Merkel und das politische Subjekt heute

06/01/2016 § 2 Kommentare

Irgendwie nehm ich gerade Abschied von Merkel, obwohl ich sie lange geschätzt habe. Sie gehört zu den Menschen mit langem Atem. Während die Klugen ironisch die Augen verdrehen, regieren die Menschen mit dem langen Atem (die nicht immer zu den Klugen zählen) die Welt.

Aber nun werden schon einige Zeit die Schattenseiten der Politik von Fr. Merkel deutlich! 

Das begann schon 2013 im Wahlprogramm:   Statt dass Frau Merkel  sich um die Missstände des Finanzkapitalismus kümmerte, machte sie Sozialpolitik und versprach Milliarden. 

Haben Frau Merkel, ihre Regierungsmitglieder oder unsere Vertreter im Parlament bei der Flüchtlingskrise auch nur einen der vielen wissenschaftlichen Beiträge zum Thema Migration zu Rate gezogen? Man kann eigentlich nur zu einem Schluss kommen: Das alles interessiert Frau Merkel und ihre Mitarbeiter überhaupt nicht. Überlegungen und Entscheidungen auf wissenschaftlicher Basis sind nicht gefragt; man dilettiert munter weiter. Dafür ein Beispiel: Dem damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wurde 2011 zur Last gelegt, zahlreiche Passagen seiner Doktorarbeit aus Werken anderer Autoren kopiert zu haben. Angela Merkels Reaktion: Sie habe Guttenberg nicht als wissenschaftlichen Assistenten oder Doktoranden ins Kabinett geholt: “Mir geht es um die Arbeit als Bundesverteidigungsminister. Die erfüllt er hervorragend, und das ist das, was für mich zählt”.
Und dann kam das Jahr 2015:  Statt das Problem der auseinandertriftenden EU offensiv anzugehen und  einer Lösung zuzuführen ließ sie eine Million Flüchtlinge (größtenteils arabisch stämmige junge Männer ins Land), die alle Aufmerksamkeit nun auf sich ziehen. So kann man prima die eigentlichen Probleme unter den Tisch kehren.  Ein Verwirrspiel ohne Gleichen! Es ist in Köln passiert, was zu erwarten war.

Dabei geht es wiedermal darum die eigentlichen Vorkommnisse nicht deutlich werden zu lassen. Es ist ein Kampf um eine neue Weltordnung im Gange. Dieser Kampf wird unter anderem in Syrien ausgetragen, deshalb mussten wir die Flüchtlinge aufnehmen, da wir als Deutsche nur bedingt zur Koalition der Willigen unseres Hegemons gehören. Wir sind nun mal ein Vasallenstaat.  Keiner spricht davon. https://kirkes.wordpress.com/2015/01/23/stachel-des-verwundeten-nationalstolzes/

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Taranis und die westlichen Werte

09/04/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Seit 2011 sind die sogenannten Signature Strikes der Vereinigten Staaten, ferngesteuerte Exekutionen per Drohne bekannt. Betroffen sind Personen und Gruppen, die nicht verurteilt oder auch nur angeklagt wurden. Oft genug trifft es zufällig Danebenstehende. Der republikanische Senator Lindsey Graham, der der Übertreibung um des Friedens willen unverdächtig ist, sprach Anfang 2013 von bis dahin 4700 Drohnentoten.

Die Drohne „Taranis“ des britischen Rüstungsunternehmens BAE Systems – Großlieferant der amerikanischen Regierung – wurde im Februar 2014 vorgestellt. Gesteuert wird sie durch ein „fully autonomous intelligent system“: Die Drohne kann damit autonom identifizieren, wen sie wo und wann tötet.

Laut BAE muss stets der Mensch einen Angriff prüfen und genehmigen, technisch zwingend wäre es mit Taranis nicht mehr.

Die maschinelle Entscheidung, wer zu töten sei, folgt einem neuen Paradigma der Datenverarbeitung namens „Patterns of Life Analysis“.

Im Fall der Drohnenmorde werden z. b. anhand der SIM-Karten in Mobiltelefonen Profile angelegt und per Überwachung angereichert, hauptsächlich mit den sogenannten Metadaten. Die Abkürzung ABI (activity-based intelligence) steht dafür, dass jede ausspionierte Aktivität in die Berechnung einfließt:
SMS an besondere Adressaten,
die Anwesenheit des Handys am falschen Ort zur falschen Zeit,
Anrufe bei einer bestimmten Nummer.

