Wirtschaftswissenschaftler: „Wenn‘ s der Markt bezahlt, dann bin ich es wert!“

08/08/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Den Wirtschaftswissenschaftlern brechen die Fundamente ihrer Theorien weg, das wurde schon vor einiger Zeit deutlich und es ist geradezu grotesk wie sich Erkenntnisse von Nobelpreisträgern in Luft aufloesen. Hier muss man wirklich die Frage stellen, was sie wert sind.

Meiner Meinung nach entspringt die Krise einer unbeschreiblichen Unbekümmertheit der Volkswirtschaftler.
Es ist gerade ihr Erfolg in dem Vierteljahrhundert zwischen 1982 und 2007 gewesen, der die Geldpolitiker und ihre akademischen Berater unvorsichtig werden ließ.

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Mathematik der Vorhersage

12/07/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Bespitzelt und ausgerechnet werden Menschen schon lange. Geheimdienste, Unternehmen, Medien tun das, wenn sie es können und davon profitieren. Warum regen wir uns also auf?

Nun, weil die moderne Technik dem Spitzeltum eine neue Qualität verleiht! Früher lief die Bespitzelung Mensch gegen Mensch ab. Wenn man an die Stasi denkt, hieß das: Wenn ein Telefon abgehört wurde, dann musste einer abgestellt werden, der das Telefongespräch protokollierte und auswertete. Ein abgefangener Brief musste von Hand geöffnet, kopiert, gelesen werden – ein immenser personeller Aufwand.

Doch dann veränderte sich unsere Welt: E-Mails, Online-Banking, soziale Netzwerke, Online-Shopping, Cloud Services, mobile Kommunikation et cetera wurden in kürzester Zeit zum festen Bestandteil unseres Alltags. Digitale Gesichtserkennung mag praktisch erscheinen, wenn Freunde in Facebook identifiziert werden, doch diese Technik lässt sich leicht auf eine gigantische automatische Überwachung übertragen. Bewegungsprofile, Einkaufsmuster, Suchprofile, Reisebuchungen, Freundeslisten, Kinobesuche et cetera verraten sehr viel über uns, alle diese Daten lassen sich automatisch und schnell auswerten und analysieren.

Und dann kommt da noch die Vorhersage des Verhaltens hinzu. Das ergibt erst die richtig scharfe Suppe!

An dieser Stelle überschreiten wir nämlich den Rubikon zwischen Realität und dem digitalen Abbild: Nicht der Mensch an sich, sondern die Vorhersage des Modells wird Grundlage des Handelns.
Es geht eben nicht nur um die Überwachung der realen Person, sondern um die definitorische Macht des digitalen Anbildes, das da geschaffen wird. Dies nimmt die ökonomische, politische und militärische Macht vor, die überwacht. Sie baut das Bild! Die Kalküle werden von ihr als vom Himmel gefallene Wahrsagekunst verkauft.

Dabei kann man durchaus beschreiben, wie sie funktionieren. Sie sind pure Mathematik:
Beginnen wir bei der Identifizierung, d. h. WIE finde ich einen Menschen unter einer Million? Nehmen Sie mal eine Eigenschaft, die nichts Abseitiges ist, die bei einem von zehn Menschen vorkommt. Da würde jeder Bürger einer Stadt mit dreißigtausend Einwohnern sagen: Na gut, wenn das jemand über mich weiß, habe ich nichts dagegen, es gibt ja in meiner Stadt dreitausend Bürger, auf die das ebenfalls zutrifft. Aber mit zwei solchen Eigenschaften filtern Sie mathematisch aus hundert Menschen einen heraus, mit drei einen aus tausend, mit nur sechs Eigenschaften finden Sie einen in einer Million. Das sind orthogonale Filter, im Sinne der Mathematik orthogonal: voneinander unabhängig.

Der zweite Schritt ist nun, dass man die Leute nicht mehr nur finden, sondern digitale Profile erzeugen kann, die sich modellieren lassen – wenn eine Person dies, das und jenes gemacht hat, kann ich mit einer guten Wahrscheinlichkeit vorhersagen, was sie als Nächstes tun wird. Sie haben etwa einen Internet-User, der kauft sich eine Fahrradhose und ein Fahrrad. Dann ist die Wahrscheinlichkeit relativ groß, dass er einen Helm kaufen wird – also kann ich ihm Werbung für einen Helm schicken lassen, von einer Maschine.

Was die Maschine weiß, ist autoritative Quelle. In ersten Ansätzen akzeptieren wir dieses bereits unbewusst: Schon heute googeln wir andere Personen, bevor wir sie treffen.

Die informationelle Selbstbestimmung hat zwei Hindernisse: die Macht der Datensammler und die Ohnmacht der meisten Datenquellen – die sind wir.

Die gesamte Technologie verändert sich in einem atemberaubenden Tempo. Das gesellschaftliche Bewusstsein läuft hinterher, und das rechtliche Bewusstsein fällt noch weiter zurück.

Herrschaftssysteme und Eigentumsrecht

11/12/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Geht es jetzt im 21. Jahrhundert um ein neues Herrschaftssystem? Sollten wir nicht an die Kosaken anknüpfen, die versuchten herrschaftsfreie Territorien aufzubauen?

