Nimmt Obama sich etwa Reagon als Vorbild?

15/10/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Irgendwie erinnert das alles an die 80iger Jahre, als Reagon den russischen Haushalt mit tiefen Ölpreisen in die Knie zwang. Moderne Kriege sind wirklich Wirtschaftskriege!

http://de.ria.ru/opinion/20110818/260147463.html

(Artikel unten aus WSJ)

Die Ölpreise sind in diesen Tagen so stark gefallen wie seit zwei Jahren nicht mehr. Eine Rohölschwemme, vor allem aus den USA, trifft auf eine schwache globale Nachfrage. Und die Folgen für die Welt sind komplex: Während der Preisverfall die Stabilität einiger Länder bedroht, wird er für andere zum wirtschaftlichen Rettungsring.

Mit dem neuesten Preisrutsch um 4,5 Prozent auf 81,84 US-Dollar je Fass hat sich die US-Leichtölsorte WTI an der Mercantile Exchange in New York seit Juni um 20 Prozent verbilligt. Der Schlusskurs vom Dienstag war der niedrigste seit Juni 2012, aber einige Analysten glauben, dass der Preis noch um bis zu 10 Dollar je Fass zusätzlich sinken könnte.

Die Auslöser des Kurssturzes vom Dienstag sind dieselben, die den Ölpreis schon seit vier Monaten auf Talfahrt schicken und die Länder von Russland über den Iran bis Venezuela belastet: Die weltweite Nachfrage stagniert, und die Internationale Energieagentur kürzte am Dienstag ihre Wachstumsprognose für die Ölnachfrage auf den niedrigsten Wert seit fünf Jahren. Gleichzeitig aber bleibt die Fördermenge hoch.

Die neuartige Technologie des hydraulischen Frackings in den USA hat einen Strom an frischem Rohöl freigesetzt, der sich nun über den Markt ergießt. Die in den USA produzierte Ölmenge dürfte sich in diesem Jahr noch weiter erhöhen, sagt Ed Morse voraus, der globale Leiter der Rohstoffmarktforschung bei der Citigroup. Nächstes Jahr könnte das Wachstum wegen der niedrigeren Rohölpreise jedoch schwächer ausfallen.

Trotz des steilen Preisverfalls war die Organisation der ölexportierenden Staaten, Opec, bisher nicht zu einer Drosselung ihrer Produktionsmenge bereit. Ihre Mitgliedstaaten machen etwa ein Drittel des weltweiten Ölangebots aus.

Saudi-Arabien konzentriert sich darauf, seinen Marktanteil zu halten – auch wenn das Land dafür niedrigere Preise hinnehmen muss. Diese Haltung ist nicht unumstritten, zeigt ein am Dienstag veröffentlichter und selten deutlicher Brief des saudischen Prinzen al-Walid bin Talal an den Ölminister des Landes. Der Iran wiederum ließ am Dienstag durchblicken, dass er niedrigere Preise akzeptiere.

Die Folge: Der Durchschnittsamerikaner zahlt laut der Preis-App Gasbuddy.com an der Tankstelle inzwischen fast 15 Prozent weniger für Benzin als noch Ende Juni. Und Analysten rechnen mit weiter sinkenden Preisen, die der Kaufkraft zugute kommen dürften. Mit jedem Cent, den sich Benzin in den USA verbilligt, sinken die jährlichen Energieausgaben der Amerikaner um 1 Milliarde Dollar, hat Brett Ryan berechnet, ein Volkswirt der Deutschen Bank.

„Das ist wie eine Steuersenkung, die Verbraucher nutzen können, um öfters aus essen zu gehen, um mehr Waren zu kaufen oder um für ein neues Haus zu sparen“, sagt Ryan. Diese Ersparnis liefere zwar keinen „riesigen Schub“ für das Bruttoinlandsprodukt, aber sie wirke „positiv auf US-Konzerne“, die Waren und Dienstleistungen anbieten, sagt der Analyst.

