Scharfe Daten-Suppe

23/03/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

Selbst die CeBit erkannte, dass eine wichtige gesellschaftliche Debatte ansteht und verpaßte dem Thema-wie könnte es anders sein-ein neues buzzword. Unter dem Titel „Datability“ – sie meinen damit den „nachhaltigen“ Umgang mit Daten – will sich die IT-Industrie, aufgeschreckt durch die Snowden-Enthüllungen, an dem Diskurs beteiligen, der sich den Chancen und den Risiken der digitalen Moderne widmet.
Sie denkt natürlich an die Chancen, mir erscheinen dagegen die Risiken wie eine schwarze Mauer, die fast unvermeidlich ist.

Die CeBit zeigt es ja, es geht rasant weiter: IBM’s Supercomputer Watson versucht die Medizin auf den Kopf zu stellen. Er sammelt Daten und spuckt Diagnosen aus und soll zum goldenen Kalb im gewaltigen medizinisch-digitalen Gesundheitsmarkt werden. Es gibt jetzt schon 70000 Apps, die nichts anderes im Sinn haben, als Informationen aus unseren Körpern zu sammeln, alle möglichen Vitaldaten abzusaugen und sie natürlich genial zu interpretieren. Schon wissen diese Digitalgiganten mehr über uns „ihre Kunden“ als wir auch nur ahnen können und der Schritt zur Manipulation ist ja nun wahrlich nicht weit.
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Aber es geht ja noch intelligenter. Will man etwa wissen, was jemand wie Bezos vor hat, dann muß man aufpassen, denn die elektronischen Medien haben schon jetzt unser aller Denken verändert.. Intellektuelle sagen, dass die Signatur der postmodernen „elektronischen Welt“ ein Überschuss an Gegenwart ist und dass diese Gegenwart-und das ist das fatale- durch die elektronischen Medien selbst erzeugt ist. Es ist ihr blinder Fleck. Das ist selbstreferentiell. Jeder Mathematiker weiß, dass es an dieser Stelle gefährlich wird.

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Emotional bewirtschaftet!

09/01/2014 § Hinterlasse einen Kommentar

War die Tiefenstruktur der NS-Machtausübung eine bewusst eingesetzte emotionale Abhängigkeiten, ähnlich der Abhängigkeit von Drogen? Gab es so nach dem Ende der NS-Gewaltherrschaft in vielen Teilen der Bevölkerung eine Art emotionaler Entzugserscheinungen?

Die Unfähigkeit von Tätern, Mitläufern und Zuschauern zu trauern habe hätte hier eine ihrer Wurzeln.

Diese Thesen und Erkenntnissen liegen dem Buch von Stephan Marks zugrunde, der ernst machen will mit der Forderung, nicht nur über die Geschichte zu lernen, sondern vor allem auch aus der Geschichte.

Aufgearbeitet wurden in dem Forschungsprojekt Erinnerungen von 23 Männern und Frauen und von Teilnehmenden an 11 Gruppeninterviews, die die Nazizeit bewusst als Täter, Mitläufer und Zuschauer erlebt haben.

In sechs Kapiteln werden die Auswertungskategorien (Magisches Bewusstsein, hypnotische Trance, Schamabwehr, Narzissmus und narzisstische Kollusion, Traumata früherer Generationen, Abhängigkeit) deutlich.

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NEIN.Franziskus

29/11/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Sahra Wagenknecht hat Papst Franziskus im denkwürdigen Gespräch mit Markus Lanz gelobt! Franziskus verkündet und l e b t in ihren Augen linkes Gedankengut.

So wohnt er im Vatikan im Gästehaus Santa Marta und nicht im Apostolischen Palast. Seit dem Tag seiner Wahl trägt er eine einfache weiße Soutane, darüber statt eines goldenen Kreuzes ein schlichtes Eisenkreuz. Programmatisch wählte der langjährige Erzbischof von Buenos Aires den Namen Franziskus – in Erinnerung an den Bettelmönch und Ordensgründer Franz von Assisi. Auch jenseits dieser Gesten der Bescheidenheit formuliert der neue Papst in leichten Abwandlungen immer wieder den gleichen Wunsch: „Wie sehr möchte ich eine arme Kirche und eine Kirche für die Armen.“

Wir müssen heute ein ,Nein zu einer Wirtschaft der Ausschließung und der Disparität der Einkommen‘ sagen. Diese Wirtschaft tötet.“

