Unter Kontrolle oder „Morgen werde ich Idiot“

14/01/2014 § Ein Kommentar

Kurz nach den Snowden-Enthüllungen tippte ein in Wisconsin lehrender Philosoph http://wp.me/p18Mm2-18w unter dem Namen NeinQuarterly, lakonisch die Worte „Foucault, dude“ in sein Mobiltelefon. Der französische Philosoph Michel Foucault hatte tatsächlich 1975 bereits alles wesentliche gesagt, was man jetzt wissen musste, in seinem Buch „Überwachen und Strafen“, ein Buch so schwarz, dass sich Célines Menschheitsbeschimpfung „Reise ans Ende der Nacht“ dagegen wie ein Sonntagsspaziergang ausnimmt.

Foucault analysiert, wie am Ende des 18. Jahrhunderts mit Beginn der Moderne der Mensch neu erfunden und fabriziert wird: nicht etwa als der Träger von gleichen Rechten, als Subjekt von Freiheit und Selbstbestimmung, diese aufklärerischen Ideale seien nur Überbau, Formalien, Tand. Entscheidend sei, „das Problem des Eintritts des Individuums (und nicht mehr der Spezies) in das Feld des Wissens“. Entscheidend sei, dass durch Aufzeichnungs- und Registrierungsverfahren, Überprüfungs- und Überwachungsmechanismen das Individuum zum „berechenbaren Menschen“ werde, erzeugt von einer „Mikrophysik der Macht“, die in ihrem disziplinarischen und kontrollierenden Zugriff auf den Menschen das reibungslose Funktionieren der Gesellschaft garantiere.

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gescheit gescheitert

09/01/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

big-nein-0

The very best piece of writing I’ve encountered on Twitter comes from a feed called NeinQuarterly.

Here it is: “At Starbucks I order under the name Godot. Then leave.”

Vor 2 Jahren er, Jarosinski, zu twittern begonnen. Mit seinen klugen, geschliffenen Aphorismen und Späßen begeistert er nicht nur mich.

Chefredakteure und Verleger beginnen damit, sich für seine Arbeit zu interessieren. Er gefällt sich in seiner neuen Rolle als gescheiter(ter) Akademiker.

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das ausgeuferte Egalitätsprinzip und Hannah Arendt

03/04/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Hannah Arendt führt in ihrem Werk wissenschaftlich fundiert aus, wie das IDENTISCHE, die E i n m ü t i g k e i t aller im Politischen (wie sie z. B. im linken Gedankengut aus der theoretischen Reflexion erzeugbar sein soll) die totale Herrschaft gerade initiert, i n d e m sie den Unterschied zwischen Herrschern und Beherrschten abschafft!
Für sie ist das ausgeuferte Egalitätsprinzip der Moderne, d. h die immerwährende Suche nach dem Identischen,
die Ursache für den totalitären Staat und somit auch verantwortlich für die misslungenen politischen Experimente im 20igsten Jahrhunderts
sowohl links als auch rechts ..

So sagte Hitler z. B. vor seinen Kohorten: „Alles, was ihr seid, verdankt ihr mir, alles, was ich bin, verdanke ich euch“.
das ist ein w a h r l i c h gefährliches Komplott!
Das gefährliche ist n i c h t die Machtausübung (oder der Wille zur Macht) eines Individuums, das den Untertanen seinen tyrannischen Willen aufzwingen will,
So einfach ist die Sache nicht!!!!!!!!!!
Das wirklich Gefährliche ist, dass der totale Führer n i c h t s anderes ist, als der Exponent der von ihm geführten Massen

Hannah Arendt ist der Meinung, dass überall da wo die grundlegende Idee dahin geht, die V i e l f a l t, die Meinungsvielfalt zugunsten einer Einheitsmeinung abzuschaffen, dass es an dieser Stelle gefährlich wird!
Denn was ist die „Masse“ anders als Vereinheitlichung?Ist es nicht der kleinste gemeinsame Nenner aller?

