Scharfe Daten-Suppe

23/03/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Selbst die CeBit erkannte, dass eine wichtige gesellschaftliche Debatte ansteht und verpaßte dem Thema-wie könnte es anders sein-ein neues buzzword. Unter dem Titel „Datability“ – sie meinen damit den „nachhaltigen“ Umgang mit Daten – will sich die IT-Industrie, aufgeschreckt durch die Snowden-Enthüllungen, an dem Diskurs beteiligen, der sich den Chancen und den Risiken der digitalen Moderne widmet.
Sie denkt natürlich an die Chancen, mir erscheinen dagegen die Risiken wie eine schwarze Mauer, die fast unvermeidlich ist.

Die CeBit zeigt es ja, es geht rasant weiter: IBM’s Supercomputer Watson versucht die Medizin auf den Kopf zu stellen. Er sammelt Daten und spuckt Diagnosen aus und soll zum goldenen Kalb im gewaltigen medizinisch-digitalen Gesundheitsmarkt werden. Es gibt jetzt schon 70000 Apps, die nichts anderes im Sinn haben, als Informationen aus unseren Körpern zu sammeln, alle möglichen Vitaldaten abzusaugen und sie natürlich genial zu interpretieren. Schon wissen diese Digitalgiganten mehr über uns „ihre Kunden“ als wir auch nur ahnen können und der Schritt zur Manipulation ist ja nun wahrlich nicht weit.
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Aber es geht ja noch intelligenter. Will man etwa wissen, was jemand wie Bezos vor hat, dann muß man aufpassen, denn die elektronischen Medien haben schon jetzt unser aller Denken verändert.. Intellektuelle sagen, dass die Signatur der postmodernen „elektronischen Welt“ ein Überschuss an Gegenwart ist und dass diese Gegenwart-und das ist das fatale- durch die elektronischen Medien selbst erzeugt ist. Es ist ihr blinder Fleck. Das ist selbstreferentiell. Jeder Mathematiker weiß, dass es an dieser Stelle gefährlich wird.

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Die Ambitionen des Jeff Bezos

20/03/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Jeff Bezos polarisiert und er ist hochintelligent, wie Mark Zuckerberg auch.

Amazon CEO Bezos demonstrates the Kindle Paperwhite during Amazon's Kindle Fire event in Santa Monica

Der Gründer und Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Online-Händlers Amazon ist sicher ein Visionär. Traditionelle Händler hassen ihn, er treibt sie in den Ruin, da er in jedem Geschäftsfeld, in dem er mit Amazon aktiv ist, die Gewinnmargen kaputt macht. Die Börse liebt Amazon. Das Gleiche gilt für die Kunden, die sich über Niedrigpreise, billigen Versand und eine sehr großzügige Rückgabepolitik freuen.

Aber w o h i n führt der Drang nach immer mehr Effizienz?

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Computerkontrollierte Muskeln der Cyborgs

29/11/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Die vor zehn Jahren gegründete Firma Kiva, die jetzt Amazon gehört, bietet Systeme an, die ein Warenlager selbständig, parallel arbeitend und jeden Tag rund um die Uhr betreiben: Jedes der Systeme ordnet und sortiert alle Gegenstände in den Hallen und bewegt sie bei Bedarf zur gewünschten Position. Das heißt, dass kein Lagerarbeiter mehr zum Regal gehen muss, sondern jede gesuchte Ware zum richtigen Zeitpunkt direkt vor den Packplatz gefahren wird. Die Roboter von der Größe eines anständigen Rasenmähers schieben sich jeweils unter das Regal, heben es wenige Zentimeter an und befördern es zur von der zugehörigen Software festgelegten Position.

Das ergibt sich ein Logistikzentrum, in dem sich erstaunlich wenige Menschen bewegen. Kunden von Kiva sind nicht nur die Riesen der Shopping-Branche, sondern auch Arzneimittellager und Ersatzteilhallen aller Art, all jene Unternehmen also, die ähnliche Optimierungsziele in der Lagerlogistik anstreben.

Es geht darum, Arbeitskosten einzusparen und die Effizienz bei den verbliebenen Menschen drastisch zu erhöhen.

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Automatisierung der Arbeitswelt!

02/11/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Wir halten uns an Stanislaw Lem, sagt Frank Rieger, der zusammen mit Constanze Rieger ein Buch über Automatisierung schrieb. Arbeiten, die von Maschinen getan werden können, sollten von Maschinen erledigt werden.
Viele Berufe wurden im 20igsten Jahrhundert automatisiert, denen man heute nicht nachtrauern muss, die zumindest hierzulande auch nicht mehr akzeptiert würden. Es geht nicht um Ablehnung der neuen Technik, es geht darum den Wandel zu gestalten.

