Hilperts tönerne Füße

23/05/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Wie war das noch?
1899 hatte Hilbert, der Jahrhundertmathematiker
, die Grundlagen der Geometrie veröffentlicht und nachgewiesen, dass die Geometrie als formales System konstruiert werden kann auf Basis der formalisierten Arithmetik.

    In der Folge stellte er seiner Gemeinde (den Mathematikern) die Jahrhundertaufgabe, die Mathematik insgesamt auf feste Beine zu stellen und zu formalisieren. Dazu gab er Steps vor, wie z. B. die Kontinuumshypothese, die zuerst bewiesen werden sollten.

Das hat Gödel dann auch getan, aber so gar nicht in der von Hilbert beabsichtigten Art und Weise.

Vielmehr hat er die tönernen Füße, auf die Hilbert die Mathematik stellen wollte, gründlich zerschlagen.
Erstmals ging die Kontinuumshypothese flöten – Gödel zeigte zusammen mit Paul Cohen, dass die Hypothese im Rahmen der geltenden Mengentheorie weder bewiesen noch widerlegt werden kann. oooups! und auch Hilberts zweites Problem der Nachweis der Widerspruchsfreiheit für die Axiome der Arithmetik ging flugs den Bach runter.

Ein Fiasko für die Mathematik.
Die Existenz unbeweissbarer mathematischer Wahrheiten war nicht mehr anzweifelbar (das wollten die Mathematiker lange nicht sehen und schon gar nicht anerkennen)

Gödel war Zeit seines Lebens enttäuscht über die Unfähigkeit von anderen seine Schlussfolgerungen nachzuvollziehen.

Es war Johny von Neumann, der die Reichweite dessen, was Gödel da bewiesen hatte, auf einem Kongress in Königsberg aufzeigte.

Die Folgen für den Formalismus waren verheerend! Und auch Hilberts Verteidigungsmechanismus gegen Paradoxien mussten in die Tonne!

Gödel hat bewirkt, dass insbesondere unsere Intuitionen über das Unendliche, so anfällig sie auch für Fehlschlüsse ist, wie die berüchtigten Paradoxien zeigen, nicht durch sematikfreie mechanische Verfahren des Zeichengebrauchs (also durch Rechenoperationen in Computern) ersetzt werden können. Das ist doch mal eine gute Nachricht!

Unsere Welt bröselt!

13/05/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Fall der Berliner Mauer war der Startschuss für eine ungebremste Entfaltung des Finanzkapitalismus, welchen wir Globalisierung nennen.  Über Nacht existierte auf einmal die Sovietunion nicht mehr, das kommunistische China öffnete seine Zollschranken und trat der Welthandelsorganisation WTO bei und der globale Arbeitsmarkt wurde um rund zwei Milliarden Erwerbstätige erweitert. Zunächst waren die Folgen mehrheitlich positiv. Die westlichen Konsumenten konnten Kleider und Unterhaltungselektronik kaufen zu Preisen, die bisher für unmöglich gehalten wurden. In Asien konnten hunderte Millionen der Armut entrinnen.

Nun im 21. Jahrhundert treten die Schattenseiten der Globalisierung deutlicher zutage. Technischer Fortschritt und freier Handel führen dazu, dass sich die Einkommensschere immer weiter öffnet. Weltweit gesehen besteht auf den Arbeitsmärkten ein riesiges Überangebot. Arbeitslosigkeit und Lohndruck sind auf dem Vormarsch.

Dank der Arbeitsteilung wird die Wirtschaft effizient. Das hat schon Adam Smith erkannt. Im Zuge der Globalisierung sind so genannte Supply Chains entstanden. Das bedeutet, dass die Produktion von Gütern sich heute auf verschiedene Länder und Kontinente verteilt. Das erhöht sicher die Effizienz, hat jedoch gefährliche Nebenwirkungen. Besonders deutlich zeigt sich dies in der Nahrungsmittelindustrie. Die Zutaten des Sonntags-Frühstücks eines Durchschnittsmenschen beispielsweise reisen heute zweimal rund um den Globus. Das ist nicht nur ökologisch unsinnig. Die Marktwirtschaft kippt in den Ausbeutungsmechanismus.

Bisher sorgenden funktionierende Märkte für ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Die Globalisierung hingegen fördert das Entstehen von Monopolen. Weltweit sind Megakonzerne auf dem Vormarsch. Eine viel beachtete Studie der ETH Zürich hat 2011 aufgezeigt, dass weltweit nur 147 Konzerne das Sagen haben.

