Geschichte des Kampfes zwischen Gesellschaft und Markt 

17/01/2015 § Hinterlasse einen Kommentar

 

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Polanyi beschreibt in „The Great Transformation“ einen Langzeitprozess sozioökonomischen Wandels, indem er das sich ändernde Verhältnis von Wirtschaft und Gesellschaft aufzeigt. Triebkraft dieser Entwicklung sind die sich verschärfenden Prozesse der Kommodifizierung, damit meint er den Prozess des „zur Ware Werdens“ (vom englischen commodity, Ware). Dabei geht es sowohl um die  Privatisierung  von vorher gemeinschaftlich genutzten Ressourcen, aber auch um die Vermarktung menschlicher Arbeitskraft.  

Das bedeutet, grundlegend ist für Polanyi, dass die Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital den Marktgesetzen unterworfen werden. Er zeigt in seinen Forschungen deutlich auf, auch wenn uns das nach der Jahrhundertelangen Gehirnwäsche gar nicht mehr klar ist, dass das keine Waren sind, sondern sie erst dazu gemacht wurden.
Erst die Ausdehnung des Markt- und Geldnexus auf diese Produktionsfaktoren ermöglichte die Entwicklung eines selbstregulierenden Marktes. Damit bilden sie die Grundlage eines kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems. 

Wesentlich ist nach der Arbeit von Polanyi, dass wir nun nicht mehr eine sozial eingebettete Wirtschaft haben. Die Kräfte des Marktes wurden mehr und mehr der Selbstregulierung überlassen. Die Gesellschaft wird so im Laufe des Prozesses ein „Anhängsel des Marktes“. Und hier sind wir ja nun, auch wenn wir das buzzword „Demokratie“ noch immer hochhalten.

Gegen Prozesse der Kommodifizierung aller gesellschaftlichen Bereiche formiert sich nach Polanyi eine Art Selbstschutzbewegung der Gesellschaft. Solche Gegenmaßnahmen reichen von sozialen Bewegungen bis zu staatlichen Interventionen.

Anders als Marx sieht Polanyi diese Maßnahmen nicht als dialektischen Teil eines Klassenkampfes, sondern betrachtet sie als Teil einer gesellschaftlichen Entwicklung. Da die gesellschaftlichen Forderungen letztlich durch die integrierende Macht der Geldpolitik vorbestimmt sind, sind sie letzlich erfolglos und können nur scheitern. Dies führt zu großer Unsicherheit und letzlich zu gesellschaftlichen Krisen.

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