Mir scheint, in jedem west- und osteuropäischen Menschen ist dieses Gen vorhanden, die Herrschaft antreten zu wollen. Aus den kleinsten Keimen, wie z. B. der Kiewer Russ ist ein riesiges System entstanden, das lange Zeit einen großen Teil des asiatischen Kontinent umspannte. Nun sicher, was da im Osten entstand, war nicht unbedingt demokratisch, aber es war erfolgreich bis 1990.

Auch unsere deutsche Vergangenheit, die Langprozesse der dt. Geschichte, bewegten sich bisher nur kurze Zeit in demokratischen Bahnen. In der deutschen Gesellschaft gab es Eigenentwicklungen, die schnell davon weg führten, weil sie nicht effizent waren und erst nach der totalen Niederlage im 2. Weltkrieg und mithilfe einer Anleitung durch die Weststaaten kam es zu dieser Demokratie auf deutschen Boden. Aber ist diese Demokratie in jedem Fall richtig?

Ich denke, wir können uns nicht selber voraus sein. Es gibt keine heilige Schrift, die uns wirklich anleiten kann, auch nicht die der Westmächte. Die Herrschaftsansprüche der Euroäer scheinen mir vom monotheistischen Christentum, egal ob ‚West- oder Ostkirche“ abgeleitet. Die Stämme Arabiens ticken anders. Ihnen taugte der Islam besser, um ihre eher nomatischen Stammesstrukturen zu stützen.

Haben nicht erst die Engländer die Stämme Arabiens nach dem 1. Weltkrieg zur Staatenbildung gezwungen? Ist nicht der Iran ein Sammelsurium, genau so wie Ex-Jugoslawien? Zerreißt es solche künstlichen Gebilder ohne Herzblut bisher nicht immer nach kurzer Zeit? Was passiert, wenn die Amerikaner sich aus dem Iran zurückziehen, die Aufspaltung in einzelne Stämme? Was wird aus Afghanistan nach der Besatzungszeit? Ein Staatengebilde nach europäischen Vorbild? Wohl kaum!

Was ist mit unserer Demokratie? Nicht, dass ich nicht stolz darauf bin, was wir da entwickelt haben, aber ich will es auch kritisch hinterfragen dürfen, denn Demokratie ist kein Verfahren, um ein wirklich gutes Ziel zu erreichen. Demokratie ist eine Methode um Macht zu zerstreuen, um verschiedene Gruppen in den Ausgleich zu bringen. Diesen Ausgleich machten die Chinesen auch in ihrem Kaiserreich, wenn auch mit anderen Methoden.

Dazu ist eine verfeinerte Volksmeinung nötig. Gerade die deutsche Geschichte weißt auf, dass der Rohstoff Volksmeinung nicht immer in die richtige Richtung zeigt. Es kann auch in Richtung Abgrund gehen. Und diese Verfeinerung hat manchmal einen dunklen Bodensatz, so wie wir nicht mehr sehen können, dass Tiere gequält werden, daneben aber durchaus akzeptieren, riesige Schlachthöfe zu betreiben, deren Brutalität nicht zu überbieten ist. Das Vordergründige ist eben nicht immer wahr.

Und ich staune über den Balance-Akt, den unsere Bundeskanzlerin vollbringt in der Eurokrise:

Da muss sie (um demokratisch legitimiert zu sein) ihren Blick auf die Innenpolitik richten, denn hier werden Wahlen gewonnen. Was nützt es, recht gehabt zu haben, wenn man wie Gerhard Schröder nach seiner Agenda 2010 abgewählt wird. Die Volksmeinung wird nie so verfeinert sein, dass sie langfristige Weichenstellungen ins Kalkül ihrer Entscheidung einbezieht. Dieshalb haben wir ja auch eine repräsentative und keine direkte Demokratie.

Aber seit jetzt nun mehr als 10 Jahren kommt da noch eine europäische Öffentlichkeit hinzu, die nach ganz anderen Kriterien mißt und erklärtermaßen andere Ziele hat. Eine Wirtschaftspolitik, die Deutschland hilft, ist nicht immer im Sinne von Griechenland, ‚Spanien und neuerdings auch Frankreich. Bisher konnte sie sich l e i s t e n, diese Öffentlichkeit zu verprellen. Aber ist d a s Demokratie??

Anders sah es und sieht es mit den Akteuren der Finanzwelt aus. Hier ist das Thema Eigentum in modernen Gesellschaften verborgen. Ein super wichtiges Thema. Mindestens so wichtig wie EUROPA. Diese Finanzkreise reagieren schnell und hochsensibel. Es ist, wie Lehman Brothers gezeigt hat, eine große Ansteckungsgefahr vorhanden. Es hat etwas hysterisches und ist alles andere als stabil. Der Augenmerk auf dieses System ist mindestens so wichtig, wie jenes auf die Innenpolitik. Und so reagiert sie ja auch, unsere Kanzlerin.

Sie ist eine Zauberin im Sinne von Thomas Mann und schafft es bisher ganz gut, die Impulse so zu setzen, dass die Teller sich immer weiter drehen und nicht zu Boden fallen. Aber WAS kommt bei diesem Kraftakt heraus? Werden hierbei auch Weichenstellungen für die Zukunft getroffen, die uns aus dem Dilemma heraus bringen?

Ich denke nicht! Warum denke ich an Thomas Manns Budenbrooks?

Wo bin ich?

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