„Prioritäten setzen“ und schon ist es aus mit dem SUBJEKT

06/01/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Mark Zuckerberg brauchte dringend Hilfe. Der Börsengang von Facebook im Mai 2012 hatte sich als großes Chaos erwiesen.
Die Website, die er auf seiner Studentenbude gebastelt hatte, hatte er zwar in ein Unternehmen verwandelt, das mit 100 Milliarden Dollar bewertet wurde. Doch jetzt lastete ein nie gekannter Druck auf dem jungen Chief Executive. Er musste beweisen, dass er in der Lage war, Unmengen an Werbeanzeigen auf Smartphones zu verkaufen.

Also schnappte er sich ein paar Wochen später seinen Freund Andrew „Boz“ Bosworth und spazierte mit ihm über die Wiesen auf dem Firmengelände von Facebook im kalifornischen Menlo Park. Bosworth arbeitet als Spitzeningenieur bei dem sozialen Netzwerk und hatte Zuckerberg an der Harvard University bereits als wissenschaftliche Hilfskraft unter die Arme gegriffen. Es wurde ein langer Spaziergang.

„Wäre es nicht lustig, in sechs Monaten ein Milliardengeschäft auf die Beine zu stellen?“, fragte Zuckerberg. Er trug Bosworth einen neuen Job an: Er sollte an vorderster Front mithelfen, das wackelige Geschäft der Firma mit mobilen Werbeanzeigen auszubauen, das zum damaligen Zeitpunkt so gut wie nichts abwarf. Und außerdem sollte er alle möglichen Wege erkunden, wie Facebook Geld scheffeln könnte.

Bosworth zierte sich. Er konnte sich nicht vorstellen, dass die Sache mit den Anzeigen sonderlich viel Spaß machen würde. Aber sein Boss blieb hartnäckig. Der Ingenieur gab schließlich nach und machte sich daran, eine Tabelle zu erstellen. Diese Aufstellung, die bald rund achtzig Seiten lang war, mutierte letztlich zur Programmschrift eines internen Projekts, dem Zuckerberg die Überschrift „Prioritäten setzen“ verpasst hatte.

Zuckerberg hat -widerwillig- gelernt, sich mit der Business – Realität anzufreunden oder doch zumindest zu akzeptieren, dass er jetzt die Verantwortung für eine Firma trägt, die sich grob als prominenteste Werbeagentur der Welt umschreiben ließe. Und war voll im Dilemma. Noch kurz vor dem anstehenden Börsengang teilte er möglichen Investoren in einem Brief mit, dass „Facebook eigentlich nicht gegründet wurde, damit daraus einmal eine Firma wird“. Nun mußte Zuckerberg einen inneren Quantensprung machen.

Dass sich Zuckerberg bei seinen Vorhaben immer stärker darauf konzentrierte, was unterm Strich dabei herauskommen würde, ist Teil des grundlegenden Wandels, den der 29-jährige, oft eigensinnige, idealistische Boss durchlaufen hat. Eine Firma mit 5000 Mitarbeitern zu führen, da ist man voll in der Businesswelt angelangt.

Zuckerberg ließ sich also trotz Widerstreben 2012 auf die Idee ein, auf dem Facebook-Herzstück „Newsfeed“ mehr Werbeanzeigen zu verkaufen. In diesem Hauptbereich der Website, der das Zentrum des Bildschirms ausfüllt, tummeln sich die 1,2 Milliarden Nutzer des sozialen Netzwerks am längsten. Dort werden die Nachrichten und Geschichten anderer Facebook-Freunde und die Websites, denen sie folgen, ständig auf den neuesten Stand gebracht.

Danach und stärker auf die Werbung setzte, bissen plötzlich Unternehmensriesen wie McDonald’s und Wal-Mart an. Er hatte eine neue Einnahmequelle angezapft. Die Einnahmen der Firma 2013 dürften gegenüber dem Vorjahr einen Sprung um mehr als 40 Prozent hingelegt haben. Rund drei Milliarden Dollar davon – oder über ein Drittel des Gesamtbetrags – gehen dabei auf den Bereich für mobile Werbung zurück!

Er ist k e i n Subjekt im eigentlichen Sinne mehr, aber in Business-Kategorien hat er alles richtig gemacht.

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