Arendt tritt dafür ein, Institutionen zu schaffen, die ein Gerüst geben für die Aufnahme unterschiedlichster Meinungen.
Sie geht somit nicht von einer bestehenden Wahrheit, sondern von einer immerwährenden W a h r h e i t s s u c h e aus
(und lässt damit Raum für E m e r g e n z , für die Entsteheung von Neuem)
Und genau da trifft sie sich mit Nietzsche, der ja auch den Kreativen, die Künstler losschickt oder besser gesagt denjenigen, der in Weiterentwicklung begriffen ist.

Nichts ist fertig!!!
Wir müssen Rahmenbedingungen für Entwicklung schaffen
Keine Nester in denen sich die Trägen geruhsam zurückziehen
und sich zu einem Einheitsbrei verkneten lassen
und die Maßstäbe immer weiter herunterschrauben

Das Subjekt und Hannah Arendt

31/12/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Jetzt wird sie mal wieder ins Bewußtsein gehoben, die schon tot geglaubte „Hündin“ durch den Film von Margarete von Trotta

http://de.wikipedia.org/wiki/Hannah_Arendt_(Film)

»Seit den Sechzigern war Hannah Arendt für die Oppositionsbewegungen des Westens in dem Sinne, in dem es Marx über Hegel gesagt hatte, eine tote Hündin. Dass sie jetzt wieder hervorgekramt wird, bedeutet wohl, dass wir in einer weit liberaleren Zeit leben. Mich hat sie immer interessiert, wenn auch meist aus einem anderen Blickwinkel heraus. Sie hat mir in ihren Bücher erläutert, dass wir in einer „Welt“ leben, die uns von unseren Vorfahren übergeben wurde. Diese Welt nannte sie „die Zweithöhle für geborene Wesen“, den sekundären Uterus.

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China, das Zeitalter der Rhetorik und das Subjekt

27/12/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Es war ein spannender Betrag im philosphischen Radio im WDR mit Dr. (phil.) Harald Wasser:

http://medien.wdr.de/m/1353097447/radio/philosophischesradio/wdr5_das_philosophische_radio_20121116_2100.mp3

http://www.hauptsache-philosophie.de/Weltbild-der-Rhetorik-INT-Fassung.pdf

Er erzählt vom Weltbild der Rhetorik, vom Buchdruck und von der Erfindung des Subjekts. Dabei ist seine These:

Das „Subjekt“ stellt den Gegenpol zur Rhetorik, zur Ordnungsform des Mündlichen dar und ist erst nach der Erfindung des Buchdrucks (im Sinne McLuhans) als neue Sozialform aufgetreten. Mit ihr folgte parallel die Dominanz des Verstandes.

Nun, das paßt ja mit vielen meiner Überlegungen zusammen:

https://kirkes.wordpress.com/2010/11/03/selbstprasenz-und-kontrolle/

https://kirkes.wordpress.com/2012/07/30/george-spencer-brown/

https://kirkes.wordpress.com/2012/08/04/das-subjekt-der-psychoanalyse/

https://kirkes.wordpress.com/2012/08/04/das-subjekt-des-aussagens-und-das-subjekt-der-aussage/

https://kirkes.wordpress.com/2012/08/09/das-subjekt-und-die-piraten/

TROTZDEM habe ich Fragenzeichen im Kopf

Wie paßt das alles denn zu CHINA, zur chinesischen Philosophie, zum chinesischen Denken zur chinesischen Staatenbildung?

https://kirkes.wordpress.com/2012/06/16/chinesische-philosophie/
Ist die chinesische Philosophie nach dieser Beschreibung nicht eher ein Sozialsystemen des Mündlichen?

Und doch hat China sein Weltreich auf die Schriftkultur aufgebaut:

https://kirkes.wordpress.com/2010/11/09/chinas-geschichte/

Die Schriftlichkeit und die Literaturbeamten waren grundlegend für die 3000jährige Beständigkeit des Systems.

