Georgiens Wirtschaft

06/10/2016 § Hinterlasse einen Kommentar

Georgien ist als kleine Volkswirtschaft stark vom Außenhandel abhängig. Das Land verfügt über wenige Bodenschätze und keine nennenswerten fossilen Brennstoffressourcen. Es ist damit fast vollständig auf den Import von Gas und Erdöl angewiesen. Auch werden etwa 80% der Lebensmittel importiert.

Saakaschvili mit seiner sogenannten Rosenrevolution nach der postsowjetischen Zeit brachte  2004  erstmals eine dynamische Wirtschaftsentwicklung mit hohen, zum Teil zweistelligen Wachstumsraten in Gang.
Allerdings führten die  strukturelle Defizite wie  eine gering entwickelte industrielle Produktion und hohe Energie- und Rohstoffabhängigkeit, sowie ein grosser Fachkräftemangel bald zu einem Ungleichgewicht und zu höherer Verschuldung.

Anfang 2016 belief sie sich auf 6 Milliarden US-Dollar und somit etwa 42,3% des BIP. Die größten Gläubiger sind die Weltbankgruppe, die Asiatische Entwicklungsbank (ADB), die Europäische Investitionsbank (EIB), der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE).
Im Jahr 2012/2013 fand ein Machtwechsel (zu einer russlandfreundlicheren Regierung) statt (die im Okt. 2016 wiedergewählt wurde) und  die georgische Wirtschaft verlor kurzzeitig an Fahrt. Aber schon ab Herbst 2013 waren neben starken öffentlichen Impulsen vor allem der deutliche Anstieg des georgischen Exports Triebfeder eines neuerlichen BIP-Wachstums.

Dabei schlagen insbesondere die 2013 und 2014 erfolgte Marktöffnung Russlands für georgische Produkte (vor allem Wein, Wasser, landwirtschaftliche Erzeugnisse) zu Buche, aber zuletzt auch höhere Ausfuhren in die benachbarte Türkei und die EU.

Wirtschaftsentwicklung Georgien: Hoffen auf neue Märkte

Die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der EU führte bislang zu keiner Eintrübung des georgisch-russischen Außenhandels. Russische Drohungen, das Freihandelsabkommen mit Georgien zu suspendieren, wurden bislang nicht umgesetzt. Im Jahr 2015 hat die Krise der Rohstoffpreise und des Rubel-Wechselkurses auch die georgische Volkswirtschaft getroffen. Die deutliche Abwertung der russischen gegenüber der georgischen Währung führte zu einer geringeren Nachfrage georgischer Produkte. Zahlreiche russische Firmen sind seit vielen Jahren auf dem georgischen Markt aktiv, mit zum Teil erheblichen Investitionen in Schlüsselbranchen wie Energieversorgung, Telekommunikation oder Finanzen.

Die Krisen in der unmittelbaren Nachbarschaft ( Ukraine, Russland, Türkei) bremsen aber die  wirtschaftliche Dynamik seit dem Herbst 2014 wieder.  Zu Jahresbeginn 2016 belief sich das Wachstum nur noch auf 2,8% (gegenüber noch 4,6% im Jahr 2014). Die Inflation stieg auf jährliche 5,6%, dabei wurden vor allem Medikamente und Gesundheitsversorgung um fast 20% teurer. Der Wechselkurs Lari/USD fiel Anfang Februar auf den niedrigsten Stand seit Einführung des Lari vor 21 Jahren. Das führte gerade bei kleinen Sparern zu erheblichen Einbußen. Der internationale Handel verschlechterte sich ebenfalls erheblich. Exporte gingen um 23%, Importe um 10% zurück.

Die Arbeitslosenquote steht offiziell bei 12,5%, dürfte angesichts der Vielzahl an ungelernten Gelegenheitsarbeitern in ländlichen Gebieten indes tatsächlich um einiges höher ausfallen – Schätzungen gehen von bis zu 50% aus.


Die günstige geographische Lage macht Georgien als Transitland zwischen Europa und Zentralasien, aber auch Russland und Nahem und Mittlerem Osten sowohl für Energie- als auch den Warentransport interessant.
Die volle Ausschöpfung des Potenzials wird allerdings durch die in weiten Teilen immer noch unzureichende Infrastruktur sowie monopolistische Strukturen im Logistikbereich behindert. Mit dem geplanten Aus- und Neubau von Fernstraßen, Bahnverbindungen und einem Tiefseehafen soll Georgien mittel- und langfristig zu einer Logistik-Drehscheibe entwickelt werden.

Die wichtigsten Handelspartner Georgiens sind die Türkei, Aserbaidschan und Russland und China – Deutschland kommt mit einem Umsatz von 454 Millionen US-Dollar auf Rang sechs. Auffallend ist vor allem das Bestreben Georgiens zum Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen mit China (siehe Seidenstrassenprojekt)

Bei den gehandelten Gütern nehmen Kraftfahrzeuge aller Art unverändert die führende Position ein. Import und Re-Export überwiegend gebrauchter Fahrzeuge bilden die Geschäfts- und Einkommensgrundlage vieler Einzelunternehmer im Land. Die Verschärfung umweltrechtlicher Standards für Autos im Nachbar- und bisherigen Hauptabnehmerland Aserbaidschan führte 2014  zu einem deutlichen Einbruch der Exporte von Autos.

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