Das weibliche Subjekt und das „Verschwinden“

11/08/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

….habe selten etwas Stärkeres zum Thema gehört.
Und der Film mit Martina Gedeck „die Wand“ spielt genau in der Liga.

Platon suchte nach einem Staat, in der Sokrates nicht zu sterben brauchte

und diese Riege Frauen fragt sich, wie eine Infrastruktur aussieht, in der eine Frau nicht „verschwinden“ sich nicht selbst aufgeben muss in der Beziehung zm Männlichen.

Und da kommen die Mutti-Blogs daher und erzählen (manchmal) mit Talent und Witz, wie es so gehen koennte, w i e das Gleichgewicht in ihrem Leben aufrechterhalten wird

und ich merke wie mir das Lachen im Hals stecken bleibt. Wenn datsnuf z. b von dem Angela Merkel spricht und sich selber in ihrem Mutti-Blog als 90% weiblich bezeichnet, dann ist die Fangemeinde begeistert. Mario Barth laesst grüßen!

Und dIe Schieflage ist so stark, dass einem schlecht wird.

 

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Frauen in Indien

03/11/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Auch hier zerren die Fliehkräfte der Moderne

Müssen wir Indien um die Jugend, um die kinderreichen Großfamilien und im Familienkreis gepflegten Alten beneiden? Immerhin 94 Prozent der indischen Alten haben Kinder. Nur ein Bruchteil des Milliardenvolkes lebt in einem der gerade tausend Altersheime, schon Bayern hat mehr Pflegeeinrichtungen. In fünfzehn Jahren werden wir Europäer ein Durchschnittsalter von fünfundvierzig erreicht haben, die Chinesen gemittelt ihren siebenunddreißigsten Geburtstag feiern, die Inder aber frische neunundzwanzig Lenze zählen. Von Vorteil ist dieser Altersvorsprung allerdings nur, wenn es Indien gelingt, die Jugend ihr Potential auch tatsächlich entfalten zu lassen. In der boomenden indischen Wirtschaft klagt man schon halblaut über Talentemangel, vor allem bei Ingenieuren, Managern und gut ausgebildeten Facharbeitern. Vielleicht sollten wir auswandern.

Vielleicht auch nicht. Sicher ist das indische Familiennetz größer als unseres, aber es ist nicht unbedingt harmonischer geknüpft. Auch an der indischen Großfamilie zerren die Fliehkräfte der Moderne. Seit der Einwanderung der Aryas im zweiten vorchristlichen Jahrtausend ist die patriarchalische, patrilinear vererbende „Joint Family“, in der das Oberhaupt mit seiner Frau, seinen Söhnen und deren Ehefrauen sowie seinen Enkeln und unverheirateten Enkelinnen plus etwaiger Bediensteter zusammenlebt, das Familienmodell Indiens. Credo der Joint Family: Die Familie ist die kleinste Einheit des sozialen Gefüges, nicht das Individuum.

Junges Blut für die Städte

Um eine Zersplitterung des Eigentums, zumal natürlich des Landbesitzes, zu vermeiden, bleiben nach dem Tod des Pater familias auch die Bruderfamilien zuweilen zusammen, der Älteste wird dann neues Oberhaupt. Kommt es zur Teilung der Familie, lastet das Denken im Bann der als selbstverständlich erachteten brüderlichen Harmonie die Schuld daran oft den „blutsfremden“ Ehefrauen an. Selbst das verwitwete weibliche Oberhaupt eines solchen Clans, die eben noch geliebte Großmutter, kann plötzlich als Fremdkörper empfunden und als solcher ausgestoßen werden. Sei es, daß man sie innerfamiliär ihres hohen Ranges beraubt, sei es, daß man sie während einer Pilgerfahrt in einer heiligen Stadt (immerhin mit direkter Himmelfahrtsgarantie) zum Sterben aussetzt. Allein in Varanasi warten gut zehntausend Witwen auf den Tod.