Die Menschheit erlebe eine historische Wende, so Franziskus weiter. „Die soziale Ungleichheit tritt immer klarer zutage. Man muss kämpfen, um zu leben – und oft wenig würdevoll zu leben.“

Allerdings belässt es der Papst nicht bei dieser Bestandsaufnahme, er identifiziert auch Schuldige. „Dieser epochale Wandel“, so schreibt Franziskus, sei verursacht worden durch enorme Sprünge im wissenschaftlichen Fortschritt und in technologischen Neuerungen. Darüber hinaus habe sich „eine Globalisierung der Gleichgültigkeit“ entwickelt. „Die Anbetung des antiken goldenen Kalbs hat eine neue und erbarmungslose Form gefunden im Fetischismus des Geldes und in der Diktatur einer Wirtschaft ohne Gesicht und ohne ein wirklich menschliches Ziel.“

Strukturwandel der Öffentlichkeit und Korrision der Demokratie

13/02/2013 § Hinterlasse einen Kommentar

Weshalb ist der Begriff der Öffentlichkeit so uneingeschränkt positiv besetzt und wird immer als urdemokratisch betrachtet? Eigentlich ist es doch so, dass die öffentliche Diskussion meist am Wesentlichen vorbei geht. Zudem steht in den neuen Medien alles gleichberechtigt nebeneinander. Der Laie äußert sich ebenso selbstgewiss wie der Experte. Und es ist eine gewisse Unberechenbarkeit im Gange, wie die junge russische Forscherin Anna Litvinenko schreibt:Niemand wusste im Dezember in Russland, worauf diese Schwarmbewegung aus dem Internet hinausläuft – man hatte keine Ahnung, was auf der Straße passieren würde.“

Das World Wide Web verändert die politische Kommunikation, schafft neue Räume zwischen Öffentlichkeit und Privatem und wirkt dabei auch auf ältere Medien zurück – das gilt für Russland ebenso wie für Deutschland: Was dort die webgesteuerten Proteste gegen Putins Wahlsieg waren, sind hier der Erfolg der Piratenpartei bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 2011 oder die Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenberg.

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Subjekt-Objekt-Trennung und ANGST

31/12/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Angenommen, ich will meine Wohnung neu tapezieren. Ich brauche Kleister, Tapete und Werkzeug wie Quast, Schere, Messer usw. Ist dies vorhanden und verfüge ich über die notwendigen Fertigkeiten, so ist das Weitere kein Problem. Ich stelle das neue Aussehen der Wände her. Ich als Subjekt verwirkliche meinen Plan mit Hilfe von Objekten wie Kleister, Pinsel und Tapetenrollen. Die Materialien Kleister und Tapete werden nach dem Modell „Tapetenwechsel“ mit Hilfe der Werkzeuge zu dem Ding „neue Wandbekleidung“. Ist die Wandfläche vollständig mit der neuen Tapete bedeckt und alles aufgeräumt, so ist der Vorgang beendet. Ich bin das SUBJEKT und alles was ich noch dazu brauche hat Objektcharakter.

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Das Subjekt und die Piraten

09/08/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

ICH-Bezogenheit scheint mir mit Subjektivierung nicht viel zu tun zu haben. Ein Subjekt ist eher eine Zeitgestalt mit Erinnerungsbildern bei dem es ein z u g l e i c h gibt an Vergangenheit, Traum und Gegenwart. Und dadurch eine Form, die Brüche integriert, die das Geschäft des Anfangens beherrscht und energetische Integrität ermöglicht.

Dieses Subjekt lebt in der Moderne in einem Subsystem mit

zunehmender Differenzierung, welches immer mehr WISSEN anzuhäufen versucht. Seltsamerweise läuft aber gerade d i e s e s TUN darauf hinaus, dass sich die Komplexität der Lebenswelten erhöht. Mehr Erkenntisse führen nicht zu einem einfacheren System, sondern paradoxerweise umgekehrt zu einem System mit mehr Variablen in welchem sich das Subjekt sogar der Zirkularität der Erkenntnis ausgesetzt sieht.

In dieser Umwelt werden die Individuen gezwungen hochpräsent jederzeit grundlegende Entscheidungen zu treffen. Dies versetzt sie in einen chronischen Alarmzustand. Der Fluss ist abgehackt, Angst überschwemmt und läßt wegtreten in eine Medienwelt, die viele Angebote macht. Das Individuum hat nicht mehr genügend Kraft sein Maßsystem, seine Werte nach außen zu tragen. Es wird, ohne es wirklich zu merken, kolonialisiert. Es trifftet in einen Leerraum ab, in welchem auf den ersten Blick k e i n Wille geschieht, wo Freiraum herrscht. Welch ein fataler Irrtum. Einen besetzteren Raum als den Medienraum gibt es gar nicht!

