Ende der US-amerikanischen Weltordnung?

08/01/2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Nach dem zweiten Weltkrieg schufen die USA unter ihrer Führung eine neue Weltordnung. Sie beruht insbesondere auf der Globalisierung der Märkte. Zu ihrem Schutz und zu deren Ausdehnung wurde die globale US-Militärmacht gebraucht.
Trump machte schon vor seinem Amtsantritt klar, dass er anders als Clinton die bröckelnde, US-geführte globale Weltordnung nicht retten, sondern abbauen will. „America First“ bedeutet für ihn, die teure imperiale Überdehnung der USA zu beenden, um mit den frei werdenden Ressourcen den Wiederaufbau der USA innerhalb ihrer territorialen Grenzen anzugehen.
Da gibt es in der Tat viel zu tun! Auch die US-Streitkräfte will Trump dabei nicht vernachlässigen, sie sollen die besten der Welt bleiben. Natürlich muss er das deutlich machen, denn ohne dieses Versprechen wäre er als Kandidat der Republikaner schon in den Vorwahlen ausgeschieden. Aber die US-Streitkräfte sollen in Zukunft nur zur Verteidigung der USA und nicht wie bisher für imperiale Ambitionen eingesetzt werden. Das ist neu!


Zugleich will Trump mit der Förderung der heimischen Energieindustrie, mit mehr Kohleausstoß sowie Öl-und Gas-Fracking, die USA unabhängig vom Öl des Nahen Ostens machen. Damit verliert diese Region auch die bisherige strategische Bedeutung für Washington. Die Notwendigkeit orchestrieter, ständiger Regimewechsel in den Ländern dieser Region fällt damit weg, ebenso wie die massive US-Militärpräsenz. Ein geschäftsmässig, gutes Verhältnis zu Russland auf der Grundlage gegenseitigen Vorteils könnte zur Basis werden und der Nahe Osten könnte sich zum ersten Mal seit Hunderten von Jahren ohne Einmischung fremder Kräfte entwickeln. Es ist also nicht alles schlecht, was sich da anbahnt.

Wird 2017 zum Schlüsseljahr für Europa?

02/01/2017 § Hinterlasse einen Kommentar

Nur ein naiver Zweckoptimist kann heute behaupten, dass auf dem europäischen Kontinent alles beim Alten bleibt. In Wirklichkeit steht Europa vor einem großen Umbruch. Die komfortablen Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges sind vorbei. Diese Zeit wird irgendwann als Vorkrisenzeit in die Geschichte eingehen. Nach dieser  Zeitenwende wird Europa, so wie wir es seit 25 Jahren kennen, anders aussehen.


Seit der Finanzkrise vor fast zehn Jahren, haben viele Beobachter das nächstfolgende Jahr immer als Schlüsseljahr für Europas Überleben bezeichnet. Gott sei Dank, ist das Abendland von einer Katastrophe verschont worden. Das Jahr 2017 kann aber tatsächlich zum historischen Schlüsseljahr in der jüngsten Geschichte Europas werden.

Folgende Entwicklung deutet sich an:  Russland und die Türkei, bilden eine strategische Allianz, unter anderem im energiepolitischen Bereich. Es wird immer deutlicher, dass der misslungene Militärputsch gegen Recep Erdogan mit Unterstützung der Golfstaaten erfolgte (mit Mitwisserschaft der USA) und Vladimir Putins Geheimdienste den türkischen Präsidenten im letzten Moment gewarnt haben. Ein Austritt der Türkei aus der NATO liegt deshalb im Bereich des Möglichen. Die Türkei setzt nun auf eine sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit Russland und dem Iran und hat, um ihre Interessen zu wahren in Syrien und Nahen Osten die Seiten gewechselt.

Für Europa ist ein Konflikt mit der Türkei nach dem Brexit, dem Anwachsen des islamistischen Terrors und der Stärkung rechtpopulistischer Bewegungen in fast allen EU-Ländern und dem immer wahrscheinlich werdenden Grexit ein weiterer Schlag.

Und dazu stellt derWahlsieg Donald Trumps  die bisherige westliche Außenpolitik auf den Kopf. Im engen Umfeld des republikanischen Präsidentschaftskandidaten heißt es, Trump will seine erste Auslandsreise nicht zu den Verbündeten, sondern nach Moskau und China machen. Nun ja, es geht um eine Neuaufteilung der Welt, um das Abstecken geopolitischer Einflusssphären. Der gegenwärtige Ukraine-Konflikt wird schnell gelöst sein und Russland kehrt vielleicht sogar schneller als man denkt in die G8 zurück. 

Wenn dann in Italien gewählt wird (jetzt nach dem Rücktritt Renzis) und in Frankreich Marine Le Pen als Folge der Unfähigkeit der gegenwärtigen französischen Regierung, den islamistischen Terror im eigenen Land zu stoppen, an die Macht kommt, dreht sich alles. Die EU löst sich in Luft auf! 

