Taranis und die westlichen Werte

09/04/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Seit 2011 sind die sogenannten Signature Strikes der Vereinigten Staaten, ferngesteuerte Exekutionen per Drohne bekannt. Betroffen sind Personen und Gruppen, die nicht verurteilt oder auch nur angeklagt wurden. Oft genug trifft es zufällig Danebenstehende. Der republikanische Senator Lindsey Graham, der der Übertreibung um des Friedens willen unverdächtig ist, sprach Anfang 2013 von bis dahin 4700 Drohnentoten.

Die Drohne „Taranis“ des britischen Rüstungsunternehmens BAE Systems – Großlieferant der amerikanischen Regierung – wurde im Februar 2014 vorgestellt. Gesteuert wird sie durch ein „fully autonomous intelligent system“: Die Drohne kann damit autonom identifizieren, wen sie wo und wann tötet.

Laut BAE muss stets der Mensch einen Angriff prüfen und genehmigen, technisch zwingend wäre es mit Taranis nicht mehr.

Die maschinelle Entscheidung, wer zu töten sei, folgt einem neuen Paradigma der Datenverarbeitung namens „Patterns of Life Analysis“.

Im Fall der Drohnenmorde werden z. b. anhand der SIM-Karten in Mobiltelefonen Profile angelegt und per Überwachung angereichert, hauptsächlich mit den sogenannten Metadaten. Die Abkürzung ABI (activity-based intelligence) steht dafür, dass jede ausspionierte Aktivität in die Berechnung einfließt:
SMS an besondere Adressaten,
die Anwesenheit des Handys am falschen Ort zur falschen Zeit,
Anrufe bei einer bestimmten Nummer.

Ergibt sich nach den Patterns of Life eine Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei diesem Profil um einen Terroristen handeln könnte, hat der Betreffende verloren!
Tatsachlich wurde nur ein willkürlich gesetzter Wert überschritten was dazu führt, dass die Person zum Profil nun nicht mehr als wahrscheinlicher Terrorist, sondern t a t s ä c h l i c h als Terrorist betrachtet wird. Das kann ihr Todesurteil sein: An diesem Punkt schlagen die Patterns of Life um in die Patterns of Death!

Das passiert schon heute, wie das „Wall Street Journal“ enthüllte. Nach willkürlichen Kriterien berechnete Wahrscheinlichkeiten werden als Realität angesehen und danach wird gehandelt. Und das in einem RECHTSSTAAT. Das ist ein glasklarer Mord!

Was bleibt hier noch das Demokratieverständnis mit der Unschuldsvermutung bis zum BEWEIS des Gegenteils und wo bleibt Gödel? Wer zeigt, dass dieser Algorithmus, diese maschinell produzierte Gewissheit „korrekt“ ist?

Hier wir die Macht entpolitisiert und die Verantwortung virtualisiert.

Sind das die vielgepriesenen westlichen Werte?


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