Der ehemalige Wirtschaftsminister Michael Glos, der gerade mit 68 Jahren aus dem Bundestag ausschied, war Müllermeister. Als er jung war, brauchte man für tausend Tonnen Getreide am Tag noch 400 Müller. Das ist eine Arbeitergeneration her.
Um heute tausend Tonnen Getreide am Tag zu mahlen, braucht man 5 Müller.Die sitzen in einer Steuerzentrale und arbeiten in vier Schichten. Es sind dort allerdings noch mehr Leute beschäftigt, die sich um Qualitätssicherung kümmern und bemerkenswert viel forschen!

Die Vorstellung, dass etwas nur Menschen könnten, ist sehr verbreitet. Wir halten uns für individuell und unersetzbar. Das ist ein Trugschluß. Die Einsicht darin, wie sehr Arbeitsprozesse heute von Effizienzanforderungen getrieben werden, fällt schwer. Die meisten Menschen ignorieren die ökonomischen Zusammenhänge der Dinge, mit denen sie zu tun haben.

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Ist Europa nicht die beste der zur Zeit möglichen Welten?

14/07/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Die UN zeichnen ein pessimistisches Bild des alten Kontinents.

Um wie viel besser sehen sie die Perspektiven in Ländern der aufgehenden Sonne im Osten und Süden. Da ist die Bevölkerung jung, die Zahl der Menschen groß und eine stetig zunehmende Kaufkraft der Massen sorgt für eine Goldgräberstimmung.
China wird als neues Gravitationszentrum eines asiatisch-amerikanischen Wirtschaftsraums gehandelt. Go East, verlasse das sinkende europäische Schiff. So etwa lautet der Tenor

Und doch könnte NICHTS falscher sein!

Die Aussagen sind vordergründig und naiv.

Denn erstmals schlägt die Demographie in China mindestens so stark zu wie in Europa und zweitens ist es naiv, die gesellschaftlichen Umwälzungen auszublenden, die mit der rasanten Entwicklung einer aufstrebenden Volkswirtschaften einhergehen.

Gestern waren es die Bilder aus Rio de Janeiro und Ägypten, aber auch Istanbul veranschaulichte, wie zerbrechlich die jungen Demokratien sind, wie schwach die Zivilgesellschaften und wie schnell aus Emerging Markets hoch explosive Flächenbrände werden können, die in wenigen Tagen alles zerstören, was über Jahre aufgebaut wurde.

Überall in den aufstrebenden Volkswirtschaften brodelt es, weil das Tempo der Veränderungen groß ist und Regierungen und Bevölkerungen verunsichert. Anpassungsnotwendigkeit und -bereitschaft laufen eben nicht synchron, Spannungen entstehen. Die Instabilität ist mit Händen zu greifen.

Im Vergleich dazu ist Europa politisch geradezu ein Hort der Stabilität. Kein anderer Kontinent hat sich in jeder Beziehung – politisch, gesellschaftlich und auch wirtschaftlich – so wirkungsvoll einem durch neue Technologien beschleunigten Strukturwandel, einer neuen Lebenswirklichkeit und veränderten individuellen Verhaltensweisen angepasst. Die Garantie elementarer Menschenrechte ist genauso selbstverständlich wie die Meinungsfreiheit.Nirgendwo ist die gesellschaftliche Toleranz gegenüber ausgeprägt unterschiedlichen individuellen Lebensformen grösser.

Gut wir werden ausgespaet, aber auch dafuer wird uns noch etwas einfallen!

Wir leben zwar nicht in einer perfekten, aber immerhin in der besten aller ­momentan zu findenden Welten. Das wird mir immer deutlicher. Und weil ich möchte, dass es so bleibt, bin ich kritisch mit Europa!

Philip Mirowski

08/07/2013 § Ein Kommentar

Philip Mirowski

Philip Edward Mirowski ( geb 1951 ) ist ein US-amerikanischer Wirtschaftshistoriker und Kulturkritiker und hat einen Lehrstuhl fuer Geschichte und Philosophie der Wissenschaften

Er ist ne super interessante Person. Bekanntheit erreichte er durch sein 1989 erstmals erschienenes Buch More heat than light – economics as social physics, physics as nature’s economics, in dem er die Interaktion zwischen moderner Wirtschaftstheorie und physikalischen Erkenntnissen darlegte.

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Wo bin ich?

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