Inkerman und Balaklava

27/09/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Inkerman ist ein Gebiet vor den Toren von Sevastopol. Es gibt hier direkt in de Felsen geschlagenen Höhlenkirchen, die ein frühes Beispiel für die Christanisierung der Krim liefern. Der Legende nach soll der heilige Clemens I bei seiner Ankunft in Inkerman im 1. Jahrhundert nach Christus bereits eine Gemeinde von 2000 Christen vorgefunden haben, die in den Höhlenklöstern lebten. Ist wohl eher eine Mär, wahrscheinich waren es eher griechische und byzantinische Mönche, die im 7. und 9. Jahrhundert die beeindruckenden Felsbauten schufen.

Weiter hätte ich gerne noch Balaklava gesehen, ein kleiner Ort mit einer sehr tiefen Bucht. Es gibt da einen phantastische Badebucht und ein wunderbares Naturschutzgebiet

Ja, wir hätten einfach mehr Zeit gebraucht, aber es ist auch ein Grund nochmals hinzufahren 🙂

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Sevastopol und Schwarzmeerflotte

27/09/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

In Sevastopol, der Stadt des Ruhms, waren wir leider nur einen halben Tag. Keine Stadt der Krim ist mehr mit der alten Sowjetunion verbunden. Wir fuhren morgens mit dem Bus hin, stellten unsere Rucksäcke in ein Depot und schauten uns die Bucht und die Umgebung an. Es hätte noch viel mehr zu sehen gegeben, aber dazu hatten wir leider keine Zeit.

Als wichtiger Flottenstützpunkt war Sevastopol bis in die 90iger Jahre eine geschlossene Stadt, in die die Krimbewohner nur mit einem Passagierschein kommen konnten. Mittlerweile ist die Stadt für jeden offen, auch für ausländische Touristen, die nicht organisiert reisen.

Im zweiten Weltkrieg tobten heftige Kämpfe zwischen Hitlers Wehrmacht und der roten Armee in Sevastopol. Die Stadt vertedigte sich stolze 249 Tage, bevor sie besetzt wurde und setzte so ihren Heldenmythos fort. War sie doch schon vorher im Krimkrieg 1853-1856 Kriegsschauplatz. Damals widerstand sie 349 den englischen, französischen und türkischen Belagerern, die sie danach völlig zerstörten.

Beim Flanieren durch Sevastopol fällt die Anwesenheit der Sowjets stark auf.

http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzmeerflotte_%28Russland%29

Und hier noch ein paar aktuelle Berichte zu dem Stand der Schwarzmeerflotte in der Ukraine:

http://ukraine-nachrichten.de/proteste-gegen-russische-schwarzmeerflotte-kiew_3094_politik

Aber auch heute noch hat Moskau hier überall seine Finger drin:

Trotz der Zugehörigkeit von Sewastopol zur Ukraine dominieren das russische Flottenkommando, pro-russische Behörden und Organisationen das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben in der Hafenstadt. So förderte zum Beispiel die Moskauer Stadtregierung unter Bürgermeister Juri Michailowitsch Luschkow pro-russische Aktivitäten in wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereichen. Mit diesen Aktivitäten unterstützt Moskau Bestrebungen für eine Unabhängigkeit der Krim von der Ukraine.

Der pro-russische Stadtrat von Sewastopol seinerseits vermeidet jede Konfrontation mit dem russischen Flottenkommando und russischen Behörden respektive Organisationen. Er lehnte sogar ein Darlehen der EBRD ‚(European Bank for Reconstruction and Development – Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklungshilfe)‘ zur dringend notwendigen Sanierung des Abwassersystems ab, weil es die Bindung Sewastopols an die Ukraine und Westeuropa verstärkt hätte.

Übrigens kann man sehr gut nach Sevastopol mit der Fähre von Istanbul aus anreisen (Fahrzeit ca 24 Std, Kosten ca 120 Euro)!