Noch ist die Joint Family die beherrschende Gesellschaftsstruktur der 600000 indischen Dörfer, nur gut ein Viertel aller Inder lebt bislang in einer der 35 Millionenstädte des Subkontinents, oft in Kleinfamilien. Doch die verbesserte Infrastruktur spült über neu asphaltierte Arterien beschleunigt junges Blut in die Städte. Langsam altert das ländliche Indien. Da auch indische Stadtluft befreit, ermöglicht sie weibliche Emanzipation, schafft Nischen für die lange unbekannte Lebensform „weiblicher Single“, bringt steigende Scheidungsraten, Frauenkarrieren und eben auch kleine Kernfamilien.

Statistisch gilt zwar noch: Wo deutsche Haushalte heute im Schnitt zwei Personen zählen, sind es in Indien sechs. Aber auch der indischen Jugend wird Mobilität um des Jobs willen abverlangt, und selbst wer wollte, kann im urbanen Indien die Lebensform Joint Family oft allein deshalb nicht aufrechterhalten, weil Wohnungen knapp, klein und teuer sind. Kinderarme Kleinfamilien werden die Zukunft der Städte sein, wie schon heute ein Blick auf die regional erheblich schwankenden Fruchtbarkeitsraten zeigt. Gebärt eine Frau indienweit nicht mehr wie noch vor fünfzig Jahren sechs Kinder, sondern im Schnitt nur noch drei bis vier, so sind es in den Großstädten und prosperierenden Staaten wie Goa, Tamil Nadu oder Kerala gerade einmal zwei. Das heißt Stillstand.

100.000 Rupien, wenn das Mädchen zwanzig wird

Indien altert langsamer als der Westen, aber daß es altert, läßt sich der steigenden Lebenserwartung und der sinkenden Geburtenrate leicht ablesen. Umfragen zufolge ist Verhütung schon für die Hälfte aller verheirateten Paare selbstverständlich. Nach den aggressiven Zwangssterilisierungsfeldzügen Indira Gandhis ist Bevölkerungspolitik ein heikles Thema. Der Bundesstaat Maharashtra legt Bauern mit mehr als zwei Kindern höhere Wasserabgaben auf. Staatliche Kliniken in Bombay verlangen nach zwei kostenfreien Geburten saftige Gebühren für das dritte Kind.

Abtreibung ist legal, zieht aber ganz eigene Probleme nach sich: Zwar wollen alle Inder Ehefrauen für ihre Erben, aber eher ungern Töchter haben. Pränatale Geschlechtsbestimmung mag verboten sein, dieses Gesetz wird aber landesweit unterlaufen. Ärzte kodieren die Botschaft etwa so: rote Unterschrift heißt Mädchen, blaue Junge. Um die Abtreibung weiblicher Föten zu verhindern und zugleich die Kinderzahl zu begrenzen, bezahlt Andhra Pradesh Eltern die stattliche Summe von 100.000 Rupien (das Sechseinhalbfache des jährlichen Pro-Kopf-Einkommens), wenn sie sich nach der Geburt ihres ersten und einzigen Kindes, eines Mädchens, sterilisieren lassen und dieses seinen zwanzigsten Geburtstag erlebt.

Im ländlichen Haryana werden Mädchen weiter in großer Zahl abgetrieben, der Staat schrumpft aber nicht, obwohl das Geschlechterverhältnis dort auf schockierende 861 Frauen pro tausend Männer gefallen ist. Man behilft sich immer häufiger damit, Bräute aus dem frauenreicheren Assam zu importieren. Ein derart versklavtes Mädchen kostet weniger als eine Kuh, ihr Status in ihrer neuen Joint Family wird wohl ebenfalls darunter liegen.

Arbeitsscheue sind geschützt

Indische Soziologen gehen davon aus, daß mit größerer individueller Autonomie aufgrund eines eigenen Gehalts statt vager Teilhabe an den allgemeinen Einkünften der Joint Family auch eine Zunahme an Liebesheiraten einhergehen wird. Wenn die Stimme der Ehefrau lauter wird als die der Eltern, werden Autorität und Kontrolle der Alten schwinden. Nicht Tradition, familiärer Zwang oder finanzielle Abhängigkeit, allein Zuneigung wird zukünftig über die Fürsorglichkeit den Alten gegenüber entscheiden. Kinder, sagen indische Demographen voraus, werden in der Kernfamilie seltener als in der Großfamilie. Noch ein Kind unter vielen scheint einfach weniger riskant, obwohl die Großfamilie oft weniger erfolgreich wirtschaftet als kleinere Familien, denn dieses ewige Solidarsystem schleppt Arbeitsunfähige wie Arbeitsscheue (Männer, versteht sich, den Frauen würde man das nicht durchgehen lassen) gleichermaßen mit.

