Unsere Welt bröselt!

13/05/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Fall der Berliner Mauer war der Startschuss für eine ungebremste Entfaltung des Finanzkapitalismus, welchen wir Globalisierung nennen.  Über Nacht existierte auf einmal die Sovietunion nicht mehr, das kommunistische China öffnete seine Zollschranken und trat der Welthandelsorganisation WTO bei und der globale Arbeitsmarkt wurde um rund zwei Milliarden Erwerbstätige erweitert. Zunächst waren die Folgen mehrheitlich positiv. Die westlichen Konsumenten konnten Kleider und Unterhaltungselektronik kaufen zu Preisen, die bisher für unmöglich gehalten wurden. In Asien konnten hunderte Millionen der Armut entrinnen.

Nun im 21. Jahrhundert treten die Schattenseiten der Globalisierung deutlicher zutage. Technischer Fortschritt und freier Handel führen dazu, dass sich die Einkommensschere immer weiter öffnet. Weltweit gesehen besteht auf den Arbeitsmärkten ein riesiges Überangebot. Arbeitslosigkeit und Lohndruck sind auf dem Vormarsch.

Dank der Arbeitsteilung wird die Wirtschaft effizient. Das hat schon Adam Smith erkannt. Im Zuge der Globalisierung sind so genannte Supply Chains entstanden. Das bedeutet, dass die Produktion von Gütern sich heute auf verschiedene Länder und Kontinente verteilt. Das erhöht sicher die Effizienz, hat jedoch gefährliche Nebenwirkungen. Besonders deutlich zeigt sich dies in der Nahrungsmittelindustrie. Die Zutaten des Sonntags-Frühstücks eines Durchschnittsmenschen beispielsweise reisen heute zweimal rund um den Globus. Das ist nicht nur ökologisch unsinnig. Die Marktwirtschaft kippt in den Ausbeutungsmechanismus.

Bisher sorgenden funktionierende Märkte für ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Die Globalisierung hingegen fördert das Entstehen von Monopolen. Weltweit sind Megakonzerne auf dem Vormarsch. Eine viel beachtete Studie der ETH Zürich hat 2011 aufgezeigt, dass weltweit nur 147 Konzerne das Sagen haben.

Diese Machtkonzentration führt dazu, dass sich der Charakter der Handelsbeziehungen verändert. Das klassische Gesetz des komparativen Vorteils besagt, dass gegenseitiger Handel den Wohlstand aller Beteiligten erhöht. Wird der Handel jedoch von monopolartigen Konzernen dominiert, dann ist dies nicht mehr der Fall. Die Multis können dank ihrer Marktmacht niedrige Löhne und Steuern durchsetzen. Das Resultat ist ein Standortwettbewerb, der sich gegen die Mehrheit der Menschen richtet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in den westlichen Industriestaaten während rund 30 Jahren Vollbeschäftigung. Der Grund lag darin, dass die Produktivitätsgewinne der Wirtschaft gleichmässig verteilt wurden. Heute fliessen diese Gewinne einseitig in die Taschen der Kapitalgeber. Die Folgen davon sind hohe Arbeitslosigkeit und Verarmung. Das gilt nicht nur für strukturschwache Länder wie Griechenland oder Portugal. Selbst im reichen Deutschland arbeiten 15 Prozent der Erwerbstägigen im Niedriglohnsektor mit fatalen Folgen für den sozialen Frieden. In den USA gibt es rund 50 Millionen Arme.

  
Die Digitalisierung der Wirtschaft beschleunigt den technischen Fortschritt. Bereits wird von einem neuen Maschinenzeitalter gesprochen. Vieles spricht dafür, dass dieser Fortschritt die Entwicklung der Gesellschaft beeinflussen wird und offensichtlich nicht in positiver Hinsicht. Aldous Huxleys Albtraum einer «schönen neuen Welt» könnte Wirklichkeit werden: Eine Techno-Oligarchie, in der eine schmale Elite in Saus und Braus lebt, während gleichzeitig ein Lumpenproletariat mit Brot und Spielen mehr schlecht als recht durchgefüttert wird.

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Die Krim, das Tor Russlands zum Westen

01/03/2014 § 3 Kommentare

Jauch redet in seinem Sonntagabend Talk über die Ukraine und wer ist zu Gast, natürlich wieder „Süßkind“ Marina Weisband. Sie heimst einen Applaus nach dem Anderen ein für ihre naiven Aussagen, die mich stark an das Gespräch mit Precht über liquid democracy erinneren:
https://kirkes.wordpress.com/2013/06/24/das-subjekt-und-die-liquid-democracy/

Immer diese undurchdachten Sachen! Naivität scheint Punkte zu bringen in unserem Mediensystem und das läuft ja zur Zeit wieder heiß. Ja klar, die Ukraine muß sich selbst finden und der Westen u n d Russland sollen sich heraushalten. So denken a l l e Gutmenschrn und solche, die dafür gehalten werden wollen. Was dabei herauskommt ist mal wieder das Drehen des Messers in der Wunde https://kirkes.wordpress.com/2013/08/31/fall-snowden-vom-drehen-des-messers-in-der-wunde-amerika-faz/
und d a s gefällt mir gar nicht!