Laut Tom Kloza, Chef-Ölanalyst bei Gasbuddy.com, spart eine typische amerikanische Familie seit Beginn des Preisrutsches im Juni jeden Monat 50 Dollar.

Die Nordsee-Ölsorte Brent, der globale Gradmesser am Ölmarkt, verbilligte sich am Dienstag um 4,3 Prozent auf 85,04 Dollar je Barrel. Das ist fast ein Vier-Jahres-Tief. Für Brentöl war es der heftigste prozentuale Tages-Preissturz seit September 2011.

Andere Volkswirte warnen jedoch, dass der Gesamteffekt auf die US-Wirtschaft negativ ausfallen könnte – schließlich ist die jüngste Abkühlung des weltweiten Wachstums einer der wichtigsten Gründe für die taumelnden Ölpreise. Das gleiche gilt weitestgehend auch für Europa.

„Wenn wir keine Märkte haben, an die wir unsere Exporte verkaufen können, wird das die Gesamtwirtschaft herunterziehen, selbst wenn Verbraucher nach Abzug der Benzinausgaben ein wenig Extrageld zum Ausgeben haben“, sagt James Hamilton, ein Volkswirt an der University of California in San Diego.

Die möglichen wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen variieren weltweit. Venezuela, ein großer Ölexporteur und ein Opec-Mitglied, könnte nach Ansicht einiger Analysten wegen der drastisch niedrigeren Rohölpreise in eine politische Krise schlittern. Venezuelas Versorgung mit Lebensmitteln, Autos und anderen Gütern hängt stark vom Import ab. Aber es gibt immer weniger harte Devisen im Land, um diese Waren zu bezahlen.

Umgekehrt könnten niedrigere Ölpreise Ländern wie Japan, Südkorea und Taiwan, die allesamt stark von Energieimporten abhängigen, einen wirtschaftlichen Schub geben. Dieser wäre selbst dann spürbar, wenn der Preisverfall am Ölmarkt jäh abreißen würde.

Bis vor Kurzem waren die Rohölpreise trotz des anschwellenden Ölangebots noch hoch. Das lag daran, dass Kriege und Unruhen in Teilen der Welt den Ölmarkt störten. Jetzt aber „gibt es eine Fülle an geopolitischen Risiken, aber es gibt eine noch größere Fülle an Öl“, sagt Daniel Yergin, Vize-Vorsitzender der Marktforschung IHS.

Die Wurzeln des aktuellen Angebotsschock reichen etwas mehr als ein Jahrzehnt zurück. Damals wendeten US-Unternehmen im Norden von Texas erstmals horizontale Bohrtechniken im Bergbau an und kombinierten sie mit der Technologie des hydraulischen Frackings. Plötzlich war das bis dahin Undenkbare möglich: Öl und Gas ließ sich aus Gesteinsschichten pressen.

Seit 2004 hat die amerikanische Ölproduktion um 56 Prozent zugenommen. Das entspricht 3,1 Millionen Barrel Öl am Tag, die zusätzlich zur traditionellen US-Förderung an Standorten wie Oklahoma oder dem Golf von Mexiko auf den Markt geschwemmt werden. Vergangene Woche erst sagte Rex Tillerson, der Chef von Exxon Mobil, in Nordamerika habe eine „neue Ära der Energiefülle“ begonnen. Die Nachfrage der USA nach Benzin und anderen Treibstoffen ist zugleich seit 2004 um 8 Prozent gesunken.

Sollten die Preise weiter niedrig bleiben, könnten die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Opec zunehmen. Einige Mitgliedsländer könnten mehr Öl fördern wollen, um ihre Staatskasse zu füllen. Venezuela etwa braucht laut einem Analysebericht der Deutschen Bank Ölpreise von deutlich mehr als 120 Dollar je Barrel, um einen ausgeglichenen Haushalt zu schaffen. Angolas Staatshaushalt basiert auf einem Ölpreis von 98 Dollar je Barrel.