Diese Machtkonzentration führt dazu, dass sich der Charakter der Handelsbeziehungen verändert. Das klassische Gesetz des komparativen Vorteils besagt, dass gegenseitiger Handel den Wohlstand aller Beteiligten erhöht. Wird der Handel jedoch von monopolartigen Konzernen dominiert, dann ist dies nicht mehr der Fall. Die Multis können dank ihrer Marktmacht niedrige Löhne und Steuern durchsetzen. Das Resultat ist ein Standortwettbewerb, der sich gegen die Mehrheit der Menschen richtet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in den westlichen Industriestaaten während rund 30 Jahren Vollbeschäftigung. Der Grund lag darin, dass die Produktivitätsgewinne der Wirtschaft gleichmässig verteilt wurden. Heute fliessen diese Gewinne einseitig in die Taschen der Kapitalgeber. Die Folgen davon sind hohe Arbeitslosigkeit und Verarmung. Das gilt nicht nur für strukturschwache Länder wie Griechenland oder Portugal. Selbst im reichen Deutschland arbeiten 15 Prozent der Erwerbstägigen im Niedriglohnsektor mit fatalen Folgen für den sozialen Frieden. In den USA gibt es rund 50 Millionen Arme.

  
Die Digitalisierung der Wirtschaft beschleunigt den technischen Fortschritt. Bereits wird von einem neuen Maschinenzeitalter gesprochen. Vieles spricht dafür, dass dieser Fortschritt die Entwicklung der Gesellschaft beeinflussen wird und offensichtlich nicht in positiver Hinsicht. Aldous Huxleys Albtraum einer «schönen neuen Welt» könnte Wirklichkeit werden: Eine Techno-Oligarchie, in der eine schmale Elite in Saus und Braus lebt, während gleichzeitig ein Lumpenproletariat mit Brot und Spielen mehr schlecht als recht durchgefüttert wird.

Längst tobt die digitale Revolution!

09/05/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Längst tobt die digitale Revolution. Doch unsere politischen Repräsentanten kämpfen nicht für Freiheit und Autonomie.

  
Wollen wir, dass über die „duale Variable“ Normen (durch selbstregulierte technische Systeme) gleichsam instinkthaft eingeübt werden?

Schon 1968 hatte Jürgen Habermas bemerkenswerterweise die negative Vision eines Systems, das sich aufspaltet in ein zweckrationales Handeln von Wenigen, die solch geregelte Systeme einrichten und technische Störungen beheben u n d das adaptive Verhalten der Vielen, die in den Routinen der geregelten Systeme eingeplant sind und darin zu leben gezwungen sind.

Und er nahm an, dass in den nächsten Dekaden die entsprechenden technischen Erfindungen gemacht würden,  diese Verhaltenskontrolle zu ermöglichten.  Diese würden Persönlichkeitsveränderung, durch die neue alles durchdringende Techniken zur Überwachung, ständigen Beobachtung und Kontrolle von Individuen und Organisationen bewirken.

Wie recht er hatte! 

Diese wenigen Sätze beschreiben exakt den Stand der Dinge in der zweiten Dekate des 21. Jahrhunderts.

Eine Gesellschaft zieht heran, die Normen nicht mehr durch Sprache und Reflexion verinnerlicht, sondern (im Augenblick durch sog. Apps) – durch „selbstregulierte Sub-Systeme des Mensch-Maschine-Typus“  in die Menschen und Gesellschaft integriert werden.

Weit sind wir nicht mehr von der Hochleistungsbetrieben der Viehzucht entfernt. Sloterdijk mit seinem „Regeln für den Menschenpark“ läßt grüßen!

Die handelnden Subjekte unserer Zeit: Snowdon und Zuckerberg

29/03/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Eine zentrale Frage der Interpretation historischer Ereignisse betrifft das Verhältnis von „Struktur“ und “Individuum“ (Agent).

Läßt man die Fragen nach Motiven (agent-zentriert) oder „historischen Konstellationen“ (struktur-zentriert) außen vor, so wird man mit dieser Fragestellung n i c h t belastet.
Dann kommt man aber zu ad-hoc-Erklärungen und die sind über den Einzelfall hinaus selten interessant.

Wagt man es aber einen Versuch zu starten, eine systematische Erklärung der Verhaltensweise von historischen Akteuren im Kontext ihrer historischen Situation zu geben, dann wird man mit folgendem Problem konfrontiert:

Man muss sich mit beidem auseinander setzen: einem Makro-Blick und einem Mikro-Blick.

Was ist nun, wenn man die zwei „Agenten“, die beiden im historischen Kontext handelnden Subjekte Edward Snowdon und Mark Zuckerberg ansieht?

20140124-104012.jpg
20140124-104022.jpg

« Den Rest dieses Eintrags lesen »

Es fügt sich ..

19/02/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Es fügt sich so ein Bild zusammen

Das Thema „Subjekt“, das so gar nichts mit einem Individuum moderner Prägung zu tun hat, das wir brauchen und welches genau diese moderne die „Maschinenwelt“ bedroht.
Ein Subjekt ist ein Riss und bringt etwas Neues in die Welt, indem es s u c h t. Bei der Individualisierung werden die Personen blasser und die Objekte, die sie „tragen“ farbiger. Damit hat das Individuum wenig bis keinen Einfluß, wohl aber das S U B J E K T. Es ändert die fertige Welt, indem es sucht und bewirkt damit eine Innovation, die den Namen verdient.