Ergibt sich nach den Patterns of Life eine Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei diesem Profil um einen Terroristen handeln könnte, hat der Betreffende verloren!
Tatsachlich wurde nur ein willkürlich gesetzter Wert überschritten was dazu führt, dass die Person zum Profil nun nicht mehr als wahrscheinlicher Terrorist, sondern t a t s ä c h l i c h als Terrorist betrachtet wird. Das kann ihr Todesurteil sein: An diesem Punkt schlagen die Patterns of Life um in die Patterns of Death!

Das passiert schon heute, wie das „Wall Street Journal“ enthüllte. Nach willkürlichen Kriterien berechnete Wahrscheinlichkeiten werden als Realität angesehen und danach wird gehandelt. Und das in einem RECHTSSTAAT. Das ist ein glasklarer Mord!

Was bleibt hier noch das Demokratieverständnis mit der Unschuldsvermutung bis zum BEWEIS des Gegenteils und wo bleibt Gödel? Wer zeigt, dass dieser Algorithmus, diese maschinell produzierte Gewissheit „korrekt“ ist?

Hier wir die Macht entpolitisiert und die Verantwortung virtualisiert.

Sind das die vielgepriesenen westlichen Werte?


Die handelnden Subjekte unserer Zeit: Snowdon und Zuckerberg

29/03/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Eine zentrale Frage der Interpretation historischer Ereignisse betrifft das Verhältnis von „Struktur“ und “Individuum“ (Agent).

Läßt man die Fragen nach Motiven (agent-zentriert) oder „historischen Konstellationen“ (struktur-zentriert) außen vor, so wird man mit dieser Fragestellung n i c h t belastet.
Dann kommt man aber zu ad-hoc-Erklärungen und die sind über den Einzelfall hinaus selten interessant.

Wagt man es aber einen Versuch zu starten, eine systematische Erklärung der Verhaltensweise von historischen Akteuren im Kontext ihrer historischen Situation zu geben, dann wird man mit folgendem Problem konfrontiert:

Man muss sich mit beidem auseinander setzen: einem Makro-Blick und einem Mikro-Blick.

Was ist nun, wenn man die zwei „Agenten“, die beiden im historischen Kontext handelnden Subjekte Edward Snowdon und Mark Zuckerberg ansieht?

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Die Ambitionen des Jeff Bezos

20/03/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Jeff Bezos polarisiert und er ist hochintelligent, wie Mark Zuckerberg auch.

Amazon CEO Bezos demonstrates the Kindle Paperwhite during Amazon's Kindle Fire event in Santa Monica

Der Gründer und Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Online-Händlers Amazon ist sicher ein Visionär. Traditionelle Händler hassen ihn, er treibt sie in den Ruin, da er in jedem Geschäftsfeld, in dem er mit Amazon aktiv ist, die Gewinnmargen kaputt macht. Die Börse liebt Amazon. Das Gleiche gilt für die Kunden, die sich über Niedrigpreise, billigen Versand und eine sehr großzügige Rückgabepolitik freuen.

Aber w o h i n führt der Drang nach immer mehr Effizienz?

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Es fügt sich ..

19/02/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Es fügt sich so ein Bild zusammen

Das Thema „Subjekt“, das so gar nichts mit einem Individuum moderner Prägung zu tun hat, das wir brauchen und welches genau diese moderne die „Maschinenwelt“ bedroht.
Ein Subjekt ist ein Riss und bringt etwas Neues in die Welt, indem es s u c h t. Bei der Individualisierung werden die Personen blasser und die Objekte, die sie „tragen“ farbiger. Damit hat das Individuum wenig bis keinen Einfluß, wohl aber das S U B J E K T. Es ändert die fertige Welt, indem es sucht und bewirkt damit eine Innovation, die den Namen verdient.

Es ist eben nicht nur ein Auswählen aus dem Bestehenden. Es ist ein Infragestellen des Bestehenden.
Das deutlichste Subjekt zur Zeit ist Ed Snowdon.

