konzerns, vor allem das Herzstück Yuganskneftegaz, an das Unternehmen Rosneft. Dieses war bis zu diesem Zeitpunkt ein No-Name auf dem Sektor und musste sich das Geld für die Akquisition aus China borgen. Die Verurteilung Chodorkowskis und die Zerschlagung des Yukos-Konzerns waren auch insofern folgenschwer, als sie die Justiz und die verbeamteten Aufsteiger aus den Geheimdiensten entfesselte und die traditionellerweise ohnehin diskreditierten Unternehmer endgültig zum Freiwild machte.

Fortan galt Rosneft als Primus inter Pares. Zwar wurden mehrere private Ölkonzerne am Leben gelassen. Aber Rosnefts Einfluss stieg. Weitere Akquisitionen folgten. Schließlich schluckte der Staatskonzern in diesem Jahr – übrigens abermals mit Geldern aus China – das landesweit drittgrößte und bis dahin gänzlich private Ölunternehmen TNK-BP, womit der weltweit größte Ölkonzern entstand. Im Grunde genommen ist Rosneft heute das Pendant des staatlichen Gaskonzerns Gazprom auf dem Ölsektor geworden.

Chodorkowski wird hier nicht mehr mitspielen. Die Börsianer wissen das schon lange. Und ersparten sich gestern ein Feuerwerk, nachdem sie vor zehn Jahren in eine schwere Depression gefallen waren.

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