Schwalbennest und Aj Petri

26/09/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Das Schwalbennest haben wir natürlich auch besucht – ehrlich – hätten wir es uns schenken können. Ein deutscher Ölmagnat (in Baku ansässig)- Baron von Stengel- hat es für seine Geliebte 1911 im gotischen Stil bauen lassen. Wird eigentlich immer genau von einem Punkt aus fotografiert und ist ansonsten nicht besonders beeindrucken, wenn man nicht zu den Touristen gehört, die ein Foto machen und dann weiterziehen.

Schöner war die Fahrt mit der Seilbahn auf den Aj-Petri. Der Berg gehört zum größten der drei Gebirgszüge auf der Krim. Irgendwann war auf dem Gipfel wohl mal eine Kirche zu Ehren des heilige Petrus – deshalb der Name. Oben ist ein richtiges Plateau. Hier habe sich jede Menge tartarisch angehauchter Geschäfte angesiedelt, die warme Socken und sonstigen Schnickschnack verkaufen. Man kann in dieser urigen Athmosphäre auch in Tartarenmanier essen. Man wählt sich entweder einen Fleischspieß aus, der dann für einen auf dem Feuer gegrillt wird oder z. B. usbektischen Reis, den Plow. Schmeckte alles sehr gut.

Ist aber eigentlich ein großer Jahrmarkt, der sich da auf dem Plateau befindet. Da wir mit dem Essen ohne zu Hetzen nicht fertig geworden wären, fuhren wir nicht mit der letzten Seilbahn wieder herunter, sondern mit einem Taxi. Der Taxifahrer des 12-Sitzers wartete bis er alle Plätze besetzt hatte und fuhr erst dann los. Die Mitfahrer unterhielten sich mit dem Fahrer, der sehr menschlich wirkte und dauernd „informatze“ sagte, über politische Themen. Leider verstand ich sonst kein Wort :-). Die Taxifahrt durch dieses Naturschutzgebiet (wir sahen dicht stehenden Wald mit Krimkiefern), auf der anderen Seite des Aj Petri nach Jalta war jedoch sehr schön.

Kosaken

26/09/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Da im 15 – 16. Jhd die Rechte der Bauern in Polen-Litauen immer mehr eingeschränkt wurden, flüchteten sie sich in die südöstlichen Steppengebiete am Unterlauf des Dnjepr, wo sie sich mit den dort lebenden Tartaren zu unabhängigen Verbänden zusammen schlossen.

In dieser Zeit bildeten sich die auch die Traditionen der Kosaken heraus. Es entstehen spezifische Kosakengrade: Ataman, Jessaul, Chorunschi usw. Dabei weichen die Traditionen stark von denen ab, die sonst in der russischen Gesellschaft üblich waren. So zeichnete sich das Leben der Kosaken in unterschiedlichsten Bereichen durch wesentlich mehr Freiheit aus, beispielsweise hinsichtlich der Ehe. Da es in den Landen der Kosaken häufig an Priestern mangelte, wurden die Ehen von den Atamanen geschlossen. Und während für die russische christlich-orthodoxe Gesellschaft die Scheidung nicht in Frage kam, war sie bei den Kosaken gang und gäbe.

Das öffentliche Leben der Kosaken war ebenfalls durchaus frei: das höchste Machtorgan der Don-Kosaken war die sog. Heeresrunde, d. h. die Volksversammlung, die alle laufenden Fragen löste. Darüber hinaus wählte die Heeresrunde die Anführer der Kosaken, die Atamane, und hielt Strafgericht. An der Versammlung durften alle Kosaken teilnehmen. Die Heeresrunde zeugte von der Reife des politischen Lebens der Kosaken, von der endgültigen Herausformung ihrer Gemeinschaft.