Für Europas Strategen und Think Tanks wäre es also durchaus klug, sich darauf einzustellen, wie wir mit der veränderten Sicherheitslage umgehen. 

Georgische Heerstrasse: Route über den Kaukasus

08/10/2016 § Hinterlasse einen Kommentar

Es ist ein unglaubliches Gefühl an dieser Heerstrasse zu stehen, kurz vor dem Übergang nach Russland. Hier endete immer eine Welt und eine neue begann. Den Weg durch die Darielschlucht kannten schon die Alten als Karawanenweg. Es war die Verbindungsstrasse zwischen dem Orient und dem Westen und zeitweise hart umkämpft.

Darielpass

http://www.spiegel.de/reise/europa/kaukasus-unterwegs-auf-der-georgischen-heerstrasse-a-902594.html

Die georgische Heerstraße führt mit einer Länge von 213 km mitten durch den Großen Kaukasus, von Tbilissi bis zum russischen Wladikawkas oder halt umgekehrt. Heute ist sie mit hunderten russischer Fernlastzüge belagert, früher waren es die Karawanen und später die Postkutschen mit 6 bis 8 Pferden um die gewaltigen Höhenunterschiede (Kreuzpass 2379 m) zu überwinden.

Im  5. Russischen Türkenkrieg (1768 bis 1774) erlangte der Weg seine jetzige strategische Bedeutung und wurde somit in der Folgezeit ständig ausgebaut.


Im Zweiten Weltkrieg versuchte die 1. Panzerarmee der Wehrmacht im Herbst 1942 die Straße zu sperren, um den Nachschub für die sowjetischen Truppen nördlich des Kaukasus abzuschneiden und um dann selbst nach Georgien vorzudringen. Das gelang nicht so recht. Der Angriff blieb im Dezember 1942 vor Wladikawkas stecken, ohne dass die Straße tatsächlich erreicht wurde.  « Den Rest dieses Eintrags lesen »

Dawit Garejia

06/10/2016 § Hinterlasse einen Kommentar

In der ersten Hälfte des VI. Jh. errichtete- Dawit, einer von den dreizehn „syrischen Väter“, in der  Halbwüste (an der heutigen Grenze zu Aserbeidschan) eine erste Einsiedelei. Als wir beschlossen dahin zu fahren machte der  Taxifahrer auf die äussert schlechten Strassen aufmerksam und verlangte einen erhöhten Preis ( was völlig berechtigt war) Aber es lohnte sich trotzdem dahin zu fahren –  mehr noch die unglaublich faszinierende Landschaft als das uralte Kloster selbst.  Jetzt im Spätherbst fuhren wir durch eine Art Mondlandschaft in den schillernsten Farben und hatten einen Weitblick, der einem den Atem rauben konnte. Dazwischen lagen noch totenstill Salzwasserseen, die das Ganze noch unwirklicher erscheinen liessen.


Durch diese Halbwüste zogen Herden, begleitet von Hirten auf Pferden (siehe http://youtu.be/Omr-g4qjVVc ). Das einzige Leben weiund breit.

Georgien streitet sich heute mit Aserbeidschan um dieses Stückchen Erde (https://en.m.wikipedia.org/wiki/David_Gareja_monastery_complex) das jedes der beiden Länder für sich beansprucht. Ein Ende des Kinflikts ist nicht abzusehen. http://www.accc.org.uk/karabakh-in-miniature-georgia-and-azerbaijan-fail-to-solve-davit-gareja-monastery-dispute/

Es wäre schön im Frühjahr, wenn die Wüste grünt, da nochmals hinzufahren!

Konflikte im Kaukasus

24/09/2016 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Kaukasus ist eine Gebirgsregion, die etwa so groß wie Deutschland ist und ungefähr 22 Millionen Einwohner zählt. Hier sind nach dem Ende der Sowjetunion wieder eine Fülle von blutigen und kriegerischen Konflikten ethnischer, nationaler und territorialer Natur aufgebrochen, in die sich auch von außen von allen Seiten her kräftig eingemischt wird. Sämtliche Konflikte weisen weit in die Geschichte zurück.

In Georgien gab es mehrere Bürgerkriege. Sie sind derzeit zwar ruhiggestellt, aber nicht beigelegt. 

Abchasen, den Russen zugewandt, mit ihrer eigenen Fahne
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Georgiens bewegte Geschichte  nach 1990 bis 2008

24/09/2016 § Hinterlasse einen Kommentar

Georgien erklärte am 9. April 1991 seinen Austritt aus der Sowjetunion. Nur Litauen kam Georgien zuvor. Als erstes Land hat Deutschland die Unabhängigkeit Georgiens anerkannt und eine Botschaft in Georgien eingerichtet.