Die Ukraine ist nicht die S c h w e i z! Sie ist pleite und braucht Hilfe. Sie steht kurz vor dem Staatsbankrott. Wie soll das Land sich selbst finden, wenn es in sich gespalten ist und HILFE braucht?nDer Westen ist gar nicht imstande und willens diese Hilfestellung zu leisten, die die gewalttätigen Aufständischen auf dem Maidan e r p r e s s e n wollen. Das ist doch das Problem und das Dilemma und nicht Russland!
Es waren nicht die netten Menschen auf dem Maidan, die den Umsturz bewirkten, es liegen handfeste Interessen dahinter!
Jedem der schon mal auf der Krim war sollte klar sein:
Russland hat Interesse an der KRIM, so starke Interessen wie die Christen am heiligen Land.
Da kann der Westen und allen voran Obama nur wieder dieses hilflose Bild abgeben. Und Russland bekommt die Rolle des Aggressors, was so auch nicht stimmt.

Es geht eben nicht nur um die strategische Bedeutung der Krim als Basis für die russische Schwarzmeerflotte. Die Halbinsel und ihre Hauptstadt Sewastopol gehören zu den großen nationalen Mythen Russlands. Hier durchbrachen die Zaren die Umklammerung der eisigen Meere, hier widerstanden ihre Soldaten englischen und französischen Expeditionstruppen, weißen Armeen, ihren Alliierten und der deutschen Wehrmacht.

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Unter Kontrolle oder „Morgen werde ich Idiot“

14/01/2014 § Ein Kommentar

Kurz nach den Snowden-Enthüllungen tippte ein in Wisconsin lehrender Philosoph http://wp.me/p18Mm2-18w unter dem Namen NeinQuarterly, lakonisch die Worte „Foucault, dude“ in sein Mobiltelefon. Der französische Philosoph Michel Foucault hatte tatsächlich 1975 bereits alles wesentliche gesagt, was man jetzt wissen musste, in seinem Buch „Überwachen und Strafen“, ein Buch so schwarz, dass sich Célines Menschheitsbeschimpfung „Reise ans Ende der Nacht“ dagegen wie ein Sonntagsspaziergang ausnimmt.

Foucault analysiert, wie am Ende des 18. Jahrhunderts mit Beginn der Moderne der Mensch neu erfunden und fabriziert wird: nicht etwa als der Träger von gleichen Rechten, als Subjekt von Freiheit und Selbstbestimmung, diese aufklärerischen Ideale seien nur Überbau, Formalien, Tand. Entscheidend sei, „das Problem des Eintritts des Individuums (und nicht mehr der Spezies) in das Feld des Wissens“. Entscheidend sei, dass durch Aufzeichnungs- und Registrierungsverfahren, Überprüfungs- und Überwachungsmechanismen das Individuum zum „berechenbaren Menschen“ werde, erzeugt von einer „Mikrophysik der Macht“, die in ihrem disziplinarischen und kontrollierenden Zugriff auf den Menschen das reibungslose Funktionieren der Gesellschaft garantiere.

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‚Technik kostet uns Freiheit‘ und gibt uns Bequemlichkeit

13/01/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Sascha Lobo sprach von der digitalen Kränkung des Menschen und wies damit der digitalen Welt einen Platz neben Kopernikus zu. Ich weiß nicht, ob man soweit gehen muß, aber bis zurück zur Aufklärung auf jeden Fall. Die Steuerung unserer Existenz durch die Giganten des Internets kann schon als ein Prozess betrachtet werden, der mit der Aufklärung begann und uns immer mehr Freiheiten nimmt. Das hört sich erstmals abstrus an, da die Zeit der absolutistischen Herrscher nun gar nicht als freiheitlich betrachtet werden kann. Aber dazu in einem anderen Beitrag mehr. Jetzt erstmals zu der dringenden Frage, ob es schon Ansätze gibt, wie wir dem entkommen können.

Schon 1975 hat der französische Philosoph Foucault darüber nachgedacht:

http://wp.me/p18Mm2-18I , die Situation furiös beschrieben und auch Lösungsansätze gefunden.

Aber auch mit den Gedanken von Foucault bleibt es dabei:
Es ist ein fundamentales Dilemma der Technikphilosophie: Innovation gibt es nicht umsonst.