Während die USA ihre Erdöleinfuhren zurückgefahren haben, hat sich die Abhängigkeit Chinas von ausländischem Öl stetig ausgeweitet. Im kommenden Jahr werden laut offiziellen Schätzungen mehr als 61 Prozent des Erdöls, das in China verbraucht wird, aus dem Import stammen.

Der weltweite Ölpreisrückgang erfolgt zeitgleich zu einer Abkühlung des Wirtschaftswachstums in China. Eine große Zahl von Volkswirten geht davon aus, dass das Land sein selbst gestecktes Wachstumsziel von 7,5 Prozent in diesem Jahr möglicherweise nicht einhalten kann. Niedrige Ölpreise könnten sich allerdings positiv auswirken: Sie könnten die Produktionskosten in einer ganzen Reihe von Industriesektoren senken und die Inflation im Land im Zaum halten. „Niedrigere Ölpreise fungieren als Entspannungsmechanismus für die chinesische Wirtschaft, während sich die Konjunktur im Land abschwächt”, meint Wei Yao, Volkswirtin bei der Société Générale CIB. „Für die chinesischen Politiker ist das eine Erleichterung.”

Auch in Indien begrüßen Politiker und Notenbanker den Preiseinbruch am Ölmarkt – schließlich verringern sich mit ihm die enormen staatlichen Kraftstoffsubventionen und der Inflationsdruck. Das Land importiert rund 75 Prozent seiner Energie. Die Kraftstoffpreise sind mittlerweile so stark gesunken, dass staatliche Tankstellen pro verkauftem Liter Diesel keine Verluste mehr erleiden.

In Venezuela dürfte der Ölpreisverfall jedoch für zusätzliche Belastungen sorgen. Die Regierung von Staatspräsident Nicolás Maduro kämpft mit einer kollabierenden Landeswährung und Versorgungsengpässen, die von Babywindeln über Toilettenpapier und Arzneimittel bis hin zu Autoteilen reichen. Schon vorher hatten ungezügelte Staatsausgaben im eigenen Land und andere Missstände die harten Devisenbestände Venezuelas schrumpfen lassen.

Als sich der Ölpreis vor ein paar Monaten auf das Niveau von 100 Dollar pro Barrel zubewegte, waren Venezolaner im ganzen Land auf die Straße gegangen, um gegen den Versorgungsmangel zu protestieren. Die Regierung habe bei der Steuerung der Wirtschaft auf ganzer Linie versagt, warfen führende Vertreter der Protestbewegungen Maduro vor.

„Die Ölpreise in Venezuela sind nun schon seit mehreren Jahren hoch. Und das Land hat trotzdem noch Schwierigkeiten, zu diesen Preisen seine Schulden zurückzuzahlen”, stellt Russ Dallen fest, der als Partner bei der Maklerfirma Caracas Capital Markets arbeitet.

Venezuela habe kaum Optionen, konstatiert Asdrubal Oliveros, Leiter der Beratungsgesellschaft Econanalitica aus Caracas. „Venezuela kann innerhalb der Opec so viel Lärm schlagen, wie es will. Und trotzdem bestimmt Saudi-Arabien, wo es lang geht.” Weder die venezolanische Zentralbank noch das Finanzministerium reagierten auf Kommentaranfragen.

Am vergangenen Dienstag räumte auch der russische Staatspräsident Wladimir Putin ein, der Staatsetat sei wegen des Rückgangs der Ölpreise „angespannt”. Die russische Notenbank brütet über einem „Schock-Szenario”, das von einem Absacken der Preise auf 60 Dollar je Barrel ausgeht. Russland bestreitet etwa die Hälfte seiner Staatseinnahmen mit Öl- und Gasexporten.