Das macht auch die Partei der Piraten so sympathisch http://wiki.piratenpartei.de/Name und skuril zu gleicher Zeit.

Sie kämpfen nicht in der Unendlichkeit der Weltmeere für Freiheit, sondern in einem Raum, der Ökonomie per se ist, der durchdrungen ist von Macht. Der unbekannte Gott hat kein Gesicht, deshalb kann man ihm auch nicht wie vor 200 Jahren bei der französichen Revolution den Kopf abschlagen.

Gerade das fließende Bewußtsein der Teilhabe, den leichten Zustand der Trance, den sich die Menschen wünschen, in Gemeinschaften so leisten und von sozialen Netzwerken und anderen Medienwelten aufgeriffen wird, wird hier a u s g e n ü t z t , um den Ökonomie-Gedanken noch mehr in alle Lebensbereiche hinein zu tragen. Wo gibt es hier Freiheit? Hier passiert eine Entwürdigung des Individuums (die es nicht mal bemerkt) , gegen die man sich nicht genug auflehnen kann.

Es ist so abstrus, dass sich die einzige Kraft in unserer Gegenwart, die sich auflehnt, sich ihrer Ketten so gar nicht bewußt ist. Schade!

Max Weber und Karl Marx

25/10/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Auf einer Reise in Thailand hatte ich als zusätzlichen Begleiter Max Weber („Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“) dabei und das Buch auch dagelassen 🙂

Weber arbeitet darin den religiösen Hintergrund des Lebensstils der Moderne heraus. Für ihn ist im Unterschied zu Marx, die Basis nicht Hegels Philosophie, sondern der Geist des Protestantismus, der mit seinem asketischen Ansatz die Anhäufung von Kapital und dessen Re-Investierung in „ehrbare“ Geschäfte erst möglich machte.

Weber behauptet, dass der Charakter des vorwiegend protestantischen Unternehmers mit ihrer technisch orientierten Grundausbildung der Boden für westlich bürokratische und effiziente Wirtschaft sei, wie sie von der ganzen Welt kopiert wurde.

Und – das fand ich besonders beeindruckend, dass man schon den Calvinismus- die verschärfte Form des Protestantismus – als Ausdruck und Folge einer tiefen Verunsicherung der westlichen Menschen ansehen kann.

Rasen wir deshalb so, weil wir so verunsichert sind, wir westlich geprägten Menschen?

Karl Marx verdanken wir Beschreibungen, die uns den Geist des Kapitalismus als Motor einer sich immer schneller vorantreibenden Veränderung und Verunsicherung nahebringt. Die ununterbrochene Erschütterung aller gesellschaftliche Zustände, die ewige Unsicherheit und Bewegung zeichnet die Bourgousie-Epoche (und erst Recht die Postmoderne) aus. Alles Ständige und Stehende verdampft, alles worauf man sich mal verlassen konnte. Alles Heilige wird entweiht. Und gerade dies treibt das Rattenrennen noch an, da diese Prozesse alle bestehenden Verhältnisse erschüttern. Und sie zwingen die Menschen das aufzugeben, was ihnen die romantsiche Epoche an Errungenschaften gebracht hat, sie zwingen die Menschen, ihre Beziehungen mit nüchternen und berechnenden Augen zu betrachten. Alles ist Markt!

Das ist die Kultur des Westens!

In allen BRIC-Ländern, insbesondere aber in Indien mit seiner Kastenvergangenheit und in China gibt es Bestandsorientierung. Die Chinesen versuchen mit „Harmonisierung“ (harmonischen Familie und der harmonischen Gesellschaft) den Rissen in ihrer Gesellschaft Herr zu werden. Auch Indien kämpft diesen Kampf, wenn auch mit anderen Mitteln. Es zeigte aber auch schon Gegenwehr zum so harmlosen Valentinstag.

https://kirkes.wordpress.com/2011/02/13/aus-valentinstag-wird-prem-divas/

Aber das wird nicht reichen, sie werden neue Wege gehe, da bin ich mir ganz sicher, denn sie schwimmen noch sehr in ihrer eigenen Geschichte und die westlichen Einflüsse gehen nicht wirklich tief.

Russland kenne ich noch zu wenige, um zu sehen, wo es da hingeht. Es ist aber besonders interessant, da es europäisch geprägt ist und eine kommunistische Vergangenheit hat.

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