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gescheit gescheitert

09/01/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

big-nein-0

The very best piece of writing I’ve encountered on Twitter comes from a feed called NeinQuarterly.

Here it is: “At Starbucks I order under the name Godot. Then leave.”

Vor 2 Jahren er, Jarosinski, zu twittern begonnen. Mit seinen klugen, geschliffenen Aphorismen und Späßen begeistert er nicht nur mich.

Chefredakteure und Verleger beginnen damit, sich für seine Arbeit zu interessieren. Er gefällt sich in seiner neuen Rolle als gescheiter(ter) Akademiker.

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Liberale Ideen und die Freiheit

03/11/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

‚Freiheit von‘ und ‚Freiheit zu‘ in seiner Berliner Rede spottete Peter Sloterdijk darüber.

Er hatte dabei den französischen Aufklärer Jean-Jacques Rousseau im Sinn, der sich bereits 1765 von all den Erkenntniserträgen, Modernitätsschüben und Fortschrittsfanfaren bedrängt fühlte, die der Vernunft gewordene Mensch zur Eroberung der Freiheit verbucht, unternimmt und anstellt.

Rousseau war zu der Zeit in der schönen Schweiz zugegen, er ruderte von der Île St. Pierre auf den Bieler See hinaus, um der lärmenden Betriebsamkeit der Welt den Rücken zu kehren und der geschäftigen Realität ins Refugium eines träumerischen Bei-Sich-Seins zu entwischen. Die Freiheit, die der Mann im Boot damals spürte war die Freiheit des Taugenichts zur Träumerei und Sorglosigkeit, die Freiheit, unbrauchbar zu sein, sich einem inneren Driften überlassen zu können, einem seelischen Fließen, einem strömenden Fluss von sinnlos-sinnlichen Hier-und-Jetzt-Momenten – eine Freiheit, die nicht darin liegt, dass man tun kann, was man will, „sondern darin, dass man nicht tun muss, was man nicht will“

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Ist Europa nicht die beste der zur Zeit möglichen Welten?

14/07/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Die UN zeichnen ein pessimistisches Bild des alten Kontinents.

Um wie viel besser sehen sie die Perspektiven in Ländern der aufgehenden Sonne im Osten und Süden. Da ist die Bevölkerung jung, die Zahl der Menschen groß und eine stetig zunehmende Kaufkraft der Massen sorgt für eine Goldgräberstimmung.
China wird als neues Gravitationszentrum eines asiatisch-amerikanischen Wirtschaftsraums gehandelt. Go East, verlasse das sinkende europäische Schiff. So etwa lautet der Tenor

Und doch könnte NICHTS falscher sein!

Die Aussagen sind vordergründig und naiv.

Denn erstmals schlägt die Demographie in China mindestens so stark zu wie in Europa und zweitens ist es naiv, die gesellschaftlichen Umwälzungen auszublenden, die mit der rasanten Entwicklung einer aufstrebenden Volkswirtschaften einhergehen.

Gestern waren es die Bilder aus Rio de Janeiro und Ägypten, aber auch Istanbul veranschaulichte, wie zerbrechlich die jungen Demokratien sind, wie schwach die Zivilgesellschaften und wie schnell aus Emerging Markets hoch explosive Flächenbrände werden können, die in wenigen Tagen alles zerstören, was über Jahre aufgebaut wurde.

Überall in den aufstrebenden Volkswirtschaften brodelt es, weil das Tempo der Veränderungen groß ist und Regierungen und Bevölkerungen verunsichert. Anpassungsnotwendigkeit und -bereitschaft laufen eben nicht synchron, Spannungen entstehen. Die Instabilität ist mit Händen zu greifen.

Im Vergleich dazu ist Europa politisch geradezu ein Hort der Stabilität. Kein anderer Kontinent hat sich in jeder Beziehung – politisch, gesellschaftlich und auch wirtschaftlich – so wirkungsvoll einem durch neue Technologien beschleunigten Strukturwandel, einer neuen Lebenswirklichkeit und veränderten individuellen Verhaltensweisen angepasst. Die Garantie elementarer Menschenrechte ist genauso selbstverständlich wie die Meinungsfreiheit.Nirgendwo ist die gesellschaftliche Toleranz gegenüber ausgeprägt unterschiedlichen individuellen Lebensformen grösser.

Gut wir werden ausgespaet, aber auch dafuer wird uns noch etwas einfallen!

Wir leben zwar nicht in einer perfekten, aber immerhin in der besten aller ­momentan zu findenden Welten. Das wird mir immer deutlicher. Und weil ich möchte, dass es so bleibt, bin ich kritisch mit Europa!

Wo bin ich?

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