Nach Meinung von Volkswirten könnten sinkende Ölpreise das ohnehin erlahmende Wirtschaftswachstum Russland ganz abwürgen, das laut Prognosen in diesem Jahr nicht mehr als magere 0,5 Prozent erreichen dürfte. Die russische Wirtschaft könnte gegen Ende dieses Jahres zu schrumpfen beginnen, sollten die Ölpreise bei einem Level von ungefähr 90 Dollar je Barrel verharren, prognostiziert Ewgeni Nadorschin, Chefvolkswirt des russischen Mischkonzerns Sistema. AFKS.MZ -1,73%

Führende russische Politiker und Topmanager sind überzeugt, dass die Saudis die Preise gezielt in die Knie zwingen, um die auf Ölexporte angewiesene russische Wirtschaft und ihren Präsidenten Putin in die Klemme zu nehmen – quasi als Erweiterung bereits bestehender Sanktionen gegen das Land.

Im russischen Staatsfernsehen mutmaßte der ehemalige russische Finanzminister Alexei Kudrin in der vergangenen Woche, es könne „eine Art Übereinkunft führender Länder, aus Importeuren und Exporteuren, aus den USA und dem Nahen Osten – bestehen, um die Produktion zu erhöhen und den Preis niedrig zu halten“. Derartige Behauptungen erinnern an russische Theorien über den Ölpreisverfall in den 1980er-Jahren. Nach Ansicht einiger Historiker trug der damalige Preiseinbruch zum Niedergang der Sowjetunion bei.

In Nordamerika dürften sich die nachlassenden Rohölpreise positiv auswirken. Zumindest Autofahrer werden zusätzliches Geld in der Tasche haben, über das sie nach Lust und Laune verfügen können.

Aber sollte die Zahl der Förderstätten sinken, könnte es in einigen Teilen des Landes zu einem wirtschaftlichen Abschwung kommen – etwa in Texas oder Alberta, den Zentren der Ölsand-Industrie.

Natürlich würden sinkende Preise die Unternehmen und Förderländer am Ende zu Produktionskürzungen zwingen, sagen Analysten. Es ist jedoch unklar, wer den ersten Zug macht. „Wir bewegen uns auf unsicherem Terrain”, weil sich der globale Ölmarkt in den vergangenen Jahren so stark verändert habe, sagt Richard Mallison, ein Analyst bei der Forschungsgruppe Energy Aspects.

Als die Ölpreise gegen Ende der 1990er-Jahre in den Sinkflug übergingen, folgte eine ausgedehnte Investitionsflaute. Und als dann im Jahr 2008 die Finanzkrise mit voller Wucht zuschlug, überstieg die Ölnachfrage das Angebot – und die Ölpreise stiegen auf einen neuen Rekordwert von 145,29 Dollar je Barrel.

Dieses Mal könnten sich die Ölpreise erholen, wenn es zu einer Produktionsdrosselung käme und sich die Weltwirtschaft verbessern würde. Laut Schätzungen von Iain Pyle, einem Analysten bei Bernstein Research, werden die Ölpreise „im kommenden Jahr mit Sicherheit bei über 100 Dollar” liegen. Eine ganze Menge hängt davon ab, ob die amerikanischen Schieferölproduzenten oder die Opec-Mitglieder ihre Förderung zurückfahren. Besonders die Produktion von Schieferöl kann sehr schnell auch sehr teuer werden.

Sollten sich die Rohölpreise nur langsam erholen, könnten große Erdölgesellschaften aus dem Westen in Mitleidenschaft gezogen werden. Nach Schätzungen von Bernstein brauchen Royal Dutch Shell RDSA.LN -0,84%

und BP einen Ölpreis von mehr als 85 Dollar je Barrel, um kostendeckend arbeiten zu können. Jeder Preisverfall über einen längeren Zeitraum könnte bedeuten, dass die Firmen ihre weitere Geschäftsentwicklung zurückstutzen müssen.

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