1648 führte Hetman Boldan Chmel’nyc’key einen großen Kosakenaufstand gegen das poln. Heer und fügte ihm schwere Niederlagen zu, verjagte die polnischen Adeligen und tötete die meist jüdischen Gutsbesitzer tötete (gilt als erster Aufstand gegen die Juden in Osteuropa). Es ist als ein Mythos um diese wilden Reiter des Ostens.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kosaken

Man darf aber auch nicht vergessen, dass diese verwegene Kämpfer für Freiheit und Unabhängigkeit auch zu grosser Brutalität fähig waren. In der Schlacht von Batoh richteten sie ein Massaker an.

http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Batoh

http://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_bei_Berestetschko

Da sie sich in der Folge nicht ganz den polnischen Einfluss entziehen konnten suchten sie Verbündete. Diese fanden sie in Moskau (damals noch klein und unbedeutend) und zahlten einen hohen Preis. 1654 unterstellen sie nach Verhandlungen freiwilig dem russischen Zaren. Damit hatten sie ihre blutig erkämpfte Autonomie schon wieder verloren und es begann im 18. Jahrhundert der Niedergang Polens und der unaufhaltsame Aufstieg Russlands. Die „Sammlung russischer Erde“, wie es Katharina II, die deutsche Prinzessin auf dem russischen Thron, ausdrückte.

Den Kosaken ist ihre Freiheitsliebe auch unter Katharina schlecht bekommen. Sie ritten zwar an der Seite der Zarin gegen die Türken, sie sicherten die Grenze auf dem „wilden Feld“ im Süden und Osten des russischen Imperiums, aber als das wurde ihnen nicht gedankt:

http://www.kosaken.de/geschichte/kosaken.html

Eine Fernsehserie des ZDF zeigte das in diesem Jahr.

http://neo.zdf.de/ZDFde/inhalt/29/0,1872,8047901,00.html?dr=1

Wir kennen leider nur immer unsere westeuropäische Geschichte.

goldene Horde

26/09/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Die als „Mongolen“ bezeichneten Tartaren, die sich zur goldenen Horde zusammengeschlossen hatten, siedelten hauptsächlich an Wolga und Kama.

Die Masse der Bevölkerung wurde jedoch von Angehörigen türkischer Stämme gestellt. Vielfach entstanden die Städte der Goldenen Horde aus Zeltstädten, die als Kern eine feste Ansiedlung bekamen. Da die Khane (wie auch auf der Krim) die Landeigentümer und Pächter schützten, war die Grundlage einer städtischen Kultur gegeben, auch wenn der Großteil der Bevölkerung noch lange als Nomaden lebte. Auch die Khane selbst zogen es vor, im Sommer in Zelten und nicht im Palast zu wohnen.

Die Goldene Horde belagerte 1241 Krakau und Breslau und drang in Teile Schlesiens vor. 1243 stießen sie bis Wien und an die Adria vor und fielen erneut 1259 und 1285/86 in Polen, 1262 in Ungarn, 1259 und 1275 in Litauen, sowie 1264, 1277/80 und 1285 in die Walachei und Bulgarien ein.

Die Goldene Horde verfügte aber auch über weitreichende Handelsbeziehungen. Besonders der Handel über die Krim nach Ägypten war ausgeprägt und nach Italien.

Des Weiteren existierte ein Handelsverkehr auf dem Landweg über Kiew nach Norden und nach Mitteleuropa. Ein umfangreicher Pferdehandel existierte mit sogar mit Indien.

Die Islamisierung der Goldenen Horde setzte schon im 13. Jahrhundert ein. Im 14. Jahrhundert führte sie, verbunden mit einer staatlichen Neuordnung – zu einer Blütezeit führte. Die Oberschicht trat gleichsam auf Befehl zum Islam über, aber in der Bevölkerung duldete man noch lange schamanistische und christliche Türken und Mongolen. Aber für so ein Reitervolk war der Islam natürlich die richtige Religion.

Um 1346 wurde die Goldene Horde von der Großen Pest in Mitleidenschaft gezogen (85.000 Todesopfer allein auf der Krim). Sie kam über den Handelsverkehr (vielleicht aus China, wo sie 1344 ausbrach).