Bemerkenswert ist ja auch, dass sich im Laufe der Jahrhunderte die Schriftsprache immer mehr von der gesprochenen Standardsprache und den regionalen Dialekten entfernte. Die Leute im Süden, wo wir waren, konnten die Han-Chinesen schlecht und gar nicht verstehen, die zusammen mit uns da ebenfalls als Touristen unterwegs waren. Aber lesen konnten sie, was da geschrieben stand.

Wieso wurden die „Literaturbeamten“ nicht zu Don Quijotes im westlichen Sinn, wie Harald Wasser im philosphischen Radio so schön ausführte?. Bei diesen Literaturbeamten ist doch eine Synthese entstanden zwischen dem Schriftprinzip und der mündlichen Welt, denn diese Beamten konnten aus untersten Kreisen kommen, mußten jedoch eine Prüfung ablegen zum Nachweis ihrer Befähigung, denn nur Leute mit Talent und Tugend sollten Beamte werden können.

http://www.de-cn.net/dis/auf/de7511751.htm

Nun ja, ein bisschen wurden sie das auch, wenn auch in einem etwas anderen Sinn, denn der Kult der Bildung und Gelehrsamkeit führte zu einer gewissen Verachtung der Körperertüchtigung und der Gewaltanwendung und damit zu einer Art Verweichlichung der chinesischen Mentalität und zur Schwächung der Schlagkraft der Militärs, was zeitweise fatale Folgen hatten.

Trotzdem ist hier eine völlig andere Abstrahierung entstanden wie in Europa. Die ganze Schriftkultur lief anders ab.

Es würde mich schon interessieren, wie sich diese andere Entwicklung auf die Bildung des Subjekts auswirkte,

Ja, was bedeutet diese andere Entwicklung der Schriftkultur in China für die Thesen über das Subjekt?

Was ist bei der Individualisierungsbewegung im Abendland passiert und was gegenläufig dazu in China?

Slavoj Žižek, das Subjekt der Piraten

16/08/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Der deutsche Realismus zeigte als erstes philosophisches System auf, dass unsere Realität nicht objektiv gegeben ist, sondern erst durch die aktive Teilnahme eines SUBJEKTS konstruiert wird.

http://www.youtube.com/watch?v=KvjGOncSyHM

Es gibt nämlich etwas, das der Realität vorausgeht und das ist nach Slavoj Žižek, dem brillianten slowenischen Philosophen das SUBJEKT

Und ich glaube, s e i n e Gedanken gehen der Realität der Piraten voraus und sie tun gut daran sich nicht im gegenwärtigen politischen System aufzuarbeiten.

Žižeks Texte kreisen um Identitäten, um Identitätsbildung und deren wechselnde Beziehungen zu den gesellschaftlichen Verhältnissen.

Lacan´s Konzeption des Anderen, über den sich das Subjekt erst konstituiert, ist wesentliches Grundelement auch der Gedankenwelt Žižeks . Nach Lacan gibt es einen „Vertrag“ zwischen dem „Ich“ und dem „kleinen Anderen“. Dieser Vertrag ist nichts anderes als die Sprache. So ist das Subjekt also nichts anders als ein Sprachwesen und die Sprache das Maß aller Dinge. Das ist ein ganz wichtiger Punkt, denn durch diesen Gedanken wird das im Westen so wichtige Subjekt erst durch die symbolische Ordnung der Sprache geprägt und ist nicht per se gegeben.

Das Subjekt ist nicht das Machende, sondern das Gemachte. Das ist ganz fatal. Wie kommt man da heraus? Wir können doch das was unbedingt nötig ist, nämlich ein politisches Subjekt jenseits von Staat, Kultur und Identität zu konstituieren doch gar nicht zustande bringen. Aber genau das brauchen wir, um aus dem Dilemma heraus zu kommen!

Žižek träum zur Lösung dieses Dilemmas von einem Sprung!

Aber was meint er damit? Nun für ihn ist es eine ins Unbekannte hin drängende Lebensbeziehung, eine Befreiung zu Neuen hin, ein Weggehen aus dem kapitalistischen Weltsystems, dessen Zerfall er einfach mitdenkt.