Es ist eben nicht nur ein Auswählen aus dem Bestehenden. Es ist ein Infragestellen des Bestehenden.
Das deutlichste Subjekt zur Zeit ist Ed Snowdon.

Gerade durch sein Beispiel wird aber auch deutlich, dass wir soetwas wie investigativen Journalismus brauchen. Ohne Glen Greenwald und Laura Poitras wäre Snowdons Botschaft nicht zu uns gelangt.

Dass dieser investigative Journalismus aber auch seine Schattenseiten hat, zeigt der Fall Wulff. Hier wurden in unglaublichem Maße die Massen emotional bewirtschaftet und Wulff zum Freiwild. Es gab kein Halten mehr. Der Fall Edathy schließt da gleich an und geht noch einen Schritt weiter:

Denn hier wird gleich die Demokratiefrage mit gestellt.

Wo blieb die Unschuldsvermutung im Fall Edathy?

WIE gestaltet sich die Geschichte, wenn eine Behörde mehr zu wissen glaubt, als sie tatsächlich weiß?

Jede Handlung in der realen Welt hinterläßt mittlerweile in der digitalen Welt SPUREN.Diese können prima e x t r a p o l i e r t werden, wie im Fall Edathy geschehen. Jemand der solche l e g a l e n Videos bestellt, k ö n n t e ja auch anderes konsummieren. Die anonymen Algorithmen beginnen zu rechnen! Und dieses KÖNNTE hat es in sich! Hier wird die Suppe richtig scharf. Was K Ö N N T E aus meinem Surfverhalten nicht alles abgeleitet werden, worauf ich selber niemals komme? UNSCHULDSVERMUTUNG ade!

Damit kann man dann auch noch gehörig die Massen emotional bewirtschaften.
Gut dass Edathy die Nerven verloren hat, so kann man jetzt die aufgebrachte Menge, die Blut sehen will (wie Canetti so schön ausarbeitete) mit einm hinreichenden Verdacht besänftigen. Aber das Grundproblem bleibt.

Mir graut vor dem System, das hier seine Vorzeichen schickt!

Zeitenwende-1

17/01/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Wir sind eine Weile umhergewankt und haben versucht, auf die alte Weise mit einer neuen Zivilisation umzugehen, aber wir müssen anfangen, diese Welt zu verändern.“

Thomas Edison schrieb diese Worte 1912 in einem Brief an Henry Ford. Edison sah die Vereinigten Staaten am Abgrund zu einer neuen industriellen Zivilisation stehen, aber statt Jubel empfand er Verzweiflung.

Heute stehen wir am Rand eines ähnlichen Abgrunds. Die von Edison und Ford hinterlassene Welt liegt hinter uns. Wir sind heute im ersten Schritt zur einer Informationszivilisation, die das Leben aller Menschen verändern wird.

Und es geht um weit mehr als die NSA, Big Tech oder Tagespolitik.

« Den Rest dieses Eintrags lesen »

Unter Kontrolle oder „Morgen werde ich Idiot“

14/01/2014 § Ein Kommentar

Kurz nach den Snowden-Enthüllungen tippte ein in Wisconsin lehrender Philosoph http://wp.me/p18Mm2-18w unter dem Namen NeinQuarterly, lakonisch die Worte „Foucault, dude“ in sein Mobiltelefon. Der französische Philosoph Michel Foucault hatte tatsächlich 1975 bereits alles wesentliche gesagt, was man jetzt wissen musste, in seinem Buch „Überwachen und Strafen“, ein Buch so schwarz, dass sich Célines Menschheitsbeschimpfung „Reise ans Ende der Nacht“ dagegen wie ein Sonntagsspaziergang ausnimmt.

Foucault analysiert, wie am Ende des 18. Jahrhunderts mit Beginn der Moderne der Mensch neu erfunden und fabriziert wird: nicht etwa als der Träger von gleichen Rechten, als Subjekt von Freiheit und Selbstbestimmung, diese aufklärerischen Ideale seien nur Überbau, Formalien, Tand. Entscheidend sei, „das Problem des Eintritts des Individuums (und nicht mehr der Spezies) in das Feld des Wissens“. Entscheidend sei, dass durch Aufzeichnungs- und Registrierungsverfahren, Überprüfungs- und Überwachungsmechanismen das Individuum zum „berechenbaren Menschen“ werde, erzeugt von einer „Mikrophysik der Macht“, die in ihrem disziplinarischen und kontrollierenden Zugriff auf den Menschen das reibungslose Funktionieren der Gesellschaft garantiere.

« Den Rest dieses Eintrags lesen »

Wo bin ich?

Du durchsuchst momentan Beiträge mit dem Schlagwort Future auf Kirke's Blog.

%d Bloggern gefällt das: