Die öffentliche Diskussion geht immer am wesentlichen vorbei

17/09/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

China macht Jagd auf Blogger„, so titelt die Süddeutsche und der chinesische Blogger Charles Xue auf dem Bild hat’s sicher gerade nicht leicht im Kampf Chinas um unbotsame Blogger und doch ist immer auch das westliche Paradigma im Spiel. Für Chinesen ist der Mensch ein Fragment, kein Subjekt im westlichen Sinn. Da geht es darum einen EINKLANG zu finden. Sie wollen sich nicht in Konfrontation begeben. Deshalb sind diese Meinungsmacher, die „kontrovers“ diskutieren auch so problematisch im Land der Mitte.

http://www.sueddeutsche.de/politik/kampf-um-die-meinungshoheit-china-macht-jagd-auf-blogger-1.1772765

Chinese-American venture capitalist Xue attends a meeting at the 2012 Global Mobile Internet Conference in Beijing

Und die Süddeutsche ist der Meinung, dass Chinas Kommunisten sich ihre Meinungsmacht im Netz sichern wollen und deshalb „Sünder“ verhaftet und an den Pranger stellt und zur Reue zwingt. das ist sehr sehr eng gedacht, eben von der westlichen Baseline aus.

Und meine Gedanken gehen zum Land in dem ich lebe und in dem ich leider erleben muss, dass die öffentliche Diskussion so stark am Wesentlichen vorbei geht, dass die Herrschenden es gar nicht mal nötig haben mit harten Bandagen zu kämpfen.

Wir diskutieren im Gegensatz zu den Chinesen öffentlich doch gar nicht die wichtigen Dinge (wie z. b die Politik des billigen Geldes) oder die Unterhöhlung unserer Rechte (https://kirkes.wordpress.com/2013/08/07/die-nsa-darf-alles-machen/) von Geheimdiensten und Geheimabkommen.
W a s soll der Stolz auf die Meinungsfreiheit, wenn sie nur für leere Werbebotschaften genutzt wird. Unsere westlichen Staaten haben genausoviel Angst vor seine Bürgern wie China, sonst wären diese von Snowdon aufgedeckten Mechanismen gar nicht nötig.

Mathematik der Vorhersage

12/07/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Bespitzelt und ausgerechnet werden Menschen schon lange. Geheimdienste, Unternehmen, Medien tun das, wenn sie es können und davon profitieren. Warum regen wir uns also auf?

Nun, weil die moderne Technik dem Spitzeltum eine neue Qualität verleiht! Früher lief die Bespitzelung Mensch gegen Mensch ab. Wenn man an die Stasi denkt, hieß das: Wenn ein Telefon abgehört wurde, dann musste einer abgestellt werden, der das Telefongespräch protokollierte und auswertete. Ein abgefangener Brief musste von Hand geöffnet, kopiert, gelesen werden – ein immenser personeller Aufwand.

Doch dann veränderte sich unsere Welt: E-Mails, Online-Banking, soziale Netzwerke, Online-Shopping, Cloud Services, mobile Kommunikation et cetera wurden in kürzester Zeit zum festen Bestandteil unseres Alltags. Digitale Gesichtserkennung mag praktisch erscheinen, wenn Freunde in Facebook identifiziert werden, doch diese Technik lässt sich leicht auf eine gigantische automatische Überwachung übertragen. Bewegungsprofile, Einkaufsmuster, Suchprofile, Reisebuchungen, Freundeslisten, Kinobesuche et cetera verraten sehr viel über uns, alle diese Daten lassen sich automatisch und schnell auswerten und analysieren.

Und dann kommt da noch die Vorhersage des Verhaltens hinzu. Das ergibt erst die richtig scharfe Suppe!

An dieser Stelle überschreiten wir nämlich den Rubikon zwischen Realität und dem digitalen Abbild: Nicht der Mensch an sich, sondern die Vorhersage des Modells wird Grundlage des Handelns.
Es geht eben nicht nur um die Überwachung der realen Person, sondern um die definitorische Macht des digitalen Anbildes, das da geschaffen wird. Dies nimmt die ökonomische, politische und militärische Macht vor, die überwacht. Sie baut das Bild! Die Kalküle werden von ihr als vom Himmel gefallene Wahrsagekunst verkauft.

Dabei kann man durchaus beschreiben, wie sie funktionieren. Sie sind pure Mathematik:
Beginnen wir bei der Identifizierung, d. h. WIE finde ich einen Menschen unter einer Million? Nehmen Sie mal eine Eigenschaft, die nichts Abseitiges ist, die bei einem von zehn Menschen vorkommt. Da würde jeder Bürger einer Stadt mit dreißigtausend Einwohnern sagen: Na gut, wenn das jemand über mich weiß, habe ich nichts dagegen, es gibt ja in meiner Stadt dreitausend Bürger, auf die das ebenfalls zutrifft. Aber mit zwei solchen Eigenschaften filtern Sie mathematisch aus hundert Menschen einen heraus, mit drei einen aus tausend, mit nur sechs Eigenschaften finden Sie einen in einer Million. Das sind orthogonale Filter, im Sinne der Mathematik orthogonal: voneinander unabhängig.

Der zweite Schritt ist nun, dass man die Leute nicht mehr nur finden, sondern digitale Profile erzeugen kann, die sich modellieren lassen – wenn eine Person dies, das und jenes gemacht hat, kann ich mit einer guten Wahrscheinlichkeit vorhersagen, was sie als Nächstes tun wird. Sie haben etwa einen Internet-User, der kauft sich eine Fahrradhose und ein Fahrrad. Dann ist die Wahrscheinlichkeit relativ groß, dass er einen Helm kaufen wird – also kann ich ihm Werbung für einen Helm schicken lassen, von einer Maschine.

Was die Maschine weiß, ist autoritative Quelle. In ersten Ansätzen akzeptieren wir dieses bereits unbewusst: Schon heute googeln wir andere Personen, bevor wir sie treffen.

Die informationelle Selbstbestimmung hat zwei Hindernisse: die Macht der Datensammler und die Ohnmacht der meisten Datenquellen – die sind wir.

Die gesamte Technologie verändert sich in einem atemberaubenden Tempo. Das gesellschaftliche Bewusstsein läuft hinterher, und das rechtliche Bewusstsein fällt noch weiter zurück.

Ed Snowdon

01/07/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich bin verblüfft, was da die letzten Wochen so ab geht. Wir haben auf einmal wieder einen Journalismus,der den Namen verdient und sich nicht nur daran aufgeilt hinter einem Christian Wulff herzuspionieren. Der Spiegel ist aus seinem Dornroeschenschlaf erwacht und Angelika Leuthaeuser-Schnarrenberger ist rehabilitiert. Bis dahin galt sie mit ihren Themen eher als langweilig.

Es wurde in den letzten Woche auch viel über Doppelmoral gesprochen und es stimmt ja auch:
Wenn man sich vorstellt, dass die Chinesen in die amerikanische Botschaft eindringen würden, um dort Wanzen zu platzieren. Hätten die Amerikaner dann gesagt, darüber muss man sich nicht groß aufregen, denn jeder Geheimdienst dieser Welt versucht, Intelligence zu sammeln?
Und ja, auf einmal gibt es Stimmen in Europa, die Obama auffordern, den Friedensnobelpreis zurueckzugeben.

Ja, man kann sich hinstellen und sagen, welch ein Schmierentheater! Aber das ist es nicht, was mich umtreibt.
Ed Snowdon hat uns einen grossen Dienst erwiesen. Ganz sicher! Und ich auch entsetzt, was Gauck zum Thema Freiheit da von sich gab. Trotzdem muss ich fragen?
Was hat Ed Snowdon, was die Anderen, die vorher schon warnten, die Buecherschreiber und sonstigen Leute nicht haben, so dass das Thema so in das Zentrum des Interesses rueckte?

Die Antwort ist, glaube ich einfach: Er lieferte eine unglaubliche emotionale Story nebenbei mit.
Flucht, Transitbereich Moskau, endlose Diskussuionen um Länder die Asyl bieten oder nicht.
Kein Krimi koennte spannender sein! Das ist der Stoff aus dem unsere moderne Welt gemacht ist:
Stories und Bilder, an die man emotional andocken kann.

Piraten, denkt das zu Ende und wir sind wieder im Geschäft

24/06/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Sie ist ja suess, die Marina Weisband von den Piraten und ich habe ihr als Vertreterin einer neuen
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1927472/Marina-Weisband-bei-Precht?bc=svp;sv1&ipad=true
Generation und auch neuen Partei erstmals unvoreingenommen zugehört im Interview mit Precht.

Bald aber stellte sich heraus, wie wenig vergoren ihre Gedanken sind und wie sie zusehends am wesentlichen vorbeigehen.

Eine Marina Weisband und die anderen Piraten kaempfen fuer die Freiheit im Internet, merken aber nicht, dass sie sich damit auch der Macht der Bilder und dem Abgehoertwerden ausliefern

Welches der Tagesschaum, wunderbar persifliert:

m.youtube.com/#/watch?v=8YspY-_2HZs&desktop_uri=%2Fwatch%

https://kirkes.wordpress.com/2012/12/28/assange-und-die-macht-der-bilder

Dies ist doch das eigentliche Problem, dass wir gerade die Schriftkultur mit den neuen Medien wieder verlassen (wie es McLuhan und auch die Merkel mit ihrem Neuland ausdrücken würden). Hier und in Bezug auf eine sichere europäische Infrastruktur müssen wir neue Wege finden, wollen wir das Erreichte, wie es Precht mit Verweis auf Kant anführte, bewahren.

Es geht ums Subjekt und seinen Schutz, der von den Freiheitskämpfern mit soviel Blutzoll erkauft wurde, und jetzt im Vorbeigehen zur Disposition gestellt wird. Darum geht es doch und deshalb hat Ed Snowdon so eine Resonanz bekommen. Es ist unglaublich, was da in Richtung Geheimdienste in den letzten Wochen public wurde und was er da durchaus untern Einsatz seines Lebens ausgeplaudert hat. Aber das ist ja auch die optimale Traegerwelle fuer so ein Thema. Fachliches ist in der Medienwelt uninteressant.

Einfach eine bessere Welt zu erfinden, die nett und fehlertolerant ist und sich auch ansonsten an (alte!) Regeln hält, ist mehr als naiv. Es ist gefährlich, gerade wenn ich an die neuen Enthüllungen im Umfeld der Cyberkriminalitaet und des Cyberwar denke. (siehe Krieg der Rechner:
https://zeitschrift-ip.dgap.org/de/ip-die-zeitschrift/archiv/jahrgang-2011/maerz-april/krieg-der-rechner. )

Wo sind eigentlich die jungen Leute, die wirklich denken können? Irgendwo muss es sie doch geben -auch bei den Piraten!
Wer wirklich etwas zu dem Thema Freiheit im Internet zu sagen hat ist :
http://de.wikipedia.org/wiki/Evgeny_Morozov

Aber auch die beiden Domscheit-Bergs (Anke und Daniel) scheinen nicht von der naiven Sorte zu sein.

Strukturwandel der Öffentlichkeit und Korrision der Demokratie

13/02/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Weshalb ist der Begriff der Öffentlichkeit so uneingeschränkt positiv besetzt und wird immer als urdemokratisch betrachtet? Eigentlich ist es doch so, dass die öffentliche Diskussion meist am Wesentlichen vorbei geht. Zudem steht in den neuen Medien alles gleichberechtigt nebeneinander. Der Laie äußert sich ebenso selbstgewiss wie der Experte. Und es ist eine gewisse Unberechenbarkeit im Gange, wie die junge russische Forscherin Anna Litvinenko schreibt:Niemand wusste im Dezember in Russland, worauf diese Schwarmbewegung aus dem Internet hinausläuft – man hatte keine Ahnung, was auf der Straße passieren würde.“

Das World Wide Web verändert die politische Kommunikation, schafft neue Räume zwischen Öffentlichkeit und Privatem und wirkt dabei auch auf ältere Medien zurück – das gilt für Russland ebenso wie für Deutschland: Was dort die webgesteuerten Proteste gegen Putins Wahlsieg waren, sind hier der Erfolg der Piratenpartei bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 2011 oder die Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenberg.

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Assange und die Macht der Bilder

28/12/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Man darf in einer Demokratie alles tun, solange man keinen Ressonanceboden bekommt und die gegebene Ordnung nicht in Frage gestellt wird.

Bilderwelten, die die Emotionen ansprechen, sind in der neuen Multimedialen Welt eine Waffe. Dem letzten wurde das am 11.9.2001 klar, als  die twin-towers in sich zusammenstürtzen und die mächtige USA, der damals einzig verbliebene Hegemon, gedemütigt wurde. 

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Danilo Zolo`Gedanken und die grösste Demokratie der Welt

13/08/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Danilo Zolo ist für mich einer der wachsten und kritischsten Denker der Gegenwart:

Da hat dieser Danilo Zolo 1995, damals schon 65jährig, einen ungeheuer klaren Blick auf die aktuellen Verhältnisse gehabt und dieser Blick ist auch jetzt noch gültig.

Für ihn ist die repräsentative Demokratie ein Subsystem in einem Systemraum zunehmender Differenzierung, welches fatalerweise gerade darauf hinausläuft, dass der Versuch W I S S E N anzuhäufen (um die sozialen und sonstigen Risiken zu minimieren) dazu führt, dass die Komplexität e r h ö h t wird.

Mehr Erkenntnisse führen also nicht zu einem einfacheren System , sondern im Gegenteil zu einem System mir mehr Variablen, zunehmender Abhängigkeit und zu einem zunehmend unstabilen Umfeld.

In dieser zunehmend komplexen Umwelt werden die Individuen gezwungen hochpräsent jederzeit grundlegende Entscheidungen zu treffen, was sie natürlich in einen chronischen ALARM-Zustand versetzt.

Überhaupt ist Aufmerksamkeit ein sehr rares Gut geworden. Hierum buhlen alle Medien. Aber (und das ist ja gerade das Paradoxe) genau diese Medien ermöglichen es wieder dem einzelnen in einen „Raum“ abzutriften, in dem die Wirklichkeit ausgeblendet werden kann. Die Beliebtheit der täglichen Soaps sind ein gutes Beispiel dafür!

Danilo Zolo´s Grundthese ist, dass es die Aufgabe des politischen Subsystems ist ANGST zu vermindern. Da kann man mit Luhmann ja schnell zustimmen. Interessant wird es erst da, wo er hinschaut, ob d a s die Struktur unseres heutigen politischen Subsystems überhaupt noch kann. Da wird er hochaktuell!

http://www.podcast.de/episode/1857780/Demokratie_in_der_Krise

Danilo Zolo sagte schon 1995, dass er da Zweifel hat. Er begründet es mit einem Blick in die Geschichte und stellt die Behauptung auf, dass der Sonderfall D e m o k r a t i e nicht ein Fortschritt an Menschlichkeit zu sehen ist, sondern die geeignete Regierungsform ist für eine sich ausdifferenzierende Gesellschaft. Nach Zolo ist eine zentrierte organische Gesellschaft (wie es z. B. die Araberstämme bis vor den ersten Weltkrieg waren) mit einer Monarchie , d. h. einer zentralen Regierungsform besser bedient, da sie in diesem Umfeld effizienter ist.

Nach Zolo ist gerade die Ineffizienz der Einbettung der vielen pluralistischen Aspekte der grosse VORTEIL der demokratischen Regierungsform.

Demokratie ist also nicht per se das Gute, sondern durchaus f u n k t i o n a l zu betrachten.

Aber gerade wenn man so argumentiert, schließt sich notgedrungen die Frage an:

Ist das heutige demokratische System noch adäquat? Wird es seine Aufgabe der Angstverminderung gerecht? Sind die Grundbegriffe in einer Welt der Hochtechnologie und der Massenmedien noch die Gleichen, wo sie doch einen hohen Grad an Wirklichkeitsverlust zulassen?

Man kann auch noch anders fragen: „Was sind die evolutionären Risiken unseres politischen Systems?

Wo bin ich?

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