Eines muss man sich klar machen: Für Zizek ist die Frage nicht: “ Wie bekommt man Macht und Einfluss in dem gegenwärtigen System, sondern gibt es einen Punkt außerhalb?

Und diese Frage hat es ja in sich, denn das Vermögen des gegenwärtigen Systems ist es, sich alles und jedes einzuverleiben.

Da kann ich nur zustimmen, war ich doch sehr verblüft, dass in Süd-China das 3000 jährige chinesische Kaiserreich und sogar die 50 Jahre Kommunismus es nicht geschafft haben, die Kulturen der multi-ethnischen Völker zu zerstören. Das kapitalistische System hat da kein Problem, was die anderen Systeme nicht schafften bringt es in kürzester Zeit, in ca 20 Jahren zustande.
https://kirkes.wordpress.com/2010/10/19/hello-world/

Zizek fordert die Piraten auf, die Unsicherheiten zu akzeptieren, nicht sofort Antworten zu geben, damit nicht zerstört wird, was noch gar nicht wirklich auf der Welt ist.

Recht hat er! Es ist besser diese Unsicherheiten zu akzeptieren, als sich zu früh dieser Auseinandersetzung zu stellen.

Und hier sind wir wieder bei den Piraten. Sie kämpfen für Freiheit im Internet und das tun sie mit einem gewissen Charme. Aber um wirklich etwas ändern zu können, müssen sie viel grundsätzlichere Fragen stellen und sich zum Beispiel Gedanken zu den Eigentumsrechten überhaupt machen. Mit solchen Fragestellungen kann man aber keine Wahlen gewissen. Alles womit man Wahlen gewinnen kann, hat etwas mit Belanglosigkeiten zu tun.

Es gibt meines Erachtens nur einen Ansatz der verfolgt werden kann. Wir müssen nicht alles neu erfinden. Die Trennung von Theorie und Praxis muss aufgegeben werden. Das ist altes chinesisches Gedankengut und hier können wir uns Anleihen holen: http://www.sueddeutsche.de/kultur/occupy-wall-street-streit-lasst-euch-nicht-umarmen-1.1174532

https://kirkes.wordpress.com/2012/06/16/chinesische-philosophie/

Dilthey und das Subjekt

09/08/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

http://de.wikipedia.org/wiki/Dilthey

Dilthey ist interessant, wenn man über das Subjekt nachdenkt, denn er stellt den Menschen nicht in den Naturzusammenhang (wie es die Physiker so gerne tun) und was Sheldon in „the big bang theorie“ so herrlich versinnbildlicht und veralbert.

Dilthey bindet ihn in den Geschichts- und Kulturzusammenhang ein. Bei ihm ist die Vernunft keine überzeitliche und unveränderliche Größe eines individuellen Subjekts, sondern hat ihre Ausprägung im Verlauf der Geschichte erfahren und wird dadurch konstatiert. Dilthey ist weit weniger abstrakt als Hegel, er führt den geschichtlichen Prozess nicht zu einem metaphysischen System des absoluten Wissens zusammen, sondern er zeigt, wie sich eine Weltanschauung erst durch die vielen kleinen Gewissheiten des Lebens selbst ausprägt.

Dilthey entwickelt dabei einen Begriff des Bewußtseins als zentraler Instanz des Erlebens. Wobei zu beachten ist, dass für ihn das Bewußtsein k e i n Behälter oder soetwas ist. Nein, er geht hier viel weiter. Erst das substantivierte „Bewusstsein“, also das ICH oder das SELBST, werden von ihm als „Ding“ aufgefaßt. Genau mit diesem Vorgehen nimmt er Abschied von einer Philosophie, die vom theoreotischen Verstand ihren Ausgang nimmt. Ist ja schon mal ganz sympathisch.

Für Dilthey gibt es k e i n rein erkennendes Subjekt, da der Mensch immer in seine Erfahrungswelt eingebunden ist und daraus nicht lösbar ist.

Wo bin ich?

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