Erster Präsident wurde Swiad Gamsachurdia. Sein Vater, der Nationaldichter Konstantin Gamsachurdia gehörte zu einer Gruppe georgischer Revolutionäre, den so genannten Spree-Daleulebi (aus der Spree getrunken), die in Berlin studiert hatten. Gamsachurdia gilt als gescheitert, da Georgien danach im Bürgerkrieg rivalisierender Parteien und mafioser Clans versank.  Sein Nachfolger wurde der frühere georgische KP-Chef und sowjetische Außenminister Eduard Schewardnadse. Er leitete weitere demokratische Reformen ein und nutzte die geopolitische Lage Georgiens, um als Partner der USA und Westeuropas unabhängiger von Russland zu werden. Unser erster Host Ika meinte, er wäre gut für den Westen gewesen, hätte aber wenig für das eigene Volk gemacht. Schewardnadse unterschrieb eine strategische Partnerschaft mit der NATO.  Die engen Beziehungen mit Europa und zu den USA führten bald zu Spannungen mit Russland, das Georgien nach wie vor als sein Einflussgebiet betrachtete. 

Russland nutzte die ihm zugewandten Sezessionsgebiete Abchasien, Südossetien und Adscharien um seinen Druck auf Georgien zu verstärken.  Daneben stiegen Korruption und Einfluss der georgischen Mafia bis auf Regierungsebene an. „Transparency International“ zählte damals Georgien zu den zehn korruptesten Ländern der Welt und 2003 stellte der Internationale Währungsfond seine Unterstützung ein. 

Oppositionelle Stimmen forderten grundlegende Veränderungen und im November 2003 leitete die von jungen Reformpolitikern angeführte Rosenrevolution (unter Führung von  Micheil Saakaschwili, einem der jungen Wilden die  in den USA und Europa studiert hatten und die Schewardnadse gefördert hatte) einen gewaltfreien Regierungswechsel ein. Im Januar 2004 wurde  Saakaschwili mit 96 Prozent der Stimmen zum neuen Präsidenten gewählt.
Verantwortlich für den unblutigen Machtwechsel war nicht zuletzt der Beistand aus Washington und die Unterstützung (finanziell und schulend) der Open Society Foundation. Saakaschwilli liebte Glas und Stahl und diese Vorliebe modernistischer Architektur prägt heute das Stadtbild von Tbilissi. 

Entscheidende Veränderungen zur wirtschaftlichen Transparenz und Sicherheit in Georgien war die groß angelegte Verfolgung und Verhaftung sämtlicher Mafia-Autoritäten durch ihn und ein mehrmaliger kompletter Austausch der Zollbehörde sowie die vollständige Entlassung des korrupten Polizeiapparats und Neubesetzung auf Grundlage verstärkter Qualifikationsprüfungen. Die Kriminalitätsrate ist dadurch um ein vielfaches zurückgegangen. Bei der Bevölkerung ebenso wie bei Reisenden genießt die Polizei erstmals Vertrauen durch Ihre Zuvorkommenheit und Souveränität. 

Aber Saakaschwilli trieb die Veränderungen ohne Rücksicht auf Traditionen voran und suchte den Konflikt mit Russland 2008, was Bidsina Iwanischwili, einem in Russland reich gewordenen Georgier auf den Plan rief eine Partei mit Namen Georgischer Traum (GT) zu gründen. 

 

Geschichte Georgiens

24/09/2016 § Hinterlasse einen Kommentar

http://georeisen.blogspot.de/2014/11/1800-jahre-deutsch-georgische.html

Es ist soviel passiert in dem Land, wenn man hindurch reist wird man dauernd mit Geschichte konfrontiert. Deshalb hier der Versuch einen Überblick zu gewinnen:

An den Südhängen des Kaukasus, östlich vom Schwarzen Meer, an der Kreuzung zentraler Handelsrouten von Heer- und Seidenstraße, war Georgien Jahrhunderte lang Durchgangsland für Reisende nach Persien, Indien oder China.



Fest steht, dass Georgien schon in der Altsteinzeit besiedelt war. Neueste archäologische Grabungen in Ostgeorgien bezeugen die Kultivierung vor 1,8 Millionen Jahren, lange vor der Besiedlung Mitteleuropas. Dazu gehört auch der spektakuläre Fund des ältesten europäischen Menschen in Dmanisi.



Etwas südlicher auf dem heutigen Gebiet der Türkei liegt der Berg Ararat, der legendärer Landeort der Arche Noah. Geschichtlichen Quellen aus dem 11. Jh. zufolge, leiten die Georgier ihre Herkunft vom mythischen Stammvater Kartlos ab, dem Sohn des Targamos, der ein Urenkel Noahs gewesen sein soll.  

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