Wie die steigende Zahl berufstätiger Frauen in den Städten nebenher Kinder und Eltern versorgen soll, weiß auch im weisen Indien keiner. Fest steht: Für Indiens wachsendes Heer Alter wird es ungemütlicher werden. 2001 soll es bereits 77 Millionen Menschen von sechzig Jahren und älter gegeben haben, das entspricht etwa 7,6 Prozent der Bevölkerung. Nichts im Vergleich zu dem japanischen Bevölkerungsviertel über Sechzig, möchte man anmerken, darf dabei jedoch nicht vergessen, daß das Altern in Indien früher beginnt. Bei einer Lebenserwartung von vierundsechzig Jahren darf ein Inder nur bis zum Alter von zweiundfünfzig davon ausgehen, gesund zu sein. Zu den Standardgebrechen des Alters kommen oft die Spätfolgen von Mangelernährung, Tuberkulose, Hepatitis, Malaria oder Typhus hinzu.

Die Herausforderungen an die Pflegenden sind enorm, ihre Schützlinge werden älter, sind länger krank und zwingend auf familiäre Hilfe angewiesen. Denn Indien kennt kein allgemeines Alterssicherungssystem, nur zehn Prozent aller Staatsbürger beziehen eine Rente. Wer nicht von Verwandten angemessen unterstützt wird, kann es sich oft überhaupt nicht leisten, aus dem Erwerbsleben auszuscheiden. Praktiziert wird das Arbeiten bis zum Umfallen hauptsächlich in der Landwirtschaft, aber selbst Universitätsangehörige richten sich nach ihrer Pensionierung in einer schlechter bezahlten Zweitkarriere ein – oft an derselben Alma mater. Die Frau auf dem Land trifft das Altern besonders hart. Weil der Ehemann oft zehn Jahre älter ist, fällt zumeist ihr die Pflege bis zu seinem Tod zu. Zwar steigt auch ihre Lebenserwartung stetig, doch ist ihr Gesundheitszustand im Alter oft miserabel, einfach weil sie mehr und körperlich oft härter arbeitet als der Mann, im Haus, in der Küche, auf dem Feld. Wasser holen, Brennholz sammeln? Frauensache!

Adoptiere eine Oma

Entwaldung und zunehmende Dürren verlangen von Landfrauen immer weitere Fußmärsche. Das zehrt enorm, dabei ist der Dank mäßig. Von himmlischer Vergeltung abgesehen, zeigen Statistiken gnadenlos, daß Kinder durchaus Unterschiede zwischen ihren Eltern machen. Alte Frauen erhalten eine geringere Unterstützung als alte Männer und gehören generell zu den Ärmsten des Landes. Hilfsorganisationen wie „HelpAge India“ haben daher Programme wie „Adopt-a-Gran“ gestartet. Hier werden Großmütter statt Kindern adoptiert und finanziell unterstützt.

Da mag manche alte Inderin von Kerala träumen. Dort gibt es zumindest Reste einer ökonomisch prosperierenden, matrilinearen Kultur, in der Matriarchen mit ihren Brüdern, Söhnen, Töchtern und Kindern der Töchter leben. Brüder und Schwestern ziehen die Kinder der Schwester gemeinsam auf, die sich daher nicht an Lebensabschnittsväter gewöhnen müssen, nur weil die Mutter ihre nächtlichen Besucher wechselt. Für uns Deutsche ist das allerdings kein zukunftsträchtiges Großfamilienmodell, unsere Kinder werden – statistisch – ja keine Brüder oder Schwestern mehr haben.

Wo bin ich?

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