Nach dem machtpolitischen Zerfall aufgrund innerer Zwistigkeiten entstanden dann die Nachfolge-Khanate, wie das auf der Krim, deren Palast wir besichtigt haben.

http://de.wikipedia.org/wiki/Khanat_der_Krim

Livadya

26/09/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Heute gingen wir nach Osten und sahen uns Livadya an, den ehemaligen Sommerpalast der russischen Zaren, indem Churchill, Roosevelt und Stalin das Schicksal Nachkriegsdeutschland besiegelten.

http://de.wikipedia.org/wiki/Konferenz_von_Jalta

Die drei waren als Wachsfiguren in Orginalgrösse dargestellt und ich staunte nicht schlecht, als ich sah, dass Stalin nur 1,58 cm gross war und recht unbedeutend wirkte. Roosevelt, der amerikanische Präsident war schon vom Tod gekennzeichnet (er starb am 12. April 1945, also nur 2 Monate nach der Konferenz, die vom 4. bis zum 11. Februar stattfand) und Churchill wirkte mit seinem Doppelkinn sehr wohlbeleibt.

Eine seltsame Situation. Gerade hier kam es zur Teilung Deutschland. Die Schwäche von Roosevelt wurde ausgenützt. Aber Amerika hatte zu dieser Zeit ja hauptsächlich Interessen im pazifischen Raum und brauchte dazu die Zustimmung Stalins. Das Blocksystem der Nachkriegszeit nahm hier ihren Anfang:

http://www.arte.tv/de/931830.html

Witzig war dann, als im Souvenierladen nebenbei Angela Merkel als Babuschka verkauft wurde.

Jalta

26/09/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Bisher gefällt mir die Stadt noch nicht so gut. Sie ist einerseits etwas mondän auf der anderen Seite wirkt sie aber auch heruntergekommen. Wir fuhren von Sudak mit einer der berühmten Mashtruka, das sind so Kleinbusse, die überall halten für 45 UAH für uns drei und wurden am Busbahnhof dann gleich von Leuten umringt, die uns Zimmer/Wohnungen anbieten wollten. War etwas nervig. Mit dem Taxi fuhren wir dann mit einer Frau, die sich durchgesetzt hatte, zu ihrer Wohnung. Aber nee, das war es nicht. So heruntergekommen und in einem so schlechten Stadtviertel wollten wir nicht leben. Da wir das Gepäck im Depot an der Bushaltestelle abgestellt hatten, konnten wir loslaufen und uns erstmals die Stadt ansehen und noch ein bisschen Orga machen, denn eigentlich wollten wir in den nächsten Tagen mit einer Fähre nach Odessa fahren. Wir trafen dann auch eine Frau in einem Agentur, die sogar deutsch sprach und uns erläuterte. Ja, das ginge bisher immer, aber jetzt gibt es keine Schiffe mehr. Sie wissen auch nicht warum, aber Fähre nach Odessa gäbe es nicht im Jahre 2011.

Wir beschlossen also den Nachtzug nach Odessa zu nehmen und dafür schon jetzt Fahrkarten zu kaufen (was uns nach einer ausgiebigen Suche nach der Verkaufsstelle, denn auch gelang – einen Bahnhof gibt es in Jalta nicht und wir wollten ja auch von Simferopol starten.)

Nachdem wir alles organisiert hatten, gingen wir zu einem Platz wo die Zimmeranbieter herumsaßen und trafen einen Russen namens Vladimir, der uns eine Wohnung in Zentrumsnähe anbot und sogar englisch sprach.

 

Da er ein Auto hatte, holte er unser Gepräck vom Busbahnhof, fuhr uns sogar noch zu einem Supermarkt vorbei und dann in die Wohnung.

War ok, wenn auch nicht gerade sauber. Wir hatten auch Probleme den Gasherd anzuschmeissen. Aber so langsam wußten wir, wie russische Wohnungen ticken! Rechts ein Bild innerhalb der Russenwohnung, links das Bild vom Balkon aus

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