Gerade durch sein Beispiel wird aber auch deutlich, dass wir soetwas wie investigativen Journalismus brauchen. Ohne Glen Greenwald und Laura Poitras wäre Snowdons Botschaft nicht zu uns gelangt.

Dass dieser investigative Journalismus aber auch seine Schattenseiten hat, zeigt der Fall Wulff. Hier wurden in unglaublichem Maße die Massen emotional bewirtschaftet und Wulff zum Freiwild. Es gab kein Halten mehr. Der Fall Edathy schließt da gleich an und geht noch einen Schritt weiter:

Denn hier wird gleich die Demokratiefrage mit gestellt.

Wo blieb die Unschuldsvermutung im Fall Edathy?

WIE gestaltet sich die Geschichte, wenn eine Behörde mehr zu wissen glaubt, als sie tatsächlich weiß?

Jede Handlung in der realen Welt hinterläßt mittlerweile in der digitalen Welt SPUREN.Diese können prima e x t r a p o l i e r t werden, wie im Fall Edathy geschehen. Jemand der solche l e g a l e n Videos bestellt, k ö n n t e ja auch anderes konsummieren. Die anonymen Algorithmen beginnen zu rechnen! Und dieses KÖNNTE hat es in sich! Hier wird die Suppe richtig scharf. Was K Ö N N T E aus meinem Surfverhalten nicht alles abgeleitet werden, worauf ich selber niemals komme? UNSCHULDSVERMUTUNG ade!

Damit kann man dann auch noch gehörig die Massen emotional bewirtschaften.
Gut dass Edathy die Nerven verloren hat, so kann man jetzt die aufgebrachte Menge, die Blut sehen will (wie Canetti so schön ausarbeitete) mit einm hinreichenden Verdacht besänftigen. Aber das Grundproblem bleibt.

Mir graut vor dem System, das hier seine Vorzeichen schickt!

Slavoj Žižek und seine Kapitalismuskritik

08/02/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Interview mit Slavoj Žižek:

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Sie selbst wurden in der „Zeit“ sogar als „Superstar der Kapitalismuskritik“ bezeichnet.
Mit dem Begriff Star werde ich neutralisiert. Das heißt doch nichts anderes als: Der ist ganz lustig, aber nicht ernst zu nehmen.
Das Publikum sucht bei den Philosophen Weisheit …
… Weisheit ist mir ein Gräuel.
Sie geben den wilden Denker.
Mein Stil zu argumentieren ist ein wenig sprunghaft. Doch im Grunde bin ich ein traditioneller Hegelianer. Hegel erlebte die Französische Revolution. Er sah, wie die absolute Freiheit in Terror mündete. Ihn trieb um, wie man die progressiven Ideen weiterverfolgt, ohne in die Falle des Terrors zu geraten. Die Frage ist nach wie vor aktuell. Der Kapitalismus ist in einer Art Krise. Der Versuch, mit dem Kommunismus eine neue Welt zu errichten, endete in einer Katastrophe. Wie bleibt man dennoch der Idee eines emanzipatorischen Projektes treu?

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Paul Valery’s „The Crisis of the Mind“ (1919)

05/12/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

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Haben die Europäer aus dem Ersten Weltkrieg, aus der Offenbarung des Prinzips Materialschlacht, aus der Totalen Mobilmachung und Vernetzung von allem und jedem entscheidende Schlüsse hinsichtlich ihrer eigenen Kultur gezogen?

Paul Valerys geht diesem Gedanken schon 1919 nach und kommt zum folgenden verblüffenden Ergebnis:

    Wir wissen nun, dass auch die Zivilisation sterblich ist und dass „der Abgrund der Geschichte“ Raum für alle hat.

We had long heard tell of whole worlds that had vanished, of empires sunk without a trace, gone down with all their men and all their machines into the unexplorable depths of the centuries, with their gods and their laws, their academies and their sciences pure and applied, their grammars and their dictionaries, their Classics, their Romantics, and their Symbolists, their critics and the critics of their critics. . . . We were aware that the visible earth is made of ashes, and that ashes signify something. Through the obscure depths of history we could make out the phantoms of great ships laden with riches and intellect; we could not count them. But the disasters that had sent them down were, after all, none of our affair.

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